Wasserdampfschwaden steigen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Mehr Industrie, mehr Verkehr, länger Braunkohle - Brandenburg weicht Klimaziele deutlich auf

Brandenburgs Regierung geht beim Klimaschutz einen Schritt zurück. Die gesteckten Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes sind nicht zu erreichen, sagt Wirtschaftsminister Gerber (SPD) - und das aus gleich mehreren Gründen.

Das Braunkohleland Brandenburg will seine Ziele für den Klimaschutz für das Jahr 2030 senken. Statt den Kohlendioxidausstoß um 72 Prozent zu reduzieren im Vergleich zum Jahr 1990, solle jetzt nur noch ein Minus von 55 bis 62 Prozent angestrebt werden. Der Potsdamer Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des Magazins "Der Spiegel". Die neue Energiestrategie des Landes werde gerade innerhalb der rot-roten Landesregierung abgestimmt.

Gerber nannte dem Magazin als einen der Gründe, dass ein Neubau des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in der Lausitz mit einer Speichertechnik für Kohlendioxid nicht wie geplant umgesetzt werden konnte. Auch werde das bestehende Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde länger laufen als in der alten Energiestrategie vorgesehen.

Ein weiterer Grund ist dem Ministerium zufolge, dass die Industrie sich besser entwickelt habe als erwartet, und der Verkehr stärker gewachsen sei als geplant. Mit dem neuen Ziel von zumindest 55 Prozent bis 2030 liege man nun auf dem gleichen Niveau wie die Pläne des Bundes.

Grüne: Senkung unverantwortlich und erinnert an Trump

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky kritisierte die Senkung als unverantwortlich. "Minister Gerber will offenbar in die Fußstapfen Donald Trumps treten nach dem Motto 'Braunkohlewirtschaft zuerst - was kümmert uns das Klima?'", erklärte sie in einer Mitteilung. Die Landesregierung riskiere damit auch die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung bei der Gestaltung des Strukturwandels in der Lausitz. Diese Finanzmittel seien an die Unterstützung der Klimaschutzziele der Bundesregierung geknüpft.

Energiewende ohne Vision

Erst am Donnerstag hatte auch die heftige Kritik eines Wissenschaftlers an der Energiepolitik der Landesregierung für Aufmerksamkeit gesortgt. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, sagte, Brandenburg agiere visions- und verantwortungslos bei der Gestaltung der Energiewende. "Es geht hier um mehr als ein bisschen Kostenverschiebung und Arbeitsplätze. Es geht um die Zukunft unseres Planeten."

Quaschning forderte einen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis spätestens 2040:  "Wenn wir es wirklich wollen und die Verantwortung für unsere Kinder ernst meinen, dann können wir das durchaus in zehn bis 20 Jahren hinkriegen", so der Wissenschaftler. Bei den aktuellen politischen Gegebenheiten und dem Tempo dauere es dagegen mehr als 100 Jahre. "Wir müssen das Tempo einfach verfünffachen", so Quaschning.

Anbieter von erneuerbaren Energien klagen zudem unter mangelnde Unterstützung seitens der Brandenburger Landesregierung.

Sendung: Inforadio, 15.07.2017, 15.40 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    wieso wird immer und immer wieder vom "klimaschädlichen CO" geschwafelt. Keinem Wissenschaftler der Welt ist bisher gelungen hierzu einen Bewis zu liefern! Also, lasst die BraunkohleKraftwerke in der Lausitz ihren Dienst tun, damit wir wenigstens eine Energiequelle behalten, die Tag und Nacht, Bei Sturm und Flaute unsere Industrie, Haushalte Krankenhäuser, usw mit Strom versorgen. Erneuerbare Energie ist UNSINN, liefert nur, wenn die Sonne scheint und der Wind (nicht zu wenig und nicht zu viel) weht.
    Mir geht es seit Jahren nicht in den Kopf, warum man Kernkraftwerke mit der höchsten Technologie in D abschaltet, die durchgängig Strom/Energie liefern ohne Blackout-Gefahr.

  2. 11.

    Dass die Grünen an Unterstützung verlieren und dass sie in Bezug auf das Klima immer das Gleiche sagen, sagt absolut nichts darüber aus, ob ihre Position richtig oder falsch, gut oder schlecht ist. Dieses bestimmt sich vielmehr aus der Sache.
    Wer es nicht begreifen kann, dass bei "Weitermachen-wie-bisher" die Erde wie wir sie kennen binnen 100 Jahren durch eine Andere ausgetauscht wird, oder wem das egal ist, für den muss natürlich der Konsumverzicht, so gering er auch sei, widersinnig erscheinen.

