S-Bahn am Bahnhof Ostkreuz (Bild: dpa)

Acht Bewerber um Teilausschreibung - Bombardier will Berliner S-Bahn betreiben

Zughersteller Bombardier will sich um den Betrieb der Berliner S-Bahn bewerben. Und das obwohl die Deutsche Bahn als derzeitiger S-Bahnbetreiber dem Unternehmen schwere Mängel an den Zügen vorwirft.
Der Zughersteller Bombardier will sich um den Betrieb des S-Bahn-Netzes der Hauptstadtregion bewerben. Das teilte ein Sprecher des Unternehmens am Montag mit. Im kommenden Jahr will der Berliner Senat entscheiden, wer ab 2018 die ausgeschriebenen S-Bahn-Linien bedienen soll.

Das Unternehmen kündigte eine "all-inclusive"-Lösung an. Diese soll den Betrieb der S-Bahn, aber auch die Produktion und Wartung von etwa 390 Fahrzeugen umfassen. Derzeit sucht Bombardier demnach nach einem "zuverlässigen, serviceorientierten Betreiber mit guten Referenzen" im Metropolenverkehr. "Wir bieten den Aufgabenträgern Berlin und Brandenburg an, unmittelbarer Teil der Betreibergemeinschaft zu werden", sagte der Sprecher des Unternehmens. Bombardier ist in Deutschland mit insgesamt acht Werken vertreten, eines davon in Hennigsdorf. Die weltweite Zentrale der Firma befindet sich seit 2002 in Berlin.
Bombardier Werk Henningsdorf (rbb)
Bombardierwerk in Henningsdorf
Zurzeit wird die Berliner S-Bahn von der gleichnamigen Bahntochter als GmbH betrieben, und genau mit dieser liegt Zughersteller Bombardier derzeit im Streit. Wegen schwerer Mängel an den Zügen hatte die Deutsche Bahn im März beim Landgericht Berlin Klage gegen Bombardier eingereicht. Die Bahn wirft dem Hersteller vor, für die Pannenserie bei der bestehenden Wagenflotte aus seiner Produktion mit verantwortlich zu sein. Die Forderungen betragen rund 350 Millionen Euro, Bombardier weist allerdings alle Vorwürfe zurück.

Der aktuelle Verkehrsvertrag für die S-Bahn läuft Ende 2017 aus. Im Juni vergangenen Jahres hat der Berliner Senat beschlossen, die Ring-Linien und die in den Südosten der Stadt verlaufenden Strecken neu auszuschreiben. Eine erste Variante der Ausschreibung musste Berlin allerdings kürzlich zurückziehen, nachdem die Bahn-Tochter DB Regio AG dagegen klagte und das Gericht in ersten "Hinweisen" tatsächlich Fehler wegen der zu langen Service-Veträge monierte.

Zurzeit erarbeiten der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und die beiden Länder die modifizierte Variante. Sie soll laut Berliner Verkehrsverwaltung noch im Frühjahr veröffentlicht werden.
Bisher haben acht Bewerber ihren Hut in den Ring geworfen, sie werden von der zuständigen Senatsverwaltung allerdings nicht öffentlich genannt. Neben Bombardier hat bisher auch das französische Nahverkehrsunternehmen RATP öffentlich sein Interesse am Betrieb der krisengeplagten Berliner S-Bahn bekundet.