Abendliche Aufnahme des Eingangs zum Hauptgebäude der GSW im Stadtteil Kreuzberg in Berlin (Quelle: dpa)

Wechsel bei der GSW - Immobilienkonzern trennt sich von seiner Führungsspitze

Erst seit April war er im Amt - nun wurde GSW-Chef Bernd Kottmann von seinen Aufgaben entbunden. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende wird seinen Posten räumen. Die Aktionäre der GSW sprachen beiden Managern ihr Misstrauen aus.

Das Berliner Immobilienunternehmen GSW steht vor einem personellen Neuanfang. Nach einem deutlichen Misstrauensvotum der Aktionäre gegen Vorstands- und Aufsichtsratschef geben beide Manager auf. Wie die GSW am Dienstagabend mitteilte, wird Vorstandschef Bernd Kottmann mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden; sein Vertrag wird zum 15. Juli aufgelöst.

Erst Mitte April hatte Kottmann auf Geheiß von Aufsichtsratschef Eckart John von Freyend den Vorstandsvorsitz übernommen. Auch Freyend wird das Unternehmen nun zum 31. Juli verlassen. Laut GSW tut er dies "auf eigenen Wunsch". Hintergrund der Rücktritte waren Zweifel an der persönlichen und fachlichen Eignung Kottmanns, die sowohl Aktionäre als auch der Betriebsrat geäußert hatten.

GSW-Chef Bernd Kottmann (Foto: GSW)
GSW-Chef Bernd Kottmann - die Aktionäre vertrauten ihm nicht.

Aktionäre und Betriebsrat zweifelten an Kottmanns Kompetenz

Vor einer Woche hatten die Aktionäre des Immobilienkonzerns auf der Hauptversammlung Kottmann das Vertrauen entzogen. Freyends Abberufung war hingegen knapp gescheitert. Der niederländische Pensionsfonds PGGM hatte mit entsprechenden Anträgen auf dem Aktionärstreffen eine unerwartet große Mehrheit hinter sich gebracht.

Mehr als 60 Prozent hatten sich gegen Kottmann ausgesprochen, fast 70 Prozent wollten Freyend nicht mehr an der Spitze des Kontrollgremiums sehen - 75 Prozent wären zur Ablösung nötig gewesen. Der Fonds warf Freyend früheren Aussagen eines GSW-Sprechers zufolge vor, Kottmann zu schnell ausgewählt und nicht ausreichend Alternativen geprüft zu haben. Kritisch sieht der Fonds demnach auch, dass Freyend und Kottmann bis 2006 gemeinsam beim Immobilienunternehmen IVG gearbeitet hatten.

"Ich respektiere das Abstimmungsergebnis der letzten Hauptversammlung und übernehme als Vorsitzender des Aufsichtsrats hierfür die politische Verantwortung", sagte Freyend laut Mitteilung. Nach der Personalentscheidung waren die GSW-Aktien gefragt. Der Kurs sprang zunächst um 5 Prozent nach oben, später lag er noch 3,7 Prozent im Plus.

Das Unternehmen war im Herbst 2011 an die Börse gegangen und hat einen Bestand von knapp 60.000 Wohnungen, die meisten davon in Berlin. Ende 2012 wurde der Bestand mit rund 3,3 Milliarden Euro bewertet.

Eine neue Spitze für Aufsichts- und Führungsgremium sucht das Unternehmen nun "kurzfristig" mit Hilfe externer Berater. Bis es soweit ist, werden die Vorstände Jörg Schwagenscheidt und Andreas Segal die Geschäfte führen. Der Aufsichtsrat will zudem einen unabhängigen Gutachter beauftragen, um den Auswahlprozess des früh gescheiterten Kottmann zu durchleuchten.