Massenbewegung am künftigen Ostsee bei Cottbus (Quelle: imago/Reiner Weisflog)

Neue Kaimauer am Cottbusser Ostsee - Umweltschützer warnen vor Braunkohle-Folgekosten

Der Cottbusser Ostsee soll ab 2018 mit Wasser gefüllt werden - bis dahin muss jedoch noch viel gebaut werden, zum Beispiel eine knapp einen Kilometer lange Kaimauer. Die soll jetzt doppelt so viel kosten - unter anderem wegen Schadstoffen aus dem einstigen Braunkohleabbau.

Umweltschützer haben erneut vor hohen Folgekosten durch den Braunkohletagebau in der Lausitz gewarnt. Ein Bauvorhaben der Stadt am geplanten Cottbusser Ostsee in einem früheren Tagebau werde wegen Schadstoffen aus dem Braunkohleabbau voraussichtlich mehr als sieben statt der zunächst geplanten 4,4 Millionen Euro kosten, erklärte die Umweltgruppe Cottbus am Mittwoch.

Grund für die Kostensteigerung sei der erwartete Sulfatgehalt des Ostsees, der ab 2018 im stillgelegten Tagebau Cottbus-Nord entstehen soll, so die Umweltschützer. Der Gehalt liege bei 600 Milligramm pro Liter Wasser, erklären die Umweltschützer und berufen sich dabei auf  Unterlagen des laufenden Planfeststellungsverfahrens. Weil Sulfat Beton angreife, werde die von der Stadt am Ostsee geplante Kaimauer nun aus Stahl gebaut, was zu den Mehrkosten führe.

Sulfatbelastung höher als angenommen

Die Stadtverwaltung bestätigte die Kostensteigerung auf Anfrage - auch dass jetzt Stahl statt Beton verwendet werden soll. Der von den Umweltschützern genannte Sulfateintrag sei aber nur einer von mehreren Faktoren für die Umplanungen, sagte ein Sprecher der Stadt. In puncto Zahlen seien zunächst Schätzwerte zugrunde gelegt und nun realistische Zahlen ermittelt worden. Man habe in der Planung außerdem Restrisiken miteinbezogen. Weil die Kaimauer mindestens 100 Jahre halten soll und solche Risiken ausgeschlossen werden müssten, habe man ein widerstandsfähigeres Material gewählt.

 

 

Für die Flutung des rund 19 Quadratkilometer großen Sees ist die neue Tagebaubetreiberin LEAG zuständig. Der Energiekonzern hatte 2014 angegeben, dass der Sulfatgehalt im Ostsee voraussichtlich maximal 500 Milligramm pro Liter betragen würde. 2016 habe man außerdem bekannt gegeben, dass der Sulfatgehalt im schlimmsten Fall auf 620 Milligramm ansteigen könne, teilte die LEAG rbb|24 am Donnerstag mit. Die Betonmauer halte außerdem Sulfatwerten bis zu 3.000 Milligramm stand - gegenüber 2014 gebe es keine neuen Erkenntnisse zur Wasserqualität, die dafür sprächen anderes Material für die Mauer zu verwenden.

Kommunen zahlen für Tourismus

 Die Umweltschützer äußern Kritik an den Kosten. Von der LEAG müssten Sicherheitsleistungen verlangt werden, von denen spätere Folgeschäden für den Wasserhaushalt gezahlt werden können, fordern sie.

Eine grafische Darstellung des geplanten Cottbuser Sees (Quelle: Vattenfall)

Auch die Grünen im Brandenburger Landtag äußerten Kritik an der Kostensteigerung. Die Wiederherstellung der Tagebaufolgelandschaften dürfe nicht "zu einem Fass ohne Boden werden", erklärte die bergbaupolitische Sprecherin Heide Schinowski: "Angesichts der Kostenexplosion ist die Landesregierung gefordert, dem Bergbaubetreiber Vorgaben für den Sulfatgehalt des Wassers zu machen."

Durch den Braunkohleabbau wird aus dem Untergrund Sulfat gelöst, das in die Tagebauseen und die Spree gelangt.  

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Umweltschützer weisen auch in Deutschland schon auf Gesundheitsgefahren durch den Abbau von fossilen Energieträgern hin. Stark erhöhte Belastungen von Pilzen mit Quecksilber, viele Krebspatienten usw. nahe Erdöl- und Erdgasförderanlagen sind in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen festgestellt worden: http://taz.de/!5387417/ Ein rechtzeitiger Umzug kann bei geplanten Anlagen ihre und die Gesundheit ihrer Kinder schützen. Das direkte Umfeld dieser Anlagen wird offenbar auch nachhaltig kontaminiert. Wieweit sich das aufs Wasser auswirkt, wer weiß?

  2. 1.

    Ein Skandal, dass über Umweltbelastungen oft erst berichtet wird, wenn sich Umweltschützer lautstark zu Wort melden! In welchem (katastrophalen) Ausmaß ist mit der Trinkwassergefährdung durch die geplanten Ölbohrungen bzw. Ölförderung zu rechnen? Warum wird darüber nicht berichtet? Welche Umweltverschmutzungen sind bei ähnlichen Projekten im Ausland z.B. in Kanada bekannt; inklusive Transport- und Verladeinfrastruktur?! Warum soll hier mit weiterhin unsicheren Technologien Öl gefördert und tranportiert werden, dass wir auf absehbare Zeit nicht brauchen? Sauberes Wasser brauchen wir zum Leben jeden Tag!!!

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