Kein Trendprodukt auf der IFA - Die Luft ist raus aus dem Fernsehmarkt
Über lange Zeit verwöhnten jährlich zweistellige Wachstumsraten die Hersteller von Flachbildfernsehern mit einem Dauerboom. Doch die Luft ist raus, der Markt fällt in sich zusammen. Längst suchen große Hersteller auf neuen Märkten nach neuen Produkten, die einbrechende TV-Umsätze ausgleichen sollen.
Der TV-Markt schwächelt nicht nur ein bisschen. Um 25 Prozent ist er in diesem Jahr auf Talfahrt. Und er wird von Preisverfall geprägt, den auch neue hochauflösende Flachbildfernseher mit deutlich schärferen und immer größeren Bildschirmen nicht stoppen können. Mit gravierenden Folgen für die Hersteller, beklagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des IT-Branchenverbands BITKOM: "Der Markt wird wesentlich vom sinkenden Verkauf von Fernsehgeräten gebremst." Der Boom konnte ja auch nicht ewig weitergehen. Ansonsten gibt es laut Rohleder auf dem Markt auch sehr viel Licht, eine ganze Reihe von Segmenten, die stark wachsen. "Aber wenn Fernseher 40 bis 50 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen und dieses Segment um fast eine Milliarde an Umsatz schrumpft, schlägt das natürlich durch auf den Gesamtmarkt."
Dabei handelt es sich nicht etwa nur um eine zeitweise Delle in der Käufergunst, sondern um einen grundlegenden Strukturwandel, der den Markt verändert. Statt in Fernseher investieren Verbraucher mit starken Wachstumsraten Milliardenbeträge etwa in Smartphones und Tablets. Nur auf internetvernetzten Geräten können Verbraucher überall auf ihre digitalen Inhalte zugreifen. Vernetzung sei der entscheidende Markktreiber, betont Rohleder. Vernetzung heißt der große Markt, in dem Umsätze geschrieben werden. "Wir alle wollen als Konsumenten Medieninhalte nicht auf einem speziellen Bildschirm, auf nur einem Ausgabegerät sehen - wir wollen sie mitnehmen," beschreibt Rohleder die Situation. Insofern müssten all diese medienfähigen Geräte untereinander vernetzt werden. Viele von ihnen greifen auf Inhalte zu, die in einer Cloud abgelegt werden, wo man auch Bilder teilen kann, und das ist ein Riesentrend, weil diese Technologie für die Verbraucher so hoch attraktiv ist.

Klassische TV-Hersteller mit Weitblick haben sich mit dem Ende des TV-Booms abgefunden und suchen längst nach neuen Produkten und Geschäftsfeldern jenseits der Unterhaltungselektronik. Samsung besitzt etwa die Hälfte des TV-Markts, verzeichnet Wachstum jedoch vor allem noch bei Smartphones und Tabletts. Künftig sollen SmartWatches Samsung neue Umsätze erschließen, die im klassischen Fernsehmarkt wegbrechen. Die Bitcom schätzt, dass der Markt schnell Milliarden-Volumen erreicht. Mit einer SmartWatch haben die Nutzer die Hände frei, sagt Rohleder. "Man muss sich nicht mehr ein Telefon ans Ohr halten, vielmehr bekommt man die Kerndienste, die man über das Smartphone nutzt, in Zukunft auf dem kleinen Display am Handgelenk ausgegeben." Man kann über die SmartWatch auch Körperfunktionen messen, für einen Jogger wird medizinische Überwachung möglich sein.
Samsung zeigt seine Smartwatch auf der IFA in Berlin. Im Weihnachtsgeschäft könnte der Preis könnte bei 300 bis 350 Euro liegen.




