Internationale Grüne Woche - Joachim Rukwied (r) und Christian Göke (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 13.01.2016 | Georg Berger

Die Grüne Woche 2016 - Die Russlandkrise wirft dunkle Schatten

Minister probieren Häppchen, Züchter zeigen ihre neuesten Nutztierkreationen und draußen vor der Tür wird demonstriert: Die Grüne Woche läutet am Freitag wieder das Berliner Großmessenjahr ein. Das Gastland der Agrarschau ist in diesem Jahr Marokko. Klingt alles gut, doch präsent ist auch der dunkle Schatten der Russlandkrise.  

Süße Früchte, aber eine bittere wirtschaftliche Lage zahlreicher Bauern: Am Freitag startet die Grüne Woche in Berlin - und über der Branche schwebt der dunkle Schatten der Russlandkrise. Die Stimmung in der deutschen Ernährungsbranche ist in diesem Jahr auch schlecht, weil sinkende Preise auf den Weltmärkten und schwache Umsätze im Inland auf die Einkommen drücken.

Eröffnet wurde die Messe am Donnerstagabend um 18 Uhr von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). Zehn Tage lang steht das Berliner Messegelände dann wieder im Zeichen von Spreewaldgurken und Käsehäppchen: Auf der weltgrößten Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau werden rund 1.600 Aussteller aus mehr als 60 Ländern und 400.000 Besucher erwartet. Die Grüne Woche feiert in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag: 1926 wurde sie zum ersten Mal abgehalten. Weil sie aber unter anderem während des Zweiten Weltkriegs nicht stattfand, ist die diesjährige Ausgabe erst die 81.

Russland kommt nicht zur Grünen Woche

Wenn die Türen auf dem Berliner Messegelände in diesem Jahr öffnen, bereitet nicht so sehr Russlands demonstratives Fernbleiben in Berlin die größte Sorge. Vielmehr sorge die seit Jahren fortbestehende russische Sanktionsmauer gegen EU-Agrarprodukte für anhaltende Talfahrt der deutschen Agrarbranche, betont Bauernpräsident Joachim Rukwied. Er spricht von einer mittlerweile prekären wirtschaftlichen Lage deutscher Bauern. Ohne Russland als Großabnehmer drücke die eigene Überproduktion der durchaus wettbewerbsfähigen deutschen Landwirtschaft massiv auf die Marktpreise.

Erstmals seit Jahren hat das Land keine offizielle Messe-Beteiligung. Dabei hatte das Riesenreich zuletzt die größte ausländische Vertretung mit einer eigenen Halle - nicht nur, um für seine eigenen Produkte zu werben, sondern auch, um deutsche Bauern ins Land zu locken. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Sorgen gegeben, dass die Russen fernbleiben könnten, nachdem die EU infolge der Krim-Annexion Handelsschranken aufgebaut und Moskau mit einem Einfuhrstopp für Agrarprodukte reagiert hatte. Offiziell kennen die Veranstalter aber die Gründe für das Fernbleiben nicht.

"Wir sind traurig, dass die Russen nicht da sind", sagte Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, am Mittwoch der rbb-Abendschau. Die frei gewordene Fläche wird in diesem Jahr die Panorama Berlin, eine Show der Fashion Week, nutzen. Zwei Messen zur gleichen Zeit: Damit sich die Besucher der Grünen Woche nicht verlaufen, sind die Übergänge gesperrt und die Wege neu ausgeschildert.

Mit PS-starken Maschinen protzen auch diesmal wieder die Bauern. Doch das Wachstum der vergangenen Jahre ist eingebrochen. Schuld sind auch hier die Handelsbeschränkungen mit Russland. "Wir erleiden dadurch Preiseinbrüche", sagte Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbands, "Tiefstpreise bei Ferkeln, Schweinen, Milch sind letztendlich dem Russland-Embargo im Wesentlichen geschuldet." Deshalb hoffe er, dass man wieder die Gespräche mit Russland aufnimmt.

Das Partnerland der Internationalen Grünen Woche 2016 ist Marokko. (Quelle: © Messe Berlin/Volkmar Otto)
Das Partnerland der Grünen Woche 2016 ist Marokko

Marokko ist erstes afrikanisches Partnerland

Partnerland der 81. Grünen Woche ist Marokko. Das nordafrikanische Königreich gestaltet auch die Eröffnungsfeier für 3.500 Gäste, darunter Prinzessin Lalla Meryem von Marokko.

