
Debatte im Abgeordnetenhaus - Fahrpreiserhöhungen gehen der Opposition zu weit
Die erneute Fahrpreiserhöhung für Bus und Bahn überschreitet nach Ansicht der Opposition die finanzielle Schmerzgrenze vieler Berliner. Es sei "verkehrspolitisch wie sozialpolitisch nicht verträglich", dass der Preis für einen Einzelfahrschein binnen eines Jahres um mehr als zehn Prozent steige, kritisierte der Linken-Verkehrsexperte Harald Wolf am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Die Grünen forderten das Landesparlament auf, Veto einzulegen.
Der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg hatte vor einer Woche beschlossen, die Ticketpreise ab August um durchschnittlich 2,8 Prozent zu erhöhen. Der Einzelfahrschein für das Berliner Tarifgebiet AB wird dann 2,60 statt bisher 2,40 Euro kosten, der für das Tarifgebiet ABC 3,20 statt 3,10 Euro.
Opposition fordert Einschreiten der Regierung
Die Grünen forderten das Parlament auf, die neuen Preise abzulehnen. Die Wirtschaftlichkeit von Bussen und Bahnen solle lieber durch steigende Nutzerzahlen gesteigert werden.
Auch Wolf forderte, der Senat müsse seiner Verantwortung für die Fahrgäste gerecht werden: Er habe die Berliner Verkehrsbetriebe bewusst in die Verschuldung fahren lassen.

Verkehrssenator hält Erhöhung für angemessen
Verkehrssenator Michael Müller (SPD) sprach hingegen von einer "Erhöhung mit Augenmaß". Auch würden Monatstickets kaum teurer. "Es lohnt sich künftig schon ab 30 Fahrten." Das Ziel sei, dadurch mehr Stammkunden zu gewinnen. Von den Unternehmen erwarte er nun aber, "dass sie unter Beweis stellen, dass sie diese Erhöhung verdient haben".
Der SPD-Abgeordnete Ole Kreins wies darauf hin, dass in anderen Großstädten die Erhöhungen noch stärker ausgefallen seien. So stiegen die Preise in Hamburg durchschnittlich um 3,5 Prozent, in Berlin aber nur um 2,8 Prozent.
Zudem müsse die BVG dringend in ihre Infrastruktur investieren, so Kreins. Die Opposition mache es sich mit ihrer Ablehnung zu einfach, kritisierte er.
Der CDU-Abgeordnete Oliver Friederici warf den Grünen sogar Populismus vor. Mit einer Ablehnung nehme sie die Entlassung von Mitarbeitern, die Stilllegung von Strecken und eine Einschränkung des Nachtverkehrs in Kauf.
