Eigenheim (Symbolbild, Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 19.06.2017 | Stefan Sperfeld

Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft - Wohnungsbau in Brandenburg oft am Bedarf vorbei

Die Bauherren in Brandenburg sind zu aktiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Der überflüssige Wohnraum hat demnach viele negative Folgen für die Regionen. Doch die Analyse liefert auch Lösungsansätze.

In den meisten Regionen Brandenburgs werden nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft zu viele neue Wohnungen und Einfamilienhäuser gebaut. In zahlreichen Landkreisen und kreisfreien Städten übersteigt der Neubau laut einer neuen Studie der Kölner Wirtschaftsforscher den Bedarf. Dem stehe ein zu geringer Neubau von Wohnraum in Berlin gegegenüber, teilte das Institut am Montag mit. Demnach spiegelt sich in der Region das bundesweite Gefälle zwischen Ballungs- und ländlichen Räumen wider: Der Leerstand auf dem Land verschärfe sich ebenso wie der Wohnungsmangel in Städten.

In Brandenburg sei lediglich in den Kreisen Oberhavel, Teltow-Fläming und den Städten Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) der Bedarf nicht gedeckt, so die Forscher. Die Oderstadt ist dabei ein Sonderfall, weil hier die Zahl der Wohnungen sogar gesunken ist, obwohl eigentlich mehr gebraucht werden. In der Uckermark, der Prignitz sowie den drei südlichen Landkreisen Brandenburgs gibt es der Baubedarfsanalyse für die Jahre 2011 bis 2015 zufolge gar keinen Bedarf an Neubauten. In manchen dieser Kreise stieg die Zahl der Wohnungen dennoch, in Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sank sie hingegen.

Besonders drastisch war die Fehlentwicklung in Ostprignitz-Ruppin: Einem Bedarf von 69 Wohnungen standen 202 Neubauten gegenüber. Die Forscher erwarten in betroffenen Regionen unter anderem Leerstände und empfehlen den Kommunen beispielsweise, Neubauten an den Abriss von Altbauten zu koppeln.

In Berlin zu geringe Bautätigkeit

In Berlin sind hingegen laut Studie in den vergangenen Jahren nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden. Ähnlich war die Entwicklung in anderen Ballungsräumen. Insgesamt seien im Schnitt in den sieben größten deutschen Städten nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen gebaut worden.

Zersiedelung, sinkende Preise, Leerstand

Wie auch in Brandenburg wird in zahlreichen Landkreisen bundesweit laut den Kölner Forschern deutlich mehr neu gebaut als eigentlich sinnvoll wäre - gemessen an der schrumpfenden Bevölkerung und der Tatsache, dass vielerorts bereits Häuser leer stehen. So würden auch noch immer sehr viele Einfamilienhäuser gebaut.

Die verstärkte Zersiedelung führe zu steigenden Infrastrukturkosten. Die Entwicklung werde zudem in Zukunft für sinkende Preise sorgen. Darüber hinaus erwarten die Forscher weitere negative Folgen wie verödende Dorfzentren und neue Leerstände.

Als Ursachen für die überhöhte Bautätigkeit auf dem Land nennen die Autoren der Studie, dass die Immobilienfinanzierung dank Niedrigzinsen und der Menge an verfügbaren Grundstücken günstiger geworden sei - obwohl die Baukosten "stetig angezogen sind". Gleichzeitig würden "Neubauten gegenüber Altbauten bevorzugt".

Empfehlungen an die Kommunen

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da. Auch vom Immobilienverband Deutschland Süd in München heißt es, insgesamt gäbe es eigentlich genug Wohnraum in Deutschland - wenn er an der richtigen Stelle wäre. Nach einer 2016 veröffentlichten Schätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung stehen in Deutschland fast zwei Millionen Wohnungen leer, davon etwa 950.000 in ländlichen Regionen.

Um weiteren Leerstand zu vermeiden, rät das Institut der Deutschen Wirtschaft zu einem Umdenken in der Kommunalpolitik. Trotz des interkommunalen Wettbewerbs sollten Bürgermeister keine neuen Bauflächen ausweisen und Neubau an einen Abbau von Leerstand koppeln, "um den Bestand attraktiver zu machen". Gleichzeitig sollten Kommunen mit schrumpfender Bevölkerung die Innenentwicklung fördern und ihre Zentren attraktiver gestalten.

Sendung: Brandenburg aktuell, 19.06.20147, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

2 Kommentare

  1. 2.

    Sorry aber da kann ich ihnen nicht zustimmen. Bin vor 2 Jahren von Berlin nach Brandenburg/Land gezogen und freue mich das hier alles so gut funktioniert. Ob bei Anmeldungen und Anträgen hin bis zur Eheschließung läuft hier alles wunderbar.
    Um uns herum werden überall Einfamilienhäuser gebaut und bezogen. Von Leerstand keine Spur. Man rechnet in den nächsten Jahren auch mit beträchtlichem Zuwachs an Einwohnern. Und so wie sich Berlin zZt. entwickelt bereue ich keine Minute die Stadt verlassen zu haben. Aber das muss jeder selbst für sich entscheiden.

  2. 1.

    Wieder einmal zeigt sich hier, wie wichtig eine Länderfusion zwischen Berlin und Brandenburg wäre. Einerseits könnte so der Stadtrand von Berlin viel planvoller bebaut werden, andererseits würde dies eine wesentlich bedarfsgerechtere Bautätigkeit ermöglichen.

Das könnte Sie auch interessieren