
Grüne Woche in Berlin - Weltgrößte Agrarmesse startet mit Rekordzahlen
Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat am Donnerstagabend die Grüne Woche in Berlin eröffnet. Bis zum 26. Januar werden auf der weltgrößten Agrarmesse 1.650 Aussteller aus 70 Ländern ihre Produkte zeigen. Über 400.000 Besucher werden erwartet. Umweltschützer haben die Messe zum Anlass genommen, den Ausbau des ökologischen Landbaus und ein Ende der Massentierhaltung zu fordern.
Zur Eröffnung der Grünen Woche in Berlin, der weltgrößten Agrarmesse, hat Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Bedeutung der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft betont. 750.000 Unternehmen mit 4,5 Millionen Beschäftigten machten die Branche zu einer "Jobmaschine und einer zentralen Säule der Wirtschaft im ländlichen Raum", sagte Friedrich am Donnerstagabend in Berlin. Welche Bedeutung die Landwirtschaft hat, spiegelt sich auch in den Eckdaten der Grünen Woche wider.
Bis zum 26. Januar werden sich in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm 1.650 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren - so viele wie seit 15 Jahren nicht. "Die Grüne Woche befindet sich im Allzeithoch", sagte Messechef Christian Göke. Auch in diesem Jahr werden mehr als 400.000 Besucher erwartet, darunter 100.000 Fachbesucher. Partnerland ist diesmal Estland.
Wie Friedrich in seiner Eröffnungsrede betonte, wolle die Bundesregierung kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe künftig gezielt fördern und dabei auf eine noch stärkere Orientierung an Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien achten. Als Ernährungsminister wolle er zudem die Themen gesunde Ernährung sowie die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln und heimischen Ökoprodukten weiter voranbringen.
Die deutschen Bauern und die Ernährungsindustrie zeigen sich optimistisch vor dem weltgrößten Branchentreffen. Sowohl die Viehwirtschaft als auch die Ackerbauern gingen mit guten Aussichten in das neue Jahr, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Auch die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie (BVE) erwartet in diesem Jahr wieder ein Umsatzplus. Dabei will die Branche vor allem im Export punkten. Es werde mit einem Umsatzwachstum von bis zu vier Prozent gerechnet, erklärte BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff.
Lebensmittelbranche setzt vor allem auf Export
Zwar sei der Export im vergangenen Jahr mit 5,2 Prozent weniger stark gewachsen als in den vergangenen Jahren, mit knapp 54 Milliarden Euro habe er aber wieder ein Rekordniveau erreicht.
Im Inland hingegen sieht die BVE die Lage gespannt. Gründe seien der harte Wettbewerb, hohe Produktionskosten und gestiegene Kundenansprüche. Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass die Lebensmittelpreise in diesem Jahr weiter steigen. "Wir gehen nicht von sinkenden Preisen aus", sagte Minhoff.
Friedrich erwartet günstigere Preise für Öko-Produkte
Verbraucherschützer kritisierten anlässlich des Messeauftakts den stagnierenden Ausbau der Öko-Landwirtschaft. Das Entwicklungsziel der Bundesregierung, 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland von Bio-Bauern bestellen zu lassen, sei in weite Ferne gerückt, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Thomas Holzmann.
Dagegen sagte Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich, dass letztlich der Verbraucher bestimme, was produziert werde. Allerdings müsse man bereit sein, "auch den entsprechenden Preis zu bezahlen". Dennoch zeigte sich Friedrich überzeugt, dass Ökoprodukte noch günstiger werden - trotz insgesamt steigender Lebensmittelpreise.
Brandenburg ist mit fast 80 Ausstellern vertreten
Das Land Brandenburg hat auch in diesem Jahr eine eigene Ausstellungshalle und ist mit knapp 80 Anbietern vertreten. Auch Tourismusvereine werben für einen Besuch. Aus Sicht von Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) hat sich Brandenburgs Agrar- und Lebensmittelbranche hat einen guten Stand bei den Verbrauchern erarbeitet. "Entscheidend bleibt der enge Dialog zwischen Produzenten und Kunden", sagte er am Donnerstag in der Brandenburg-Halle. Die Kunden wollten alles über die Lebensmittel erfahren, die bei ihnen auf den Tisch kommen, bemerkte Vogelsänger.
"Grüne Woche" in Bildern
"Die Umwelt muss schon heute zahlen"
Vor Beginn der Grünen Woche mahnten Verbraucherschützer und das Umweltbundesamt mehr Einsatz für den Umweltschutz im Lebensmittelbereich an. "Die Umwelt muss für die Produktion und den Verbrauch von Lebensmitteln schon heute zahlen. Langfristig werden auch die Verbraucher die Folgen spüren", sagte Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale-Bundesverband. Ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen gingen auf die Ernährungsbranche zurück. Daher solle die Bundesregierung stärker über die Folgen für Umwelt und Gesundheit aufklären, sagte Krawinkel.

Protest gegen Massentierhaltung
Auch der Verein Agrarbündnis hat die 79. Auflage der Grünen Woche zum Anlass genommen, die traditionelle Landwirtschaft und insgesondere die Haltung von Nutztieren zu kritisieren. Der Verein aus Umweltorganisationen, Öko- und Kleinbauernverbänden legte im Vorfeld der Messe die neue Ausgabe seines Kritischen Agrarberichts vor. Die Massentierhaltung gehöre abgeschafft, forderte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.
Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich dagegen wies pauschale Kritik an der
Massentierhaltung zurück. Den Bauern sei selbst an guten Haltungsbedingungen gelegen. "Eine Kuh, die krank ist, gibt weniger Milch", sagte Friedrich. "Insofern haben die Landwirte ein hohes Interesse am Wohlbefinden ihrer Tiere sowie auch an der Aufrechterhaltung der Qualität ihrer Böden, die sie ja ihren Kindern vererben wollen." Es sei schade, wenn das Bild der Branche von einigen schwarzen Schafen geprägt werde. Dies gelte es zu ändern und zu verdeutlichen, dass die allermeisten Betriebe so arbeiteten, wie es sich die Verbraucher vorstellten.





