DeMolkereimeister Oliver Stich posiert am 16.01.2015 in der Halle des Landes Bayern auf dem Messegelände in Berlin mit einem Emmentaler Käse. (Quelle: dpa)

Eröffnung der Grünen Woche in Berlin - Zwischen Käsehappen und Agrarpolitik

Hier wird geschlemmt: Seit Freitag ist die 80. Grüne Woche für Besucher geöffnet. In den 26 restlos ausgebuchten Hallen der weltgrößten Agrarmesse zeigen die Aussteller, was die Welt in Sachen Nahrungsmittel und neue Trends der Landwirtschaft zu bieten hat. Die Eröffnung war jedoch auch geprägt von Diskussionen um die aktuelle agrarpolitische Lage.

Auf dem Messegelände in Berlin-Charlottenburg dreht sich seit Donnerstagabend wieder alles um Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. Bei der Internationalen Grünen Woche präsentieren sich mehr als 1.600 Aussteller aus 68 Ländern in den 26 restlos ausgebuchten Hallen. Bis zum 25. Januar werden 400.000 Besucher auf der Messe erwartet.

Seit Freitag können alle Besucher durch die 26 Hallenkomplexe ziehen. Beschaut und bestaunt werden kann auch diesem Jahr alles, was es rund um den Globus an Nahrungs- und Genussmitteln, Trends aus der Landwirtschaft sowie im Gartenbau und in der Pflanzenwelt gibt.

Weltweiter Agrarhandel als Thema der Grünen Woche

Den Startschuss gab am Donnerstagabend erstmals Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit seiner Eröffnungsrede. Mit Blick auf das geplante internationale Freihandelsabkommen mit den USA sagte er, die Standards der Lebensmittelsicherheit seien "nicht verhandelbar". Er wolle daher "den Mut und die Hoffnung etwas erhöhen", dass dies auch beim TTIP-Abkommen mit den USA der Fall sein werde.

Aus Sicht eines Bündnisses aus Umweltorganisationen, Öko- und Kleinbauernverbänden hingegen gefährdet das Abkommen die bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland. Im Kern gehe es in den Verhandlungen" um die weitere Ausdehnung des agrarindustriellen Produktionsmodells nach amerikanischem Vorbild", heißt es im "Kritischen Agrarbericht", den das Bündnis am Donnerstag vor der Grünen in Woche in Berlin vorstellte.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert
Weiger, kritisierte, dass die Europäische Umwelt- und Lebensmittelstandards in Gefahr seien. "Im Zweifel gelten die Interessen von Großkonzernen mehr als die Interessen von Mensch und Umwelt.", sagte Weiger. Bundesregierung und EU-Kommission versicherten aber, Schutzregeln zu bewahren.

Schmidt nimmt Bauern in Schutz

Auch die Bauern hatten im Vorfeld Kritik geäußert und zeigten sich pessimistisch. In der Landwirtschaft gebe starker Preisdruck, schlechte Stimmung und verhaltene Investitionsbereitschaft den Ton an, bedauerte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied. Neben den Fleischpreisen ständen seit einem längeren Zeitraum auch die Preise für Milch, Getreide, Zucker und Milch oder Gemüse unter Druck. "Das bleibt natürlich nicht ohne Wirkung in der Landwirtschaft.", sagte Rukwied.

Daneben planen Kritiker der europäischen Ernährungs- und Agrarpolitik anlässlich der Grünen Woche am Samstag eine Demonstration. Unter dem Motto "Wir haben es satt!" rufen sie ab 12:00 Uhr zum Protest gegen Tierfabriken, Gentechnik sowie das Freihandelsabkommen TTIP auf und fordern eine Agrarwende. Auf ihrer Website prangern sie die "globale Industrialisierung der Landwirtschaft", die "Untergrabung der Saatgut-Vielfalt durch Großkonzerne" sowie "qualvolle Bedingungen für Tiere in industriellen Mega-Ställen" an.

Zur Kritik an der Tierhaltung sagte Bundesagrarminister Schmidt, wenn Mega-Ställe nicht mehr zu beherrschen seien "und das Tier als solches überhaupt nicht mehr überblickbar ist, dann ist das nicht der Weg, den man gehen kann". Er sehe bei Großställen aber auch ein gutes Potenzial für Haltung und Entwicklung.

