Häppchen vom Erzeuger -
Kuppeltour für Küchenchefs
Mit tiefgefrorenem Schnitzel und Gemüse aus dem Großmarkt können Gastronomen und Hoteliers heute in der Regel kaum noch bestehen. Regionale Produkte sind gefragt, darauf müssen sich die Unternehmer einstellen. Um Kontakte zu knüpfen, sind 50 Vertreter aus der brandenburgischen Touristikbranche gemeinsam über die Grüne Woche in Berlin gezogen. Von Karsten Zummack
Eine Weinprobe aus Werder - da lassen sich die Gastronomen, Hoteliers, Zimmervermieter aus der Region nicht lange bitten.
Mühsam kämpfen sie sich durch die rappelvolle Brandenburg-Halle. Darunter ist auch Diana Glass. Sie leitet im Prignitz-Dorf Rühstädt ein Wellness-Hotel und ist auf der Suche nach neuen kulinarischen Anregungen. Ihre Gäste fragen immer wieder nach Produkten aus der Region und nehmen auch gerne kulinarische Andenken mit nach Hause, erzählt sie. "Das ist heutzutage einfach 'In', den Honig aus dem Nachbarort zu kaufen".
Gut möglich, dass sie nach der Grünen Woche neue regionale Produkte in ihrem Haus anbietet. Genau darum geht es den Initiatoren der ungewöhnlichen Messe-Tour wie Andreas Zimmer von der Tourismus-Marketing-Gesellschaft TMB. Tourismus und Ernährungswirtschaft müssen an einem Strang ziehen, sagt Zimmer. "Wir denken, da liegt besonderes viel Potenzial in der Entwicklung von Brandenburg".
Ob Speiseeis mit Safranfäden oder Käse, der den Blutdruck senkt - auch in ihrer 79. Auflage wartet die Grüne Woche in Berlin mit ungewöhnlichen kulinarischen Spezialitäten auf. Gerade deshalb ist die weltgrößte Ausstellung für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau bei den Messegästen so beliebt. Mehr als 400.000 Besucher werden wieder erwartet. Die Ausstellungshöhepunkte im Überblick.
Wein vom Werderaner Wachtelberg
Mit Initiativen wie "Brandenburger Gastlichkeit" oder "Bauer sucht Koch" wurden in den vergangenen Jahren bereits einige Restaurants und Lebensmittel-Erzeuger verkuppelt. Davon profitieren am Ende beide Seiten, sagt Kai Rückewold vom brandenburgischen Marketing-Verband Pro Agro. Dabei - so räumt er ein - ist so eine Umstellung gerade für Gastronomen nicht ganz problemlos zu stemmen. Ein Problem sind die Preise, die hoch angesetzt werden müssen, weil handwerklich erzeugte Produkte entsprechend teurer sind. "Da muss dann in der Karte aufzeigen, woher kommt mein Gemüse und mein Öl. Dass ist dann auch erheblich mehr Aufwand". Doch es lohnt sich, meint Rückewold. Und nicht zuletzt setzen die Erzeugerbetriebe auf die regionale Gastronomie.
Auch Jens-Uwe Poel, der auf der Grünen Woche Wein vom Werderaner Wachtelberg anpreist. Der Betrieb will seine Anbaufläche jetzt ausbauen und sucht deshalb eben auch nach neuen Geschäftskunden. Poel findet es wichtig, dass die Gastronomen wissen, dass es auch in Brandenburg Wein gibt. "Dann hoffen wir, dass die das weiter tragen und eventuell unsere Weine auf der Karte zu finden sind".
Immer auf der Suche nach neuen Tipps
Die Prospekte des Winzers gehen jedenfalls bei der Tour auf der Grüne Woche gut weg. Auch Tatjana Ranglack ist interessiert - sie ist zwar keine Gastronomin, bietet aber in Potsdam Ferienwohnungen an. Auch ihre Gäste suchen immer wieder nach Tipps für die Umgebung. "Da müssen wir uns auch ein bisschen umschauen, um auf dem Stand zu bleiben."
Während draußen die Temperaturen weit im Minusbereich liegen, ist es im Inneren der Berliner Messehallen am Funkturm mollig warm.
Zehn Tage lang konnten die Besucher auf der "Grünen Woche" kulinarische Spezialitäten aus Brandenburg, Berlin und der Welt probieren und kaufen.
Anlässlich des Brandenburg-Tages am Montag stattete Ministerpräsident Dietmar Woidke der Grünen Woche einen Besuch ab und griff selbst zum Taktstock, um das landeseigene Polizeiorchester zu dirigieren.
Vom Sekt mit seinem sächsischen Amtskollegen Stanislaw Tillich ging es weiter ...
... zum Fassanstich mit Freibier ...
... bis hin zum Fotoshooting mit dem neuen BUGA-Maskottchen.
Ein Königreich für Kuchenfans: Zahlreiche Besucher drängten sich in der Biohalle am Brot- und Kuchenstand.
Die erste Grüne Woche im Jahr 1926 war noch nicht international ausgerichtet. Heute gibt es eine Vielzahl von Vertretern aus der Nahrungs- und Landwirtschaftsindustrie: ob Trockenfrüchte aus dem Iran oder ...
... oder natürliche Pflanzenölseifen der Landseifen-Manufaktur aus Schönwalde: Insgesamt waren auf der Grünen Woche 1.650 Aussteller aus 67 Ländern vertreten.
Auch für die Jüngsten gab es bei der Grünen Woche einiges zu sehen: "Live-Exponate", wie dieses Highland Cattle, konnten in der Tierhalle bestaunt werden.
Ein Prosit in der Halle des Landwirtschaftsministeriums: Bundesminister Hans-Peter Friedrich (CSU) stieß am Sonntag mit den deutschen "Produkt"-Königinnen an.
Bayern in Berlin: Auf der Internationalen Grünen Woche war die Bayern-Halle äußerst beliebt. Standesgemäß gab es hier alles rund um Bier, Brezn und Weißwürste.
Apropos Würste: auch die Produktionswege wurden auf der Grünen Woche transparent gemacht: vom Anfang ...
... bis zum Ende. In sorbischer Tracht präsentiert hier Ausstellerin Susanne Roch Golßener Wurst.
Kennt jeder. Mag auch fast jeder: Thüringer Klöße sind eine Spezialität aus dem ostdeutschen Bundesland. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht half beim Klößekochen fleißig mit.
"Möchten Sie probieren?" ist ein Satz, der aus jeder Ecke schallt. Gurken Paule preist den guten Geschmack seiner Spreewald-Gurken - und präsentiert Testhäppchen, um Kunden anzulocken.
Tannen aus Werder - eine Frau in Tannenkostüm macht auf die Naturprodukte aufmerksam.
Bereits am ersten Tag strömten die Besucher auf die Messe und auch in die Brandenburg-Halle. "Staus" gehören zur "Grünen Woche" einfach dazu,...
... aber die beiden Damen scheint das nicht zu stören. In Ruhe genießen sie eine Spargelsuppe und einen Spargelschnaps aus Beelitz.
Wer lieber bei Pfannkuchen bleibt, kommt auf der "Grünen Woche" auch nicht zu kurz.
Der nächste Frühling kommt bald - im "Haus und Garten" Bereich hatten Gartenfreunde die Qual der Wahl. Das angebotene Pflanzenzwiebel-Sortiment war groß.
Auch die Hauptstadt präsentierte sich auf der Grünen Woche in einer überschaubaren Halle.
Mit dabei: Die Berliner Currywurst vom Kreuzberger Imbissbetreiber "Curry 36"...
...und vegane Köstlichkeiten, wie zum Beispiel Tofu-Bolognese.
Mit Sorgfalt richtet eine Köchin aus Norwegen in einer der internationalen Hallen ein Dessert mit Himbeeren zu.
Frisch gepressten Apfelsaft konnten Besucher auf ihrer "Deutschland-Tour" bei Bremen kaufen.
Heiß begehrt: die "Tasty Tom" Tomaten aus den Niederlanden.
Kurz vor der Eröffnung der Messe am Donnerstag machte Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) einen Vorab-Besuch in der Brandenburg-Halle und assistierte Koch Ralf Weißmann beim Flambieren eines Kürbis.
Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) macht sich ein Bild vom Obst-Angebot...
... und gleich eine Kostprobe dazu.
Auf dem "Erlebnis Bauernhof" machte sich Bauernpräsident Joachim Rukwied nützlich und pflanzte Raps.
Letzte Vorbereitungen: Eine Plastik-Kuh findet ihren Weg zum Erlebnis-Bauernhof in Halle 3.2.
Aus Holland nach Berlin: ein Käsemädchen bringt frischen Gouda zur Grünen Woche vors Brandenburger Tor.
Vom 17. - 26. Januar ganz in grün: Anlässlich der weltgrößten Ausstellung für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau erstrahlte der Funkturm in grünem Licht. Weitere Bildergalerien | Zum Artikel
Zehn Tage lang lockte die Internationale Grüne Woche Besucher an, mehr als 400.000 Menschen strömten in die Messehallen - zum Schauen, Kaufen und Kauen. Weitere Zehntausende kamen ebenfalls wegen der Agrarschau nach Berlin - allerdings um zu demonstrieren. Am Sonntag ging die Grüne Woche zuende.