85 Zoll Ultra HD Fernseher (Quelle: dpa)

Internationale Funkausstellung - "Ultra HD"-Fernsehen hat gravierende Tücken

Smart-TV verschmilzt klassisches Fernsehen mit Bewegtbild-Angeboten aus dem Internet. Fernsehanstalten stellt diese Medienkonvergenz vor neue Herausforderungen. Weil Tablets und Smartphones für Verbraucher inzwischen deutlich attraktiver geworden sind, wollen öffentlich-rechtliche und private TV-Programmanbieter nun gemeinsam für Smart-TV werben. Von Johannes Frewel

2,9 Millionen internetfähige Fernsehgeräte gingen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres über die Ladentheke. Nur 2,9 Millionen muss man sagen, denn ihnen stehen fast 11,5 Millionen verkaufte Smartphones und Tablets gegenüber. Auf ihnen konsumieren Verbraucher digitale Inhalte bis hin zu Fernsehprogrammen.

Die "Deutsche TV-Plattform" schlägt deshalb die Werbetrommel für das lahmende Smart-TV, wie Wolfgang Elsässer von der Deutschen TV-Plattform erklärt: "Hier gab es quasi einen historischen Schulterschluss, wo sich alle Hersteller gemeinsam mit allen Handelspartnern zusammengeschlossen haben, um diese Kampagne 'smarter fernsehen' in der Öffentlichkeit bekanntzumachen."

Umsatz bei Fernsehern um 25 Prozent eingebrochen

Nach dem diesjährigen Umsatzeinbruch von etwa 25 Prozent soll klassischen Fernsehgeräten gegegnüber der vernetzten mobilen Multimediakonkurrenz der Rücken gestärkt werden.

TV-Hersteller werben längst mit einer neuen, viel besseren Gerätegeneration, die vier- und bald auch achtfache HD-Auflösung bietet. Die Programmanbieter raufen sich derweil die Haare. Es fehlt nicht nur an hochaufgelösten Inhalten.

An der Frage, wie die mit der Auflösung sprunghaft steigenden riesigen Datenmengen ins Wohnzimmer kommen sollen, arbeite man noch im Laborstatus, räumt Helmut Stein, Technikexperte der "Deutschen TV-Plattform" ein: "Hier gehen die Hersteller und die Distributoren bereits in die Vollen und suggerieren, dass es einen neuen, viel besseren Typ Fernseher gebe, obwohl es derzeit in der Broadcast-Kette derzeit nichts gibt, was die Übertragung irgendwie ermöglichen könnte."

Ausreichend Inhalte erst in zehn Jahren

Auf der IFA mussten die Ingenieure kräftig zaubern, um mit Prototypen eine Übertragung von Ultra-HD wenigstens unter Laborbedingungen vorführen zu können. 4K-Fernseher werden bereits hochpreisig verkauft. Doch noch kämpft die Branche bei Produktion und Übertragung um Normen und Standards der Technik.

Ganz abgesehen davon, dass Ultra-HD ohne Glasfasertechnik und mit volumenbegrenzten Internetzugängen eine unbezahlbare Ilusion bleiben wird: "Wenn ich mir heute vorstelle, in U-HD wird übertragen, benötigte man so etwas wie 75 Megabit pro Sekunden. Das werden wir im realen Leben nicht realisieren können, weil die Übertragung zu teuer ist."

So sehr das Bild der neuen Fernseher mit vierfacher HD-Auflösung auch überzeugt, sollten Verbraucher dennoch skeptisch bleiben. Ausreichend Inhalte, so Experten, wird es wahrscheinlich erst in zehn Jahren geben.

Beitrag von Johannes Frewel