Flugzeug von Air Berlin auf dem Vorfeld des Flughafens Tegel in Berlin (Quelle: imago/Monika Skolimowska)
Audio: Inforadio | 11.08.2017 | Johannes Frewel

Sinkende Passagierzahlen - Immer weniger Reisende buchen Air Berlin

Der Sommer ist Hauptreisezeit, in diesen Monaten füllen die Fluggesellschaften ihre Kassen für die flauen Wintermonate. Anders bei Air Berlin - dort sind die Passagierzahlen derzeit stark rückläufig. Der Sinkflug der angeschlagenen Airline geht weiter. Von Johannes Frewel

Um 24 Prozent sind die Passagierzahlen von Air Berlin im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen. Auch wenn man die 38 Maschinen abzieht, die Air Berlin inzwischen im Auftrag der Lufthansa-Gruppe fliegt und deren Passagiere dort gezählt werden, ist das alles andere als ein gutes Ergebnis. Hinzu kommt, dass die Maschinen etwa zwei Prozentpunkte schlechter ausgelastet sind. Air Berlin fliege also mehr leere Sitze durch die Welt, sagt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg.

Luftfahrt-Experte hält Auslastung für "ordentlich"

In der Hochsaison als Fluggesellschaft Rückgänge zu haben, "ist natürlich schlecht", sagte Schellenberg am Freitag dem rbb. Air Berlin, so Schellenberg gegenüber dem rbb-Inforadio müsse nun an einer "strukturellen Lösung" arbeiten. Allerdings könne man die Auslastung - mit über 80 Prozent für die ersten sieben Monate des Jahres - aus fachlicher Sicht "für ordentlich befinden" - schließlich seien darin auch die schwächeren Wintermonate enthalten, sagte Schellenberg. Entscheidend sei am Ende jedoch der durchschnittliche Ertrag pro Passagier.

Interesse an Air Berlin und Niki ist groß

Diese Zahl gibt es freilich erst am Jahresende. Air Berlin und die österreichische Touristiktochter Niki fliegen seit vielen Jahren Millionenverluste ein, die bisher vom Hauptanteilseigner Etihad getragen werden. Allerdings sucht Etihad nach einer Lösung für das teure Engagement und nach Käufern oder Partnern.

Dabei könnten Air Berlin und Niki einen großen Pluspunkt vorweisen, bilanziert Schellenberg. Air Berlin sei finanziell nicht erfolgreich, aber "umworben". So würde die Lufthansa mittlerweile für 38 Maschinen Miete zahlen, und TUI habe Interesse an Niki, auch wenn es dort noch keinen Vertrag gebe.   

Mögliche Investoren müssen mit Schuldenberg rechnen

Das Interesse allein wird Air Berlin freilich nicht retten. Im August soll bei Etihad eine neue Führungsmannschaft die seit Monaten verwaiste Chefetage beziehen und dann auch Entscheidungen treffen, wie es weitergeht in Europa. Einerseits will sich Etihad bei der angeschlagenen Alitalia nicht weiter engagieren; andererseits ist die Tür bei Lufthansa für den Ex-Konkurrenten Air Berlin offen, beobachtet Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Nun gehe es darum, wie man mit der Lufthansa-Gruppe oder anderen Bietern zusammenkommt. Eine wichtige Rolle dürfte dabei aber auch die "Mitgift" spielen, die Etihad vorgesehen habe.  

Denn Etihad müsse entscheiden, wieviel sie von den Air-Berlin-Schulden übernehmen will. Die Lufthansa möchte zwar mehr von Air Berlin, um die eigene Billigflug-Airline Eurowings auszubauen - aber den Schuldenberg will Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht haben.

Beitrag von Johannes Frewel

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Fliege Strecke Berlin-Zürich regelmässig. Früher AirBerlin, jetzt öfters Swiss und EasyJet. Bessere Service und zuverlässig. Seit AirBerlin die Tochter BelAir fallen gelassen hat, fliege ich selten bis gar nicht mehr mit AirBerlin! Mache das gleiche mit AirBerlin.

  2. 6.

    easyjet hat von Schönefeld nach Wien im Schnitt immer ca. 40 Minuten Verspätung und zurück sieht es dadurch nicht anders aus. Also hat nicht nur Air Berlin mit der Route Probleme.

  3. 5.

    Leider haben wir auch auf unserer Wien- Kurzreise schlechte Erfahrungen mit airberlin gemacht. Sowohl der Hin- (30 min)als auch der Rückflug (90 min) waren verspätet. Das lag wohl am Bodenpersonal, was allerdings auch bei unserer verspäteten Ankunft in Berlin vorerst nicht anzutreffen war. Die Handkoffer wurden uns dann auch aus der Hand genommen, sodass wir am Gepäckband eine geraume Weile anstehen mussten. Deshalb nimmt man ja gewöhnlich das Handgepäck mit, um nicht warten zu müssen. Das nächste Mal werden wir eine andere Fluggesellschaft wählen.

  4. 4.

    Den Kunden-Schwund kann ich bestätigen: Die meisten meiner geschäftsreisenden Kollegen meiden Air Berlin wie der Teufel das Weihwasser. Grund: Verspätungen und Probleme mit dem Gepäck sind eher die Regel als die Ausnahme.
    Meine eigene Erfahrung kürzlich: Mit kleinen Kindern 1 zusätzliche Stunde wegen Verspätung auf dem Flughafen zu verbringen ist nicht nur frustrierend und anstrengend, sondern angesichts von Getränken und Essen auch sehr teuer. Beim Rückflug dann genau das gleiche Spiel. Meine Recherche ergab, dass an dem Tag jeder AB-Flug von Tegel nach Wien mindestens 1 Stunde Verspätung hatte. Fazit: Nie wieder Air Berlin, leider. (Und nach Möglichkeit auch nie wieder den Schrottflughafen TXL nutzen.)

  5. 3.

    Warum muss die AirBerlin derart in die Pfanne gehauen werden? "Immer weniger Passagiere". Ja, wenn man 38 Flugzeuge rausnimmt, ist das so. Schellenberg weist zwar auf "ordentliche Auslastung" hin, aber egal, immer druff. Die Auslastung ist tatsächlich in den letzten 4 Monaten gestiegen, auf im Juli großartige 87%, die eine Lufthansa noch nie erreicht hat. Und das trotz Chaos am Boden, einem versagenden Dienstleister aus München, dem schweren Unwetter in Berlin, den dennoch unveränderten Nachtsperren mit Umleitungen nach Hannover und Rostock. Ich finde die Performance sehr gut und drücke AirBerlin beide Daumen.

  6. 2.

    Air Berlin ist keine Fluggesellschaft, sondern schlichtweg eine Zumutung.

  7. 1.

    RBB und Airberlin scheinen eine Liebesbeziehung zu haben, bei dem Airberlin Spam hier

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