Leinwand mit Flachbildfernsehern beim IFA-Pressetag auf dem Messegelände in Berlin (Quelle: dpa)
Video: Antje Tiemeyer, Abendschau | 05.09.2013

Die Trends der IFA 2013 - Von Ultra-Fernsehern, Gold-Kopfhörern und Single-Toastern

Bei der IFA gab es wieder die neuesten Trends der Haushalts- und Unterhaltungselektronik zu sehen. Manches ist durchaus nützlich, anderes eher skurril- oder auch einfach nur teuer. Dieses Jahr durfte das Publikum über hochauflösendes Fernsehen und Computeruhren staunen.

Zu Beginn eine klare Ansage: High Tech-Fans können in diesem Jahr viel Geld sparen. Sie müssen sich zu Weihnachten nicht für derzeit 11.999 Euro (Hisense) oder 18.999 Euro (LG) einen tollen neuen UltraHD-Fernseher kaufen. Die gab es auf der IFA 2013 zwar bei vielen Herstellern zu sehen. Doch für die Geräte, auf denen alles viermal schärfer sein soll als bei den normalen, mittlerweile fast schon veralteten "HD-Kisten", gibt es so gut wie keine sendefähigen Filme oder Dokumentationen. Damit droht den UltraHD-Fernsehern ein ähnliches Schicksal wie in den Vorjahren den 3D-Geräten. Auf der Messe top, in den Wohnzimmern ein Flop.

Ein anderes Fernseher-Thema hatte im vergangenen Jahr schon nicht so richtig gezündet, also probieren es die Hersteller jetzt nochmal. Im nächsten Anlauf sollen die Käufer für das sogenannte Smart-TV begeistert werden. Diese Fernseher werden durchaus schon gekauft, aber eher häufig nicht mit dem Bewusstsein, dass man mit internetfähigen Fernsehern noch viel mehr tun kann als fern zu sehen.

Laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik gfu steht bereits in jedem dritten Wohnzimmer ein internetfähiger Fernseher. Aber nur knapp mehr als die Hälfte davon ist auch mit dem Netz verbunden. In manchen ländlichen Regionen scheitern potenzielle Nutzer schlicht daran, dass kein breitbandiges schnelles Internet verfügbar ist. Beklagt wird aber auch die komplizierte Handhabung.

Das Kind hat einen Namen

Immerhin hat das Kind mit Smart-TV jetzt einen einheitlichen Namen. Zuvor durften sich die Käufer zwischen Web-TV, Internet-Fernsehen, Smart-TV, Hybrid-TV und IP-TV entscheiden. Die Bezeichnungen beschrieben dann jeweils Konzepte, die ähnlich oder in verschiedener Weise Netzinhalte auf den Fernseher bringen sollten.

Die flache Zukunft der Fernsehtechnik wollen Samsung und LG auf der Messe zeigen. Sie präsentieren Prototypen von sogenannten OLED-Bildschirmen. Die neuartigen Leuchtdioden versprechen ultradünne, durchsichtige oder rollbare Fernseher mit hoher Auflösung und großer Farbbrillanz. Experten rechnen allerdings erst in etwa zehn Jahren damit, dass die OLED-Technologie für normale Käufer erschwinglich wird.

Möglicherweise geht es den Fernsehern dann auch so wie inzwischen schon den Navigationsgeräten und Digitalkameras. Beide finden immer weniger Käufer, weil sich ihre Funktionen in gut ausgestatteten Mobiltelefonen schon vorhanden sind.

"Des Konsumenten Liebling mit begrenztem Budget sind Smartphones und Tablet-PCs," weiß der Europachef des taiwanesischen Computerherstellers Acer, Oliver Ahrens. Es ist nicht mehr so, dass der Fernseher das attraktivste Produkt ist. Das deckt sich auch mit einer nicht repräsentativen Umfrage unter zehn Berliner Gymnasiasten, die alle recht moderne Smartphones besitzen. Auf die Frage, ob sie sich einem 500 Euro-Gutschein für einen Elektronikmarkt ein Smartphone, einen Fernseher, ein Tablet-PC oder ein Notebook kaufen würden, entschieden sich vier für ein Notebook, drei für einen Fernseher, zwei für ein Tablet und eine Schülerin für ein neues Telefon.

