Gestalten einer Damenfrisur beim Friseur (Bild: dpa)
Brandenburg aktuell | 09.01.2015 | Philipp Manske

TTIP und Verbraucherschutz - Angst vor dem Wilden Westen

Chemikalien auf dem Haar? Hormone im Rind? Keine Produkttests? Was kommt mit TTIP auf die Verbraucher zu? Die Verbraucherzentrale sagt: Der Wettbewerb könnte in Schieflage geraten, wenn alle ihre Standards senken wollen. Von Philipp Manske

Der Traum vom perfekten Haar – er soll wahr werden hier beim Cottbuser Friseur. Aber nur mit Wasser klappt das selten. Shampoos, Farben oder Sprays – für schöne Haare greift fast jeder in die Chemiekiste. In der EU werden immerhin alle Inhaltsstoffe geprüft. Doch durch das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP könnte sich das ändern.

"Wir haben halt die Befürchtungen, dass wir nicht wissen, was das für Produkte aus Amerika sind", sagt Marion Pohl vom Friseurladen "Lockenexpress". "Wir haben so viele Inhaltsstoffe, die schon verboten sind. Und wenn jetzt Stoffe kommen, die nicht mehr verboten sind, dann wissen wir nicht mehr, wie wir darauf reagieren sollen oder wie der Kunde darauf reagiert."

Ein Wettbewerb in Schieflage?

Mehr als 1.300 Inhaltsstoffe in Kosmetika sind in der EU verboten. In den USA sind es dagegen nur elf. Verbraucherschützer befürchten, dass mit dem Freihandelsabkommen ungeprüfte US-Produkte auch in der EU verkauft werden könnten.

Christian Rumpke von der Verbraucherzentrale Potsdam warnt: "Sobald amerikanische oder kanadische Unternehmen in der Lage sind, Produkte hier in Europa mit niedrigeren Standards zu verkaufen, wird es schnell zu einer Abwärtsspirale kommen. Das führt dazu, dass der Wettbewerb in Schieflage gerät und sehr schnell auch deutsche Unternehmer sagen: Wir wollen Standards senken."

Hormone für fette Rinder

Amerika und Europa sollen durch TTIP wirtschaftlich zusammenwachsen. Zölle abschaffen und Standards angleichen. Aber auch nach unten? Brandenburger Originale wie die geschützte Spreewaldgurke könnten verschwinden, weil zum Beispiel Herkunftsgarantien abgeschafft werden; davor warnt der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU): "Ich befürchte, dass die Amerikaner die Herkunftsbezeichnungen angreifen wollen, weil sie das System nicht kennen."

Auch bei der Viehhaltung sind die Amerikaner nicht ganz so streng wie die Europäer.
Antibiotika oder Hormone, um beispielsweise Rinder schneller fett zu kriegen - in Deutschland ist das verboten. "Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend, sie werden darüber entscheiden, wie unsere Kinder und Enkelkinder leben werden", so Friedhelm Schmitz-Jersch vom Nabu Brandenburg.

"Alles ist erlaubt"

Ein drastisches Resümee zieht Christian Rumpke, Geschäftsführer Verbraucherzentrale Potsdam: "In den USA gilt: ich sag mal überspitzt "wild west", alles ist erlaubt. Es darf am Ende des Tages nur niemand zu Schaden kommen. In Europa ist das anders, da sind sehr viele Dinge geregelt."

Marion Pohl will, dass das auch so bleibt. Sie und ihre Kunden wollen wissen, welche Chemikalien wo enthalten sind. "Am Ende kann der ja Verbraucher ja entscheiden, was er nehmen möchte und was nicht. Aber er muss die Chance haben, es aussuchen zu können."

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Nichts genaues weiß man nicht - das lässt sich im Moment über das geplante Freihandelsabkommen TTIP sagen. Es ist deshalb heftig umstritten, vor allem im Bereich der Kultur. Über 2,5 Prozent des europäischen Bruttosozialprodukts werden durch die Kultur geschaffen, das ist mehr als bei der Chemie. Fünf Millionen Arbeitsplätze gibt es im Kreativbereich, sie ist also ein wichtiger Wirtschaftsbereich. Ludger Smolka hat sich bei Filmemachern, Theatermitarbeitern und Buchhändlern umgehört.