  3. 10.

    Die Menschheit versagt mal wieder auf der ganzen Linie. Danke für Nichts werden meine Kinder und Enkel sagen.

  4. 8.

    Ich denke mal, dass es alles in allem sehr schwierig ist, Gefahren zu zeigen, die nicht sichtbar sind, wo der Mensch doch anthropologisch nach Anschaulichkeit und Begreiflichkeit trachtet. Mit unsichtbaren, nicht riechbaren, nicht hörbaren, nicht begreifbaren und letztlich mit unserem Sinnesapparat nicht wahrnehmbaren Gefahren enteignen wir ja faktisch unseres Sinnesapparat und berauben uns der Fähigkeit, adäquat zu reagieren.

    Somit bleibt - bei hartnäcknigen Leugnungen - nur das Schwarze-Peter-Spiel, dass da hilfsweise etwas Sichtbares her muss, obwohl tatsächlch nichts zu sehen ist.

  5. 7.

    Mehrdeutig formuliert: "Wenns um Kohle geht, scheiden sich die Geister."

  6. 5.

    @Redaktion: Das Symbolbild zeigt kein CO2, sondern H2O-Dämpfe.

  7. 4.

    Ja Umweltschutz ist wichtig, aber der sog. "Klimaschutz" hat mit Umweltschutz nichts zu tun. CO2 ist kein Schadstoff, kein Gift, sondern eine harmlose, allgegenwärtige, natürliche und lebensnotwendige Substanz wie Wasser. Tatsächlich wird im Namen des "Klimaschutzes" die Luftverschmutzung sogar erhöht, z.B. in Form von belästigenden oder gesundheitsgefährdenden Abgasen bei Holz- oder Güllegas-Verbrennung, bei denen nämlich allerlei Giftstoffe freiwerden und die meist nicht ausgefiltert werden - im Gegensatz zu modernen Kohlekraftwerken.

    Und selbst unterstellt, die (sehr zweifelhaften) Behauptungen der Klimaalarmisten träfen zu, würde Deutschlands "Energiewende" die Erdtemperatur nur um 0,05 oder so Grad absenken. Wegen dieser Nichtigkeit sollten wir nicht den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Insofern ist es eine gute Nachricht, wenn Brandenburg zurück auf den Boden der Vernunft findet.

  8. 3.

    Umweltschutz ist die Zukunft unserer Kinder. Und die einzigen, die sich für die Zukunft unserer Kinder einsetzen, sind wieder die Grünen. Andere Parteien sollten endlich mitarbeiten und aufhören, nur bis zu den nächsten Wahlen zu denken.

  9. 2.

    Zum Glück stößt mit den Grünen jemand in das Horn und kümmert sich darum, dem Klimawandel Ideen entgegenzusetzen. Die Landesregierung scheint dazu nicht in der Lage. Und der Lausitz tut sie keinen Gefallen damit, wenn sie den Menschen dort die falsche Gewissheit gibt, dass alles so weitergehend könnte und die Kohle die "Brückentechnologie" sei. Vielmehr hätte man schon vor Jahren beginnen sollen, Alternativen zu erarbeiten und den Menschen eine Perspektive zu bieten. In den Steinkohleregionen ist man da viel weiter. Nur (bzw. gerade) bei der Braunkohle schafft man das nicht.

    Und ja, warum unterstützt die Landesregierung nicht einen Wandel der Energieregion Lausitz hin zu einer Vorzeigeregion für erneuerbare Energien? Knowhow in Sachen Energie ist ja vorhanden und müsste zukunftsfest eingesetzt werden. Aber ohne Ambitionen kommt man leider nicht weiter.

  10. 1.

    ....ist ja klar, dass die Grünen wieder in ihr eintöniges Horn stoßen....wenn man sieht wie knapp diese Partei in den Landtag eingezogen ist, sieht man auch den Rückhalt für ihre Politik in Brandenburg. Und die Anbieter von erneuerbaren Energien beklagen eine mangelnde Unterstützung für ihren teuren, subventionierten Strom. Noch nicht genug an uns Verbrauchern verdient?

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