Display als Fenster zur Welt

Auch Konsumforscher Jürgen Boyny sieht Tablets und Smartphones in der Verbrauchergunst ganz weit vorne. Das hat zur Folge, dass sie teilweise anderen Waren das Wasser abgraben. "Man kann auf dem Notebook Videos oder Bilder gucken, auf dem Tablet, auf dem Smartphone. Es gibt eine massive Überlappung", sagt Ahrens. Im Grunde gehe es bei fast jedem Gerät mittlerweile darum, ob man damit ins Internet kann. "Das Display ist das Fenster zur Welt", meint Boyny. Schülerin Julie, 15, findet dann auch: "Was soll ich mit einem Fernseher, wenn ich ein Laptop habe. Mit dem kann ich doch alles machen."

Hingucker Computer-Uhr das nächste große Ding?

Ein Publikumsrenner war die Computer-Uhr vom Smartphonemarkführer Samsung. Mit der Computer-Uhr Galaxy-Gear stoßen die Apple-Konkurrenten aus Südkorea in eine neue Produktkategorie vor, die sogenannten Smart-Watch Uhren.

Der Galaxy Gear wurde zum Ärger von Besitzern anderer Android-Smartphones ausschließlich für Telefone von Samsung konzipiert. Die 168 Gramm schwere Uhr zeigt auf ihrem 1,63 Zoll großen Touchscreen an, wenn neue Nachrichten eingehen. Über eine Kameralinse im Armband lassen sich Fotos machen und über ein verstecktes Mikrofon und Lautsprecher kann der Träger telefonieren, ohne das Smartphone aus der Tasche zu holen. Die Verbindung zum Telefon wird über Bluetooth hergestellt.

Dockingstationen und mobile Audio-Boxen sind top

Drahtlos ist auch der Trend beim Musik hören. Stereoanlage und CD-Playern waren gestern. Musik wird immer mehr über Smartphone und Docking-Station gehört. Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man sich die aktuellen Verkaufszahlen anschaut. Nach Angaben der Branche stiegt in Deutschland der Absatz von Docking-Lautsprechern im ersten Halbjahr dieses Jahres um fast ein Fünftel. Der Verkauf klassischer Hifi-Komponenten wie Verstärker oder CD-Player ging dagegen zurück. Wer Musik direkt vom Handy oder Tabletcomputer abspielt, bei dem verstauben CD-Player und manchmal auch die Hifi-Anlage.

Auf der IFA warben Hersteller von teuren Hifi-Boxen wie Marantz, Denon oder Bang & Olufsen ebenso um die Geldbeutel der Konsumenten wie eher junge Unternehmen, die sich auf mobile Boxen spezialisiert haben. Einer dieser Anbieter ist das US-Unternehmen Sonos, das sich auf drahtlose Audiosysteme für mehrere Zimmer spezialisiert hat.

Mit einer großen Werbeklappe machte der dänische Hersteller Libratone auf sich aufmerksam, dessen mobiler Lautsprecher Zipp von der Fachpresse ungewöhnlich gut bewertet wurde. "Ihre Hifi-Anlage ist gerade gestorben", verkündeten die Dänen trendbewusst und versprechen, dass der nur 26 Zentimeter hohe Zylinder, den man auch für eine Thermoskanne halten kann, die großen Boxen der Nobelmarken ersetzen könnte. Wer hingegen seine Musik vom Handy auf die Stereoanlage übertragen will, konnte auf der IFA einige Geräte finden, die genau das können.

Für den besonderen Geschmack: Kopfhörer aus massivem Gold

Nun gibt es ganz sicher noch den einen oder anderen Musikliebhaber, der niemals auf seine tolle Hifi-Anlage mit den edlen Boxen verzichten würde. Für den wäre dann vielleicht der Kopfhörer in 18-karätigem massivem Gold etwas. Die werden von einem schwedischen Hersteller in der Altstadt von Stockholm produziert und kosten mehr als 11.000 Euro.

Wem dieses Gadget zu teuer ist, der findet vielleicht Gefallen an einem anderen Gerät aus der Reihe "Dinge, die die Welt nicht wirklich braucht": Ein deutscher Hersteller zeigte auf der IFA einen Single-Toaster.  Der kann wirklich nur eine Scheibe toasten, dafür verspricht er ein "optimales Röstergebnis durch Sensorelektronik und Brotscheibenzentrierung".  Einen gewissen Nutzwert hat dann vielleicht die Waschmaschine mit WLAN-Modul. Die Maschine sendet eine Nachricht auf das Mobiltelefon, wenn die Wäsche fertig ist. Auch eine klare Ansage.

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer