Blick über die Spree, die vom Eisenhydroxidschlamm rötlich-braun gefärbt ist, am 26.05.2014 im Zentrum von Spremberg (Brandenburg) (Quelle: dpa)

SPIEGEL-Recherchen zur braunen Spree - Streit um brisante Braunkohle-Studie

Wie stark verunreinigen Braunkohle-Tagebaue und ihre Folgen das aus der Spree gewonnene Trinkwasser? Seit Monaten streiten die Frankfurter Wasserwerke darüber mit dem bundeseigenen Bergbausanierer LMBV. Nun enthüllt der SPIEGEL: Die LMBV hielt monatelang ein brisantes Gutachten zu dieser Thematik unter Verschluss.

Der Bergbausanierer LMBV hat einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge monatelang eine brisante Studie unter Verschluss gehalten. Sie enthält Aussagen über die Verantwortung des Braunkohlebergbaus für die hohe Sulfatbelastung der Spree. Demnach entfallen auf die Braunkohleförderung und den Betrieb der Kraftwerke in der Lausitz mehr als 50 Prozent der Einträge.

Weitere 30 Prozent entstünden bei den Sanierungsarbeiten alter Tagebaue durch die bundeseigene Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Der Rest wird natürlichen Ursachen zugeschrieben.

Damit liege der Anteil Vattenfalls an der Gewässerverschmutzung deutlich höher als bisher bekannt. Hintergrund sei möglicherweise die Auseinandersetzung darüber, wer für die Folgen des Sulfateintrags zur Trinkwassergewinnung aufkommen soll. Wie berichtet, streiten die Wasserwerke in Frankfurt (Oder) seit Monaten mit dem LMBV über die Kosten für ein neues Wasserwerk in Müllrose.

Dieses Wasserwerk sei nötig, weil die Sulfatbelastung des Spreewassers bedrohlich nah an den zulässigen Grenzwert gestiegen sei - dafür trage auch die LMBV eine Verantwortung und müsse sich deshalb auch an den Kosten beteiligen, so die Wasserwerke. Die LMBV hatte das bislang abgelehnt.

LMBV weist Vorwürfe zurück

Auf Anfrage von rbb online weist LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber den Vorwurf zurück, dass man wegen dieses Streits unliebsame Studien-Ergebnisse unterdrücken wollte. Die Studie sei zwar tatsächlich erst am 21.Juli und damit fast vier Monate nach der Ausfertigung am 31.März auf der Homepage des Behörde veröffentlicht worden. "Das liegt aber daran, dass wir mit allen Beteiligten noch einmal über die wissenschaftlichen Grundlagen diskutiert haben, um Fehler zu bereinigen." Solche monatelangen Diskussionen seien bei einer derartigen Studie zwar nicht üblich, "aber sie kommen vor."  

Die grüne Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock kauft der LMBV diese Begründnung nicht ab. "Das Verhalten der bundeseigenen LMBV ist absolut verantwortungslos und skandalös. Die LMBV steht hier meiner Ansicht nach in voller finanzieller Verantwortung. Es müssen endlich verbindliche Finanzierungszusagen gemacht werden."

Sulfat-Belastung der Spree hat Höhepunkt erreicht

Das Problem der Sulfat-Salze geht dem Gutachten zufolge unter anderem auf die Einleitung aus Grubenwasser-Behandlungsanlagen der Braunkohleförderung zurück. Aber auch stillgelegte Tagebaue sind ein Problem. Als sie noch aktiv waren, wurde das Grundwasser für die Förderung abgepumpt. Jetzt kommt es zurück und spült freigelegtes Sulfat in die Flüsse.

Die Autoren des Gutachtens gehen davon aus, dass die Sulfat-Belastung der Spree ihren Höhepunkt erreicht hat. "Ein weiterer starker Anstieg der Sulfat-Frachten wird nicht erwartet", heißt es in dem Papier.

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