Zudem nahm Schmidt die Bauern gegen Kritik in Schutz, warnte vor pauschalen Schuldzuweisungen und distanzierte sich von einem Teil der Kritiker moderner Landwirtschaft. Er könne nichts mit einem anfangen, der sage, er wolle keine Tierhaltung und habe es satt. "Das stopft keine Mäuler", so Schmidt.

Zum 80. Mal Grüne Woche

Die Grüne Woche blickt mittlerweile auf eine insgesamt 89-jährige Geschichte zurück. Kriegsbedingt gab es Unterbrechungen, und so findet die Messe in diesem Jahr zum 80. Mal statt. Kein anderes Messeereignis mit der Einbindung von Hunderttausenden Besuchern gab es häufiger in Deutschland als die Grüne Woche.

Als die Messe 1926 zum ersten Mal unter dem Berliner Funkturm eröffnete, war sie noch eine lokale Warenbörse. Die ursprüngliche Idee war es, die traditionelle Wintertagung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung zu verbinden. Daraus wurde über die Jahre eine internationale Verbraucherschau.

Partnerland Lettland

Seit mittlerweile 20 Jahren ist Lettland Stammgast auf der Grünen Woche. In diesem Jahr übernimmt der baltische Staat erstmals die offizielle Partnerschaft für die Messe (Halle 8.2). Damit gestaltet Lettland auch das Rahmenprogramm der Eröffnungsfeier: Lettische Musiker und Tänzer präsentieren ein Potpourri aus Folklore und Moderne - wie es die Tradition des Landes im Baltikum vorsieht.

3.500 Gäste waren am Donnerstagabend zur Feier geladen, als Lettland zu Tisch gebeten und kulinarische Spezialitäten wie gebratene Lampreten, Heringe und Graupenpilaw aufgefahren hat. Auch an dem Stand des Landes gibt es seit Freitag für die Besucher alles, was für Lettland typisch ist: "Rigas sprotes" - die bekannteste Sprotten-Marke Lettlands, Honig und das traditionelle Kwass, ein Erfrischungsgetränk aus Roggen und Malz, Hefe oder Sauerteig.

Bier-Innovationen auf einer Sonderfläche

Um alles Trinkbare aus Hopfen und Malz geht es in der proBier-Halle (Halle 12) auf einer neugestalteten Sonderfläche. Hier warten Aussteller mit einer riesigen Bier- und Markenvielfalt auf. Ein neues Geschmackserlebnis sollen die handwerklich gebrauten Craft-Biere bieten, die aus unterschiedlichen Hopfen- und Malzsorten hergestellt werden.

Daneben werden Biere unterschiedlicher Reifungs- und Gärungsprozesse präsentiert - von der Kalthopfung, über die Fassreifung bis zur Flaschengärung. Auch für Heim- und Hobbybrauer gibt es das passende Werkzeug auf der Grünen Woche: Bierbrau-Anlagen für zu Hause in Kesseln unterschiedlicher Größen werden von den Ausstellern vorgestellt.

Die BUGA zu Gast auf der Grünen Woche

Nicht nur Essen und Trinken stehen auf dem Programm der Grünen Woche. Daneben gibt Brandenburg vorab einen Einblick in die diesjährige Bundesgartenschau in der Havelregion, die im April beginnt. An allen elf Messetagen gibt es Blumensteck- und Schaubindeaktionen, immer begleitet vom BUGA-Maskottchen Wilma Wels. Insgesamt präsentiert sich die BUGA auf der Grünen Woche gleich in vier Hallen: Neben der Brandenburg- und der Sachsen-Anhalt-Halle ist die Gartenschau in der Blumenhalle (Halle 9) und in der Lust aufs Land-Halle (4.2.) vertreten.

Vom Alpaka bis zum Wasserbüffel

Eine der Publikumsattraktionen der Grünen Woche ist auch in diesem Jahr der Erlebnis-Bauernhof (Halle 3.2). Hier können sich Besucher einen Einblick in die Leistungen der Land- und Ernährungswirtschaft verschaffen.

In der Tierhalle (Halle 25), konzipiert als offener Stall, stehen Pferde, Uckermärker, Sportponys, Ziegen, Schafe, Schweine, Alpakas, Wasserbüffel, Highland Cattle und ein Auerochse. Hier kann sich auf den verschiedenen Bundesschauen ein Bild von der deutschen Tierzucht gemacht werden.

Die Grüne Woche ist wieder da

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Beitrag von Anika Hüttmann

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