Ein Taucher vor einem künstlichen Atoll auf der Malediven-Insel Ihuru. (Quelle: imago | Nature Picture Library)

Die ITB Berlin feiert Jubiläum - Ein halbes Jahrhundert lang Urlaub

Ein buntes Flaggenmeer flattert vor der Berliner Messe im Wind. Darunter die Schweiz, Belgien, Südafrika. Nur ein kleiner Teil der fast 200 Länder, die sich auf der diesjährigen Tourismus-Messe als attraktive Urlaubsorte präsentieren. Als absolutes Traumziel gelten die Malediven, die dieses Jahr ITB-Partnerland sind. Doch diese Partner-Wahl ist umstritten.

Seit einem halben Jahrhundert trifft sich die Tourismus-Welt in der Messe Berlin. Dort findet in diesem Jahr zum 50. Mal die weltweit größte Ausstellung der Tourismusbranche statt.  

Aus 185 Ländern kommen über 10.000 Aussteller - darunter Fluggesellschaften, Hotels, Autovermieter und Buchungssysteme - die vom 9. bis zum 13. März auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) zeigen wollen, dass man seinen Urlaub bei ihnen besonders gut planen, buchen und verbringen kann.

Klein und Bescheiden: Im September 1966 stellten anlässlich der 1. Internationalen Tourismus-Börse ITB Berlin neun Aussteller aus Ägypten, Brasilien, der Bundesrepublik Deutschland, Guinea und dem Irak auf einer Ausstellungsfläche von 580 qm ihr touristisches Angebot vor. (Quelle: ITB Berlin 2016)
Auf der ersten ITB 1966 waren neun Aussteller vertreten - 50 Jahre später sind es über 10.000.

Besonders viel Aufmerksamkeit kann in diesem Jahr wohl das offizielle Partnerland der ITB, die Malediven, auf sich ziehen. Klares Wasser, weiße Strände, blauer Himmel, das ganze Jahr um die 30 Grad. Der Inselstaat im Indischen Ozean ist für viele der Urlaubstraum schlechthin. 

"Malediven als Partner sind inakzeptabel"

Im Vorfeld der Messe stieß die Entscheidung, das Land zum Partner zu machen, aber nicht nur auf positive Reaktionen. Nicole Ludwig, Pressesprecherin für Tourismus der Berliner Grünen teilte mit, es sei "inakzeptabel mit einer Diktatur, wie sie auf den Malediven herrscht, gemeinsame Sache zu machen."

Die Insel Embudu im Süd-Malé-Atoll der Malediven. (Quelle: imago | Westend61)
Die Insel Embudu in den Malediven ist nur 280 mal 140 Meter groß.

2008 fanden in dem Inselstaat die bis dahin ersten demokratischen Wahlen statt. Der damals gewählte Präsident wurde inzwischen zu 13 Jahren Haft "wegen Terrorvergehen" verurteilt. Aktuell regiert Abdulla Yameen, der Staatsoberhaupt und Regierungschef ist. Beobachter sehen immer weniger Freiräume für Kritik aus Gesellschaft und Opposition und einen zunehmenden Einfluss islamistischer Kräfte. Im Hinblick auf diese Entwicklungen bemängelt Ludwig, dass auf der ITB "tausenden Messebesuchern ein Urlaubsparadies vorgegaukelt wird, ohne auf die tatsächlichen Verhältnisse des Unrechtsregimes hinzuweisen."

"Messe ist ein neutrales Forum"

Mit der Kritik konfrontiert sagte Astrid Zand, Pressesprecherin der Messe Berlin dem rbb, die ITB sei ein "neutrales Forum". Daher verbiete sich "eine politische, wirtschaftliche oder gesellschaftspolitische Bewertung der Aussteller". Man habe die Entscheidung 2011 getroffen, als der damalige Präsident der Malediven die ITB Berlin besucht hatte.     

Für das Land ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle, rund 100.000 Deutsche besuchen den Inselstaat pro Jahr. Von der ITB 2016 erhoffen sich die Malediven einen Zuwachs von etwa acht Prozent bei den Besucherzahlen.

Jeder zweite zögert beim Buchen

Eigentlich sind sie beim deutschen Urlauber damit auch an der richtigen Adresse. Die Deutschen gelten seit Jahren als Weltmeister im Reisen. Terror, Krieg und Fluchtbewegungen wirken sich aber auch in Deutschland auf die Urlaubsplanung aus. Der Messechef der ITB, David Ruetz, sagte dem rbb, dass es der Reisebranche zwar gut gehe, dass sich die internationale Sicherheitslage aber auf die Reisebuchungen auswirke, "weil die Planungssicherheit fehlt." Normalerweise hätten die meisten Deutschen ihren Jahresurlaub bereits Ende Februar gebucht, doch in diesem Jahr zögert jeder zweite deutsche Urlauber aus Furcht vor politischer Instabilität. Gerade Länder wie Ägypten oder die Türkei – vor kurzem noch Ziel von Terroranschlägen – werden weniger gebucht. 

Migration und Sicherheit werden diskutiert

Die ITB beschäftigt sich in diesem Jahr deshalb auch explizit mit den Themen Sicherheit und Migration. So soll darüber gesprochen werden, wie sich der Tourismus durch terroristische Anschläge und verschärfte Grenzkontrollen verändern könnte und ob Tourismus zur Verhinderung kriegerischer Aktivitäten genutzt werden kann.  

Diskutiert wird auch, wie die Flüchtlingskrise den Tourismus beeinflusst, ob Ressentiments entstehen oder vielleicht eine neue Art der Gastfreundschaft. Und wie Flüchtlinge als Fachkräfte in die Branche integriert werden können.

Wie das praktisch funktioniert, erzählt unter anderem der Geschäftsführer eines Potsdamer Hotels und einer seiner Angestellten, der als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist. Außerdem wird das Berliner Projekt "Multaka" vorgestellt, bei dem syrische und irakische Flüchtlinge zu Museums-Guides fortgebildet werden und danach Führungen für Asylbewerber in ihrer Muttersprache anbieten können.

Luxus, LGBT, Roboter

Für die bessere Übersicht hat die ITB ihr Angebot in verschiedene Segmente unterteilt, zum Beispiel Kulturtourismus, Geschäftstourismus, Abenteuer- und Nachhaltigkeitstourismus, Gay&Lesbian Travel oder Luxus. Gerade dieses Segment verändert sich laut ITB zunehmend. Es ginge nicht mehr nur um materiellen Reichtum und Überfluss, sondern zunehmend um Themen wie "Selbstfindung, Simplizität und Authentizität".

Der humanoide Roboter ChihiraKanae auf der ITB Berlin. (Quelle: ITB Berlin 2016)
Der humanoide Roboter ChihiraKanae auf der ITB 2016.

Futuristisch wird es am 11. März, wenn ChihiraKanae - eine humanoide Roboter-Gastronomin - in Halle 7 vorgestellt wird. Getestet werden soll, was Roboter wirklich können und inwieweit sie sich menschlich verhalten können.

Die ITB startet in diesem Jahr mit der Herausforderung, einen Rekord zu brechen. Im vergangenen Jahr besuchten die Messe laut Veranstalter 175.000 Teilnehmer, insgesamt wurden 6,7 Milliarden Euro Umsatz gemacht.  

Wer, wo, was: der rbb-online-Service zur ITB

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