Das Kraftwerk in Janschwälde (Brandenburg). (Quelle: imago/Rainer Weisflog)

Kein Kommentar, kein Dementi - Vattenfall verkauft Braunkohle-Geschäft offenbar an EPH

Vattenfall wird seine Braunkohle-Sparte laut Reuters voraussichtlich an den tschechischen Energieversorger EPH verkaufen. Vattenfall dementiert das nicht. Sollte das zutreffen, wird der reichste Tscheche Petr Kellner künftig über die Zukunft der Braunkohle-Jobs mitbestimmen. Er gilt als knallharter Geschäftsmann - und taucht auch in den Panama Papers auf.

Vattenfall verkauft seine drei Braunkohle-Kraftwerke und vier Tagebaue in der Lausitz aller Voraussicht nach an den tschechischen Versorger EPH. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf drei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Der tschechische Energieversorger habe sich demnach gegen das deutsch-australische Konsortium von Steag und Macquarie durchgesetzt.

Die Verträge sollen in der kommenden Woche unterzeichnet werden, sagten die Insider. Der Aufsichtsrat der schwedischen Vattenfall soll den Verkauf in etwa zehn Tagen abnicken. Stefan Müller, der zuständige Pressesprecher von Vattenfall, wollte sich auf Anfrage von rbb online nicht zu dem Bericht äußern, dementierte die Informationen aber auch nicht. Auch EPH wollte sich auf rbb-Anfrage nicht äußern.

Reichster Tscheche Petr Kellner wäre an Kauf beteiligt

Das Unternehmen EPH ist in der Region kein Unbekannter: im Jahr 2012 hatten die Tschechen bereits den anderen ostdeutschen Braunkohleförderer Mibrag übernommen, der auch Braunkohle an Vattenfall verkauft. Ute Liebsch, Bezirkschefin der IG BCE, sagte, EPH wäre nicht die schlechteste Option, allerdings müsse man eine Bestätigung des Verkaufs noch abwarten. Die IG BCE hatte gefordert, dass im Falle einer Übernahme sowohl die Braunkohle-Arbeitsplätze in der Lausitz als auch die Tarifbindung erhalten bleiben müssten.

EPH-Chairman Daniel Křetínský hatte nach Abgabe des Kaufangebots für die Vattenfallsparte zugesagt, EPH würde die Aktivitäten von Vattenfall in der Lausitz nachhaltig und im Interesse der Mitarbeiter und der Region betreiben. Tschechische Wirtschaftsjournalisten haben allerdings Zweifel daran, dass EPH wirklich soviel Aufmerksamkeit auf Arbeitsnehmerrechte legen würde wie Vattenfall das bisher getan hat.

"Knallharter" Geschäftsmann Kellner und die Panama Papers

Größter Anteilseigner von EPH ist der Unternehmer Petr Kellner, der mit einem geschätzten Vermögen von 8,4 Milliarden Euro der reichste Mann Tschechiens ist. Er hat sein Vermögen mit Versicherungs- und Investmentunternehmen gemacht, außerhalb Tschechiens hat er sich vor allem Russland als Geschäftsfeld auserkoren. Kellner gibt fast nie Interviews und ist deshalb selten in den Schlagzeilen, seine Geschäftsmethoden sind laut einem tschechischen Wirtschaftsjournalisten aber zuweilen "knallhart".

So übernahm Kellners PPF-Gruppe im Jahr 2014 die Hauptanteile des Telekommunikationskonzerns O2. Im Jahr darauf sicherte er sich die Rechte für die Übertragung der Champions League auf einem Pay-TV-Kanal. Mit einer Klage vor Gericht ging er anschließend gegen andere Sender vor, die die Champions League im tschechischen Free-TV zeigten. "Damit hat er erheblichen Zorn auf sich gezogen, aber das hat ihn nicht groß gekümmert", so der Journalist.

Kellner besitzt offenbar Briefkastenfirmen in Steuerparadies

Im Zuge der Enthüllungen der Panama Papers wurde laut übereinstimmenden Berichten von Radio Prag und dem Prague Daily Monitor zudem bekannt, dass Kellner und seine Frau mehrere Briefkastenfirmen auf den Britischen Jungferninseln besitzen. Die Insel gilt als Steuerparadies mit über 400.000 registrierten Unternehmen, die dort keine Einkommens-, Gewinn oder Erbschaftssteuern zahlen müssen.

Kellners PPF Gruppe sagte, dass damit keinerlei illegale Aktivitäten verbunden seien. Kellner hätte vielmehr Besitztümer und Geschäftsaktivitäten auf den Britischen Jungferninseln, die von den dort ansässigen Firmen gesteuert würden.

mit Informationen von Thomas Krüger

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