
"Weil wir einfach mal wieder Lust hatten" - Grüne Woche begrüßt 100.000. Besucherin
Nach den Tierschutzprotesten vom Samstag gibt es für die Messeveranstalter ein erfreulicheres Ereignis zu verkünden: Am Sonntag ist die 100.000. Besucherin auf der Grünen Woche begrüßt worden. Insgesamt rechnet der Veranstalter an den zehn Ausstellungstagen mit über 400.000 Gästen. Am Montag findet der beliebte Brandenburg-Tag mit einer Premiere statt.
Auf der Grünen Woche in Berlin ist am Sonntag die 100.000. Besucherin begrüßt worden. Als Dank erhielt die Berlinerin einen Präsentkorb mit Elchfleisch, Moosbeeren oder geräuchertem Käse - Produkte aus Estland, das in diesem Jahr Partnerland der Grünen Woche ist. Die 29-jährige Frau aus Spandau ist mit vier Kolleginnen auf die Messe gekommen, "weil wir einfach mal wieder Lust hatten."
Für den Sonntag rechneten die Messe Berlin mit einem großen Besucherandrang. Bereits am Samstag kamen laut Veranstalter etwa 40.000 Menschen in die Messehallen unter dem Funkturm. "Wir haben einen Super-Aufakt", sagte Messesprecher Wolfgang Rogall am Sonntag. Nach Angaben der Veranstalter kamen 120.000 Besucher am ersten Wochenende zur weltgrößten Landwirdschaftsmesse. Der Anteil der Fachbesucher darunter sei gewachsen.
Insgesamt rechnet man mit 400.000 Besuchern auf der Grünen Woche, die noch bis zum 26. Januar läuft. Bis dahin präsentieren sich 1.650 Aussteller aus 70 Ländern; Partnerland ist in diesem Jahr Estland.
Woidke feiert Chef-Premiere
Am Montag werben Brandenburgs Erzeuger auf dem traditionellen Brandenburg-Tag. Das Land ist bereits zum 21. Mal mit einer eigenen Halle dabei. Für Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist es eine Premiere: Als Regierungschef absolviert er zum ersten Mal den mehrstündigen Rundgang über die Messe.
Landwirte, Nahrungsmittelbetriebe und Tourismusvereine - Vertreter von rund 170 Firmen - werben für Brandenburg. Die Halle ist seit Jahren bei den Besuchern der Grünen Woche besonders beliebt. Tausende Gäste drängeln sich dort jedes Jahr.

Protest für mehr Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft
Am Samstag sorgten Tier- und Klimaschützer für Ausehen: Mehrere zehntausend Menschen waren auf die Straße gegangen, um unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt" ein Umdenken der Bundesregierung in der Agrarpolitik zu fordern. Statt weiterhin "Klientelpolitik für die Agrarindustrie" zu betreiben, solle sich die Bundesregierung für eine "tiergerechte und ökologische Agrarwende" einsetzen, so die Organisatoren.
"Wer Megaställe genehmigt und subventioniert, lässt die Bauern im Stich und handelt gegen die Interessen von Verbrauchern, Tieren und Umwelt", erklärte Jochen Fritz vom Bündnis "Wir haben es satt". Er kritisierte eine mögliche Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa und forderte eine Landwirtschaftspolitik, "die das Arten- und Höfesterben stoppt und den Hunger in der Welt bekämpft."
Nach Informationen des Veranstalters nahmen etwa 30.000 Menschen an dem Protestzug teil. Rund 70 Traktoren seien dem Protestzug vorweg gefahren, hieß es. Einige Landwirte seien mit ihren Treckern aus ganz Deutschland bis zu 50 Stunden lang angereist. Der Protestzug begann am Vormittag am Potsdamer Platz und endete am Kanzleramt.
Einige Protestierende nutzten für ihren Protest auch die Grüne Woche und kletterten auf den Funkturm am Berliner Messegelände. Sie entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Bloß nicht genau hinsehen". Darunter war das Symbol der drei Affen zu sehen, die nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen. Die Gruppe "Grüne Woche demaskieren" wurde erst kürzlich von Tier- und Umweltschützern gegründet. Bereits am Freitag war es nach der Eröffnung der Grünen Woche zu Protesten von Tierschützern gekommen.
Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte die Beteiligung der Demonstranten an der politischen Debatte begrüßt. "Alle Argumente, die dort vorgetragen werden, spielen auch in unserer Diskussion eine Rolle und haben ihre Berechtigung", sagte er. Es sei gut, dass die Demonstranten ihre Meinung sagten, "weil es zeigt, dass viele Menschen sich Gedanken machen um die Welternährung". Gute Landwirtschaft mit nachhaltiger Produktion und hoher Qualität wollten alle erreichen. Über den Weg dorthin gebe es verschiedene Ansichten.





