
Rundgang am Brandenburg-Tag - Woidke gibt Einstand als Landesvater auf der Grünen Woche
Als früherer Landwirtschaftsminister Brandenburgs hat Dietmar Woidke die Grüne Woche natürlich schon oft besucht. Am Montag aber gab er nun auch auf dieser Bühne seinen Einstand als Ministerpräsident. Bei seinem Rundgang empfahl er den Regionalerzeugern, künftig stärker auch für ihre Produkte zu werben.
80 Stände und rund 170 Firmen aus der Region - Brandenburg präsentiert sich standesgemäß breit auf der Grünen Woche. Und viele dieser regionalen Anbieter bekamen am Montag Besuch: Erstmals ging Dietmar Woidke (SPD) in seiner Funktion als Ministerpräsident über die Messe.
Dabei zeigte er sich begeistert über die schmackhaften Kostproben und gab den Landwirten die Empfehlung, die Vermarktung ihrer Produkte stärker im Blick zu behalten. Er betonte beim Brandenburg-Tag, dass es nicht nur um die gute Qualität ihrer Arbeit gehen sollte. Genauso wichtig sei es, als Manager Märkte zu beobachten oder die Werbetrommel für neue Produkte zu rühren.
In der Brandenburghalle können Spezialitäten und Neuheiten probiert und auch gekauft werden. Aus märkischer Produktion stammen dabei beispielsweise Backwaren, Wurst und Käse, Senf, Ketchup, Fische und auch Obst und Gemüse. Außerdem laden Tourismusvereine und Landkreise zum Besuch im Land zwischen Elbe und Oder ein.
Woidke von Königinnen empfangen
Für Woidke war der traditionelle Rundgang durch die Brandenburg-Halle eine Premiere. Aus seiner Zeit als Agrarmister kennt er sich aber aus: "Ich kann Trekker fahren und weiß, wie eine Kuh gemolken wird." Verbrauchern und den Anbietern von Lebensmitteln empfahl der Regierungschef, mehr aufeinander zuzugehen. Vertrauen müsse gewonnen werden.
Der Ministerpräsident wurde von einem knappen Dutzend königlicher Hoheiten - von der Ernte-, über Obst- und Blumenkönigin bis zum Spritzkuchenkönig - begleitet. Kostroben wurden gereicht und der eine oder andere märkische Leckerbissen probiert. Mit wenigen Schlägen gelang Woidke auch der Anstich eines Bierfasses.
Erntefest-Ausrichter Drehna bekam den Staffelstab
Woidke und sein sächsischer Amtskollege Stanislaw Tillich (CDU) warben dann gemeinsam für die erste Brandenburger Landesausstellung. Sie läuft unter dem Motto "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft" von Juni bis Anfang November in Doberlug
(Elbe-Elster). Anlass ist der Wiener Kongress vor 200 Jahren.
Traditoneller Programmpunkt war schließlich die Übergabe des Staffelstabes an den Ausrichter des nächsten Dorf- und Erntefestes. Im September wird in Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) gefeiert.
Mit dem traditionellen Brandenburg-Tag werben Erzeuger aus der Region am Montag auf der Grünen Woche. Das Land ist bereits zum 21. Mal mit einer eigenen Halle dabei.
Besucheransturm und Protest gegen Landwirtschaft
Die Messe hatte zuvor ein bewegtes Wochenende erlebt. Auf der einen Seite war der Andrang wieder groß: 120.000 Besucher haben die weltgrößte Landwirtschaftsmesse am ersten Wochenende besucht. Insgesamt rechnet man mit 400.000 Besuchern auf der Grünen Woche, die noch bis zum 26. Januar läuft. Bis dahin präsentieren sich 1.650 Aussteller aus 70 Ländern; Partnerland ist in diesem Jahr Estland.
Auf der anderen Seite musste die Grüne Woche einige Proteste rundherum aushalten. Am Samstag hatten Tier- und Klimaschützer für Aufsehen gesorgt: Mehrere zehntausend Menschen waren auf die Straße gegangen, um unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" ein Umdenken der Bundesregierung in der Agrarpolitik zu fordern.
Statt weiterhin "Klientelpolitik für die Agrarindustrie" zu betreiben, solle sich die Bundesregierung für eine "tiergerechte und ökologische Agrarwende" einsetzen, so die Organisatoren.
Nach Informationen des Veranstalters hatten etwa 30.000 Menschen an dem Protestzug teilgenommen. Rund 70 Traktoren seien dem Protestzug vorweg gefahren, hieß es. Einige Landwirte seien mit ihren Treckern aus ganz Deutschland bis zu 50 Stunden lang angereist. Der Protestzug begann am Vormittag am Potsdamer Platz und endete am Kanzleramt.
Einige Protestierende nutzten für ihren Protest auch direkt die Grüne Woche und kletterten auf den Funkturm am Berliner Messegelände. Sie entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Bloß nicht genau hinsehen". Darunter war das Symbol der drei Affen zu sehen, die nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen.




