Hinter einem Eimerkettenbagger liegt am 03.03.2016 ein Teil der gesprengten Förderbrücke F34 im stillgelegten Braunkohletagebau Cottbus-Nord nahe Cottbus (Brandenburg). Die Förderbrücke wurde am selben Tag gesprengt. (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 16.03.2016 | Rico Herkner

Bieterfrist für Vattenfall-Kohle endet - Noch zwei tschechische Bieter für Lausitzer Braunkohlesparte

Der tschechische Energiekonzern CEZ hat kein verbindliches Kaufangebot für die Vattenfall-Braunkohlesparte in Brandenburg und Sachsen abgegeben. Auch der deutsche Interessent STEAG will nicht kaufen. Jetzt bleiben noch zwei tschechische Interessenten im Rennen.

Das tschechische Unternehmen CEZ hat kein Angebot für die Lausitzer Tagebaue und Kraftwerke in Brandenbrug und Sachsen abgegeben. Sprecherin Barbora Pulpanova teilte am Mittwoch in Prag mit, das Unternehmen habe sich nach gründlicher Beurteilung aller Chancen und Risiken dagegen entschieden. "Das Unternehmen ist aber weiterhin bereit zu Verhandlungen über andere Bedingungen und Varianten eines Kaufs", fügte sie hinzu.

Kohleausstieg verunsichert die Tschechen

Hauptsächliche Gründe für die Entscheidung gegen ein Angebot seien die ungünstige Entwicklung der Großhandels-Strompreise und die anhaltende Unsicherheit bezüglich eines vorzeitigen Ausstiegs aus der Kohle in Deutschland. Vattenfall hatte bis 16. März verbindliche Angebote für seine Braunkohletagebau- und Kraftwerksaktivitäten in Ostdeutschland erwartet. Der zu zwei Dritteln staatliche CEZ-Konzern hatte als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gegolten.

Zwei tschechische Unternehmen noch im Rennen

Die tschechische EPH-Gruppe legte hingegen zusammen mit der Finanzgruppe PPF ein Angebot vor. Zur EPH gehört bereits die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) mit Sitz in Zeitz in Sachsen-Anhalt. "Wir sind überzeugt, dass unser Angebot eine attraktive Lösung für den Braunkohlesektor in Ostdeutschland darstellt", sagte EPH-Chef Daniel Kretinsky. Die Kohle werde eine wichtige Rolle als Brückentechnik im Zuge der Energiewende spielen.

Neben EPH bleibt auch die Czech-Coal-Gruppe des Milliardärs Pavel Tykac im Rennen, wie ein Sprecher des zweitgrößten tschechischen Braunkohleförderers bekanntgab. Weitere Angaben machte er wegen einer Verschwiegenheitsklausel nicht.

Vattenfall äußerte sich nicht zu den Angeboten.

Gewinne in regenerative Energieprojekte stecken

Nach rbb-Informationen aus Unternehmenskreisen schlägt STEAG Vattenfall eine Stiftung vor, die die Braunkohlesparte des Unternehmens übernehmen könnte. Deutschlands fünftgrößter Stromversorger STEAG wird selbst kein Kaufangebot abgeben. Das Risiko sei zu hoch, weil die politischen Rahmenbedingungen für den Energieträger Braunkohle momentan mehr als unsicher seien.

Eine privatrechtliche Stiftung könne dieses Risiko abmindern. Als Investor stünde der australische Finanzdienstleister Macquarie bereit. Nach dem STEAG-Vorschlag solle die Stiftung aus den Erlösen des Kraftwerke Investitionen in regenerative Energieprojekte tätigen. Mit diesen Gewinnen wiederum könnten langfristig Sanierung und Rückbau der Kraftwerke und Tagebaue nach dem Ende der Kohle bezahlt werden.

Dass das Stiftungsmodell nun im Raum steht, deutet darauf hin, dass das Risiko angesichts der unklaren politischen Rahmenbedingungen als sehr hoch eingeschätzt wird. Eine Stiftung hätte für einen möglichen Käufer den Vorteil, dass er nicht direkt für die Braunkohlesparte haftbar wäre. Ob das Stiftungsmodell für den Verkäufer Vattenfall in Frage käme, ist aber ebenfalls noch unklar.

Steag will zwei Milliarden Euro von Vattenfall

Die Nachrichtenagentur Reuters will wissen, dass die Interessenten Steag und Macquarie eine milliardenschwere Finanzspritze von Vattenfall für die Übernahme des Braunkohlegeschäfts haben wollen. Unter Berufung auf Insider berichtet Reuters, dass Vattenfall demnach abhängig von der Entwicklung der Strompreise zwei Milliarden Euro in die Stiftung einbringen müsste.

Den Insidern zufolge soll die Stiftung über eine Holding die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des Braunkohlegeschäfts übernehmen. Steag würde die Geschäfte führen, Macquarie in den ersten Jahren die nötigen Finanzmittel zur Verfügung stellen, um die wahrscheinlich Verluste schreibende Firma am Laufen zu halten. Steag und Macquarie lehnten einen Kommentar ab.

Vattenfall stößt Braunkohlesparte in der Lausitz ab

Vattenfall hatte im Oktober 2014 angekündigt, sich von der Braunkohlesparte in der Lausitz trennen zu wollen. Der schwedische Staatskonzern betreibt in Sachsen und Brandenburg fünf Kohlegruben und drei Kohle-Kraftwerke. Zum Verkauf stehen die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe in Brandenburg, aber auch Boxberg in Sachsen und ein Teil des Kraftwerks  am sächsischen Standort Lippendorf, dass sich das Unternehmen mit dem Energiekonzern EnBW teilt. An dem Braunkohlrevier hängen 8.000 Arbeitsplätze.

Die Sparte war zuletzt sehr profitabel. Im Jahr 2014 soll es nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" einen Umsatz in Höhe von 2,3 Milliarden Euro gegeben haben, mit einem Gewinn von 647 Millionen Euro.

Wegen großer Überkapazitäten hat sich der Strompreis an der Börse seit 2014 von knapp 40 Euro auf weniger als 20 Euro je Megawattstunde halbiert. Hauptgrund ist der anhaltende Ökostrom-Boom mit einer größeren Einspeisung in die Netze. Das macht die auch CO2-intensive Braunkohle-Verstromung weniger attraktiv. Vattenfall bietet zusammen mit der Braunkohlesparte zehn Wasserkraftwerke an.

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Arbeiter auf einem Tagebau-Schaufelradbagger (Quelle: dpa)

CEZ deutet Joberhalt in der Lausitz an - Zuckerbrot und Kohle

Vattenfall will seine Braunkohlesparte verkaufen - und der tschechische Energiekonzern CEZ sie offenbar sehr, sehr gern kaufen. Noch vor einer Woche mahnte CEZ die deutsche Politik, klare Perspektiven für den Kohletagebau zu schaffen. Jetzt schmeichelt der Konzern der Region mit Jobgarantien.

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