
Deutsche Hersteller auf der IFA - 75 Jahre Metz - Auf der Suche nach den Kunden
Vor 75 Jahren wurde das Zirndorfer Fernseh- und Fotoblitzunternehmen Metz gegründet. Die mittelständische Firma ist der letzte unabhängige deutsche Fernsehhersteller in Familienbesitz. In einem dramatischen Wettbewerbsumfeld kämpft Branchenkollege Loewe bereits mit der Insolvenz. Auch Metz macht der zweistellige Umsatzeinbruch bei Fernsehgeräten stark zu schaffen. Von Johannes Frewel.
Langlebige Produkte, fachhandelstreu - Metz ließ Neuerungen gern bei der Konkurrenz reifen, ehe sie selbst die Technik in ihrer Premiumnische im Griff hatten. Bereits 1999 gab es erste Flachbildfernseher bei der Konkurrenz. Metz bediente sein wertkonservatives Klientel noch jahrelang mit ausgereiften Röhrengeräten Made in Germany, beschreibt Geschäftsführer Norbert Kotzbauer die dickschädelig wirkende Markenphilosophie des fränkischen Unternehmens aus Zirndorf: "Im Jahr 2005 gab es den Eintritt in die Flachbildschirm-Technologie - das war viel zu spät, wo andere schon 1999/2000 unterwegs waren, war Metz wieder einmal mit der Beständigkeit, eigene Wege zu gehen, unterwegs. Aber manchmal muss man Dinge reifen lassen, weil man ansonsten in den sauren Apfel beißt."

Auch Konkurrent Loewe kämpft ums Überleben
Um den sauren Apfel kommt Metz zum 75-jährigen Firmenjubiläum freilich nicht herum, denn die Umsätze der Fernsehbranche schrumpften im ersten Halbjahr um ein Viertel. Verkauft werden die Hochpreisgeräte exklusiv über den Fachhandel, dessen Marktanteil jedoch seit Jahren bröckelt. Der fränkische Konkurrent und Geschäftspartner Loewe produzierte lange Zeit Leiterplatten für Metz. Metz lieferte Kunststoffgehäuse für Loewe.
Heute kämpft Loewe ums Überleben und der ehemalige Aufsichtsratschef Rainer Hecker rät Metz, seine Geschäftsstrategie - deutsche Entwicklung und deutsche Produktion - angesichts voranschreitender Globalisierung zu überdenken: "In einem von komplettem Umbruch gekennzeichneten und von Technologie getriebenen Markt, stellt sich die Frage nach dem Anteil der eigenen Wertschöpfung für ein mittelständisches Unternehmen. Viele der nötigen Bauteile kommen unserer Branche seit vielen Jahren von internationalen Zulieferfirmen."
Fernsehbranche im Konjunktur-Schatten
In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten bemüht sich Hartmut Haubrich, Verwaltungsratschef der Fachhandels-Verbundgruppe ElectronicPartner, Metz zumindest Trost im Überlebenskampf zu spenden: "Natürlich wissen wir, dass in diesem Jahr nicht unbedingt die Fernsehbranche in voller Konjunktur-Sonne da war, aber vielleicht hilft der Firma Metz ein Gedicht des großen Poeten Heinrich Heine: 'Das Fräulein stand am Meere und seufzte lang und bang, es rührt sie sehre der Sonnenuntergang. Mein Fräulein seien Sie munter, das ist ein altes Stück: hier vorne geht sie unter, und hinten kehrt sie zurück ...'"
Inzwischen kommen zwar auch bei Metz Panels und Chipsätze für das schrumpfende TV-Geschäft preisgünstig aus Fernost. Im bestimmenden Wachstumsgeschäft von Smartphones und Tablets hat Metz indes nichts zu bieten.