Das Land beteiligt sich seit 1960 an der Messe - vier Jahre, nachdem es ein unabhängiger Staat wurde. Nach Angaben der Messe sind rund 40 Prozent der Bevölkerung Marokkos im Landwirtschaftssektor beschäftigt. Marokko habe 2013 Güter der Land- und Ernährungswirtschaft im Wert von 208 Millionen Euro in Deutschland absetzen können. Insgesamt belege Deutschland Platz sieben in der marokkanischen Handelsbilanz. Deutschland habe im selben Jahr Agrargüter im Wert von 207 Millionen Euro nach Marokko exportiert.

Auf der Grünen Woche präsentiert sich Marokko mit landestypischen Produkten wie Gewürzen, Oliven, Kapern, Datteln, Couscous und Linsen, aber auch Arganöl und Rosenblütenwasser. Der Pavillon des Landes soll von den typischen Landschaften und der Architektur des Landes inspiriert sein.

Marokko ist nicht nur das erste afrikanische Partnerland in der jahrzehntelangen Geschichte der Grünen Woche, sondern zugleich auch das erste nicht-europäische. Im vergangenen Jahr präsentierte sich Lettland in dieser Funktion.

Reinheitsgebot wird 500

Zwar gibt es kein Bier aus Russland, doch in der traditionellen ProBier-Markthalle gibt es in diesem Jahr trotzdem Grund zu feiern: Das Reinheitsgebot wird im April 500 Jahre alt. Es gibt den Brauern, die damit werben wollen vor, ihr Bier ausschließlich aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zu brauen. Auch in Zeiten des Craft-Beer-Booms, der experimentellere Brauformen bekannt macht, genießt es hierzulande einen ausgezeichneten Ruf: Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 85 Prozent der Deutschen, dass das Reinheitsgebot auch weiterhin Bestand hat.

Männer, die auf Gurken beißen

Ticketpreise etwas gestiegen

Der Besuch der Grünen Woche ist in diesem Jahr in manchen Preiskategorien teurer als 2015. Für das Familienticket (bis zu zwei Erwachsene mit bis zu drei Kindern) werden jetzt 29 Euro fällig, drei mehr als im vergangenen Jahr. Auch das Happy-Hour-Ticket, das ab 14 Uhr gültig ist, und das ermäßigte Ticket für Schüler und Studenten sind teurer geworden und kosten nun statt 10 Euro statt 9 Euro. Konstant geblieben sind dagegen die Preise für das Standard-Tagesticket (14 Euro), das Sonntags-Ticket (10 Euro) sowie für Schulklassen (4 Euro pro Person), andere Gruppen (12 Euro pro Person), Dauerkarten (42 Euro) und Fachbesucher (20 Euro für eine Tageskarte, 30 Euro für eine 3-Tageskarte und 55 Euro für eine Dauerkarte).

"Wer auf die Grüne Woche kommt, der muss auch in die Brandenburg-Halle"

Brandenburg ist wieder mit einer eigenen Halle vertreten. Man habe dort 78 Stände und insgesamt über 200 Aussteller, sagte Jörg Vogelsänger (SPD), der Landwirtschaftsminister des Bundeslandes. Als Beispiele für das vielfältige Angebot nannte er landwirtschaftliche Produkte und Landtourismus. Wer auf die Grüne Woche komme, der müsse auch in die Brandenburg-Halle, so Vogelsänger. "Wir wollen das Land präsentieren und neue Kunden gewinnen", sagte der Minister weoter.

Das Land stellt 820.000 Euro für die Ausstellung bereit. Mit dabei sind Agrarunternehmen, Gartenbaubetriebe, Direktvermarkter, Pferdehöfe oder Landgasthäuser. Landwirte wollen auch die Gelegenheit nutzen, mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. Während der Messe ist wieder das Gläserne Kochstudio geöffnet. Köche der Region bereiten, unterstützt von Prominenten, regionale Speisen zu.

Archiv: Auf der Internationalen Grünen Woche 2015 gibt es traditionell eine Brandenburg-Halle. (Quelle: © Messe Berlin)
Brandenburg bekommt eine eigene Halle, unbedingt kosten: Spreewaldgurken

Die Grüne Woche ist nicht nur ein traditionelles Branchentreffen, sondern Jahr für Jahr auch Anlass für Umwelt-, Verbraucherschutz- und Entwicklungsorganisationen, auf die Straße zu gehen: Im vergangenen Jahr etwa protestierten rund 20.000 Menschen aus ganz Deutschland unter dem Motto "Wir haben es satt" für eine bessere Landwirtschaft. Auch in diesem Jahr sind wieder Proteste geplant. "Wir haben Agrarindustrie satt!" lautet in diesem Jahr das Motto der Demo, die am 16. Januar nachmittags am Potsdamer Platz starten soll.

Mit Informationen von Johannes Frewel

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