Polnische Saisonarbeiter stechen bei Beelitz Spargel (Bild: dpa)

Mehr Bewerber als freie Stellen - Brandenburgs Bauern haben Überangebot an Saisonarbeitern

"Ohne sie würde nicht viel laufen": 270.000 Saisonarbeiter kommen jährlich nach Deutschland - mehr als 5000 Erntehelfer arbeiten in Brandenburg. Es gebe mehr Bewerbungen als freie Stellen, so der Beelitzer Spargelverband.
Brandenburgs Bauern finden in dieser Saison mehr als ausreichend Erntehelfer. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

"2013 gibt es mehr Bewerbungen als freie Stellen", sagte Manfred Schmidt vom Beelitzer Spargelverein. Der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg schätzt die Zahl der Saisonarbeiter aus Osteuropa, die in diesem Jahr auf märkischen Spargel- und Gurkenfeldern sowie in den Obstplantagen zum Einsatz kommen, auf mehr als 5000.

Insgesamt kommen jährlich bis zu 270.000 Saisonarbeiter nach Deutschland. Laut Deutschem Bauernverband stammen die meisten aus Polen, Rumänien, Bulgarien oder Kroatien.
Weißer Spargel in Beelitz (Quelle: dpa)
100 bis 150 kg pro Tag schafft ein erfahrener Spargelstecher

Bis zu 2500 Euro Monatsverdienst möglich

Allein rund um Beelitz sind mehr als 2000 Helfer auf 1300 Hektar im Einsatz, so Schmidt. 70 Prozent der Arbeiter kämen aus Polen. Hier sei alles noch beim Alten. Denn insgesamt nimmt die Zahl der polnischen Erntehelfer ab. In Polen seien in vielen Branchen die Löhne gestiegen, sagte Burkhard Möller, Sozialreferent beim Deutschen Bauernverband. Der Zwang, sich etwas dazuverdienen, sei nicht mehr so hoch.

Etwa 700 bis 800 Euro zahlen die Beelitzer Spargelhöfe als Grundlohn, so Schmidt. Dazu kämen Leistungszuschläge. Ein guter Spargelstecher könne es im Monat so auf mehr als 2500 Euro bringen. Laut Gartenbauverband wird in Brandenburg ab fünf Euro die Stunde und mehr gezahlt. Dazu kommt noch ein Zuschlag. In Polen liege der gesetzliche Mindestlohn bei 2,23 Euro, sagte Geschäftsführer Andreas Jende.

"Ein erfahrener Spargelstecher holt am Tag 100 bis 150 Kilogramm aus der Erde", berichtete der Beelitzer Spargelbauer Jörg Buschmann. So seien pro Tag 100 Euro zu verdienen.

"Ohne sie würde nicht viel laufen"

Auch im Spreewald während der Gurkenernte sind viele Erntehelfer im Einsatz. Die Agrargenossenschaft "Unterspreewald" aus Dürrenhofe beschäftigt seit dem 20. Juni mehr als 140 Saisonkräfte. "Unsere Leute kommen schon seit Jahren zu uns", sagte Geschäftsführer Uwe Schieban. Viele davon seien polnische Studenten. "Ohne sie würde bei uns nicht viel laufen."

Auf 45 Hektar baut die Genossenschaft Gurken an, dazu 25 Hektar Spargel. "Ohne die Helfer könnte man nur mechanisieren", allerdings sei die Qualität bei handgestochenem Spargel viel besser , sagte Schieban weiter.

Hintergrund: Arbeitslose als Arbeitskräfte

Um mehr Arbeitslose in der Ernte unterzubringen, mussten viele Jahre lang deutschlandweit grundsätzlich 20 Prozent der Helfer Deutsche sein. Das schrieb die sogenannte Eckpunkteregelung der Bundesregierung vor. In Regionen mit einer niedrigen Arbeitslosenquote war pro Betrieb ein Anteil von 90 Prozent ausländischer Arbeiter erlaubt.

Die Regelung war vor allem bei Bauernverbänden auf heftige Kritik gestoßen. Sie waren mit den Arbeitslosen unzufrieden. Beklagt wurden vor allem fehlende Motivation und mangelndes Durchhaltevermögen.

Im Zuge der EU-Osterweiterung wurde diese Regelung gekippt. Seit Mai 2011 gilt für Bürger der EU-Beitrittsländer Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Seit dem Januar 2012 können auch Saisonkräfte aus Rumänien und Bulgarien ohne Arbeitserlaubnis Saisonbeschäftigungen ausüben - und ab Juli 2013 auch Kroaten. Aus weiteren Ländern gibt es keine Saisonbeschäftigten, so das Bundesarbeitsministerium.