Blick aus östlicher Richtung vom Dorf Grießen (Brandenburg). Aus den Tagebauen Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich etwa 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Bauarbeiten am Ostsee haben begonnen - Die "Badewanne für Cottbus" wird angebaggert

Es sind riesige Erd- und Wassermassen – aber auch Aktenordner, die bewegt werden müssen, bis der ehemalige Tagebau Cottbus-Nord geflutet sein wird. Der Prozess wird sich vielleicht mehr als zehn Jahre hinziehen. Die Laster haben sich jetzt in Bewegung gesetzt. 

Der stillgelegte Tagebau Cottbus-Nord hat sich in eine Großbaustelle verwandelt: Die Braunkohlegrube soll geflutet werden und ein See entstehen: der Cottbuser Ostsee. Die Vorbereitungen dazu sollen bis 2018 abgeschlossen sein, die Flutung selbst bis 2024. 70 Kipplaster sind dafür im Einsatz. Nach Angaben des neuen Tagebaubetreibers LEAG, der am Donnerstag seine Pläne vorstellte, werden zurzeit mächtige Erdmassen bewegt, um den Grubenausgang der früheren Kohlezug-Strecke zu schließen. Und aus Kippenbergen und Abbruchkanten werden Liegewiesen, so dass der Ostsee später vor allem als Erholungsgebiet genutzt werden kann.

Die Bauarbeiten im Überblick: Die Ränder der Grube müssen befestigt und stark abgeflacht werden, um spätere Rutschungen zu vermeiden. Sie dienen künftig als Uferböschung der "Badewanne für Cottbus", wie der ehemalige Lausitzer Braunkohlebetreiber Vattenfall den Ostsee einmal genannt hat. In der Innenkippe, wo bisher die Kohle freigelegt wurde, müssen Sandhügel abgetragen werden, damit an diesen Stellen später die Mindestwassertiefe von zwei Metern erreicht wird und Schiffe fahren können. Mit dem Sand wird wiederum die bisherige Ausfahrt der Kohlezüge aufgefüllt.

Anderthalb Milliarden Badewannen-Füllungen

Ab 2019 wird die Badewanne dann aufgefüllt: Insgesamt werden für die Flutung 280 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt. Das wären anderthalb Milliarden Badewannen-Füllungen (exakt 1.555.555.555,53), wenn man davon ausgeht, dass eine moderne Badewanne etwa 180 Liter Wasser fasst. Im günstigsten Fall dauert diese Flutung fünf Jahre, im ungünstigsten etwa elf Jahre.

Umweltverbände und Anwohner wehren sich

Soweit die technischen Hürden, bis der Ostsee voll ist. In bürokratischer Hinsicht gibt es 25 Aktenordner mit Anträgen auf wasserrechtliche Planfeststellung, die geprüft werden müssen und hunderte private Einwände gegen die Flutung. Anwohner, Umweltverbände und Wasserexperten verweisen auf enorme langfristige Risiken des Sees: "Wir Anwohner nördlich des Sees sollen künftig unterhalb des Seewasserspiegels leben. Das macht uns Angst", sagt Sascha Fussan von der Bürgerinitiative "Achtung Ostsee".

Eine Stellungnahme des Umweltverbands "Grüne Liga" lautet: "Der Tagebausee wird die bergbaubedingte Versalzung der Spree mit Sulfat weiter erhöhen. Die Trinkwasserqualität für zwei Millionen Wasserkunden in Berlin und Brandenburg ist dadurch zunehmend bedroht."

Eine grafische Darstellung des geplanten Cottbuser Sees (Quelle: Vattenfall)
So soll der Ostsee später einmal aussehen.

Die LEAG sieht die Befürchtungen als unbegründet

Die LEAG dagegen sieht die Befürchtungen vor steigenden Sulfatkonzentrationen in der Spree für unbegründet:  Von den etwa 280 Millionen Kubikmeter Wasser, die bis voraussichtlich 2024 zur Flutung des Cottbuser Ostsees benötigt werden, kommen 88 Prozent aus der Spree, erklärte das Unternehmen. Nur 12 Prozent seien aufsteigendes Grundwasser. Durch die große Menge an Spreewasser, die zur Flutung verwendet werden soll, sei mit dem Cottbuser Ostsee ein wesentlicher Anstieg der Sulfatkonzentration in der Spree nicht zu erwarten.

Die LEAG erklärte gegenüber dem rbb zu den Bedenken weiter: "Wir wollen mit Spreewasser die Flutung so steuern, dass dieses Flutungswasser immer ein Stück höher ist als das Grundwasser. Vor allen Dingen als das Grundwasser, was sich in den Kippen bildet."

Längster Strand für Cottbus zwischen Ahlbeck und Adria

Vattenfall hatte den Ostsee als größten künstlichen Badesee Deutschlands geplant, mit einer 19 Quadratkilometer großen Wasseroberfläche. Cottbus soll dann den längsten Strand zwischen Ahlbeck (Ostsee) und Rimini (italienische Adria) bekommen. Ein anderer Vergleich: Er wird dann so groß sein wie der Berliner Müggelsee und an seiner tiefsten Stelle fünfmal so tief. 250 Millionen Euro kostet die Umgestaltung vom Restloch zu Deutschlands größtem künstlichen Badesee. 100 Millionen wurden bereits verbaut.

1981 hatte die Braunkohleförderung begonnen. Bergleute holten in Cottbus Nord 30 Jahre lang Kohle aus der Erde. Der Tagebau wurde Ende 2015 planmäßig stillgelegt.

Frühestens 2018 wird mit der abschließenden Genehmigung für die Flutung des geplanten Ostsees gerechnet. Am kommenden Dienstag startet das Landesbergamt ein Erörterungsverfahren.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde die Position des Tagebaubetreibers LEAG nicht berücksichtigt. Wir bitten dies zu entschuldigen.

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