Antenne-Stammtisch: Wohin steuert die Energieregion Lausitz? , (c) Antenne Brandenburg
Antenne-Stammtisch: Wohin steuert die Energieregion Lausitz? , (c) Antenne Brandenburg

Stammtisch von Antenne Brandenburg - Die Lausitz ringt weiter mit dem Strukturwandel

Die Lausitz steht vor einem großen Strukturwandel: Schrittweise weg von der Kohle, hin zu erneuerbaren Energien. Doch über den Weg dorthin herrscht große Uneinigkeit. Das zeigte auch eine Podiumsdiskussion von Antenne Brandenburg. Von Sebastian Schiller

Es war eine streckenweise hitzige Diskussion im Cottbuser Club "Bebel". Die rbb-Radiowelle Antenne Brandenburg hatte für Dienstagabend zum Stammtisch zur Zukunft der Energie in der Lausitz geladen, gekommen waren Bundes- und Landespolitiker, ein Vertreter der Umweltorganisation Greenpeace und direkt vom Kohlebergbau betroffene Anwohner. Auch der Vattenfall-Nachfolger LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG), an diesem Tag erst unter dem Dach des  tschechischen EPH-Konzerns offiziell aus der Taufe gehoben, schickte einen Vertreter an den Diskussionstisch.

Welche Rolle LEAG beim Energie-Strukturwandel in der Lausitz spielt, dazu ließ sich Wolfgang Rolland, Leiter der Unternehmenskommunikation, nicht in die Karten schauen: "Wir werden jetzt in die Gespräche eintreten mit EPH zur Frage der Fortführung der Tagebaue", sagte er. Für definitive Aussagen sei es noch zu früh.

Ginge es nach Monika Schulz-Höpfner, stünden neue Tagebaue gar nicht zur Diskussion. Die CDU-Kommunalpolitikerin und ehemalige Landtagsabgeordnete wohnt in Atterwasch, einem seit Jahren von der Abbaggerung bedrohten Dorf im Landkreis Spree-Neiße. "Wer kann denn ernsthaft meinen, wir wollen neue Tagebaue aufschließen? Ich befürchte für die Einwohner der Gemeinde: Es wird ein Desaster, wenn es tatsächlich so kommt", sagte sie. "Dann würden da nämlich tatsächlich Ruinen stehen - und der Tagebau würde gar nicht mehr benötigt werden."

Wie sieht der Plan B aus?

Auch in der Frage, wie es nach dem Ende der Braunkohle weiter geht und ob man einen Plan B für die Lausitz braucht, waren die Gäste auf dem Podium unterschiedlicher Meinung. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) beispielsweise sagt, er glaube nicht, dass ein Alternativplan im Sinne eines kompletten Umdenkens in der Lausitz wirklich nötig sei: "Ich bin sehr überzeugt davon, dass sie eine Zukunft hat als Industrieregion, die sie seit Jahrzehnten ist", sagte er. "Ich glaube, darauf müssen wir uns konzentrieren: mit, neben und irgendwann nach der Kohle."

Diese Meinung teilte auch der SPD-Bundesabgeordnete Ulrich Freese. Die Lausitz sei auf einem guten Weg, sagte er. "Gewerbegebiete sind da, die Straßen sind besser geworden. Wir müssen Schienenanbindung, Infrastrukturmaßnahmen und schnelle Verbindungen mit Regionen wie Leipzig herbeiführen, um diese Region ansiedlungsfähiger zu machen als sie jetzt schon ist." Investoren, die auf nationalen und internationalen Märkten tätig sind, sollen Freese zufolge merken: "Bei uns in der Lausitz kann man investieren und auch Weltmärkte bedienen."

Greenpeace: Strukturwandel in Brandenburg nicht gewollt

Für Karsten Smid von Greenpeace stand indessen fest: Der Strukturwandel wird von der Landesregierung und den an der Braunkohle beteiligten Unternehmen und Behörden aktiv gebremst. "Wir haben als Alternative die Erneuerbaren Energien", sagt er. In Brandenburg sei allerdings das Problem, dass der Strukturwandel nicht ernsthaft gewollt sei. "Sie wollen an der Braunkohle festhalten, und damit blockieren Sie tatsächlich den Strukturwandel. Sie blockieren sämtliche Entwicklungen und Perspektiven, wie sie aus einer Innovationsregion eigentlich geschaffen werden."

Kohleausstieg und Strukturwandel? Stärkere Investitionen in erneuerbare Energien? Oder Festhalten am fossilen Rohstoff Braunkohle? Fakt ist: Die Lausitz steht vor einer Bewährungsprobe, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Auch wenn die Fronten anscheinend verhärtet sind - die Diskussion über die Zukunft einer ganzen Region im Spannungsfeld zwischen Kohlegrube und Windrad bleibt spannend.

Beitrag von Sebastian Schiller

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