Braunkohletagebau Welzow-Süd in der brandenburgischen Lausitz (Quelle: Andreas Franke/dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 09.05.2017 | Dominik Lenz

Studie von Greenpeace Energy - Öko-Stromanbieter sollen Braunkohle-Jobs ersetzen

Mit einer neuen Studie will Greenpeace für den Ausstieg aus der Braunkohle in der Lausitz werben. Gleichzeitig präsentiert der hauseigene Stromanbieter einen neuen Tarif, mit dem Jobs in der Solarbranche geschaffen werden sollen. Wirtschaftsminister Gerber hält nicht viel von den Vorschlägen.

Durch den Ausbau erneuerbarer Energien könnten einer Studie zufolge genug Arbeitsplätze entstehen, um die Braunkohle-Jobs von zwei großen deutschen Tagebauregionen vollständig zu ersetzen. In Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen bestünden "ausreichend Potenziale", um die im Jahr 2030 noch vorhandenen 8.400 Arbeitsplätze in der Lausitz und im Rheinischen Revier zu kompensieren, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Ökostromanbieters Greenpeace Energy zeigt.

Einen Großbetrieb nicht durch einen Großbetrieb ersetzen

Im Lausitzer Revier in Brandenburg und Sachsen geht es laut IÖW um den Ersatz für 3.900 Braunkohlearbeitsplätze, im Rheinischen Revier um 4.500 Jobs. Durch den Ausbau von Solar- und Windenergie könnte in den jeweiligen Bundesländern eine entsprechende Zahl an Arbeitsplätzen entstehen, allerdings komme es dabei auch auf die Art und Weise der Umsetzung an, betonen die Forscher.

Bei Politikern sollte in Bezug auf die Wirtschaftsförderung ein generelles Umdenken einsetzen, sagt Professor Dr. Bernd Hirschl vom IÖW dem rbb, denn in der Lausitz wurde jahrzehntelang ausschließlich auf einen einzigen Industriezweig gesetzt. "Die Region heute ist abhängig von einem Industriezweig und einen Ersatzzweig in dieser gleichen Größenordnung zu suchen, würde sie weiterhin verwundbar lassen", so Hirschl. Er empfiehlt den Politikern nicht auf einen neuen Großbetrieb zu setzen, sondern mehrere kleinere Photovoltaikanlagen und Windkraftanbieter anzulocken.

Wirtschaftsminister sieht Photovoltaik nicht als Heilsbringer

Die enge Einbindung regionaler Akteure ist der Studie zufolge "essenziell". Nur so könnte vor Ort Beschäftigung entstehen und die Wertschöpfung in den Regionen verbleiben, etwa durch dort anfallende Steuereinnahmen oder durch die Stärkung der lokalen Wirtschaft aufgrund der gezahlten Gehälter.

Um den Strukturwandel in den Braunkohlefördergebieten zu unterstützen, bietet der Ökostromanbieter Greenpeace Energy ab sofort einen neuen Solarstrom-Tarif an. Dieser enthält einen Förderbeitrag für den Bau neuer Photovoltaikanlagen in den drei großen deutschen Tagebauregionen, dem Lausitzer, dem Mitteldeutschen und dem Rheinischen Revier. Der vollständige Ausstieg aus der Braunkohle bis 2030 sei notwendig, um die deutschen Klimaziele zu erreichen, erklärte Greenpeace Energy.

ARCHIVBILD - Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber; SPD, spricht am 5. Juli 2016 in der Staatskanzlei in Potsdam auf einer Pressekonferenz. (Quelle: imago/Martin Müller)

Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) ist die mitgelieferte Studie deshalb nicht mehr als ein Werbegag. "Wir wissen ja, dass im Bereich der Photovoltaik nicht so viel Geld verdient wird, wie in anderen Branchen", sagte Gerber gegenüber Antenne Brandenburg. "Auch die Löhne sind sehr viel geringer. Insofern kann das ein kleiner Baustein sein. Aber dass das jetzt der Durchbruch wäre, halte ich vollkommen unangemessen."

Mit Informationen von Dominik Lenz

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6 Kommentare

  1. 6.

    Hallo @isso,

    ja, dem ist so wie auf www.agora-energiewende.de bzw. https://www.agora-energiewende.de/de/themen/-agothem-/Produkt/produkt/76/Agorameter/ graphisch zu sehen ist. Braunkohlekraftwerke produzieren annäherd konstant dieselbe Menge, während Steinkohlekraftwerke von ihrer maximalen Kapazität oft über 90% drosseln können. Vielleicht ist es die Befeuerungstechnik? Gaskraftwerke produzieren auch recht konstante Mengen, sind aber auch oft Kraft-Wärme-Kopplung, also da wird Wärme und Warmwasser für Nah- und Fernwärmenetze produziert und der Strom fällt quasi als Nebenprodukt ab. Im Hochsommer laufen sie aber trotzdem.
    Vielleicht rufe ich da in Berlin einfach mal an und laß es mir erklären. :)

  2. 5.

    Was ist denn bitte an Energie aus Sonne und Wind unökologisch? Soweit ich weiß,sind die Preise in der Herstellung von Strom mittlerweile konkurrenzfähig mit den anderen Energieträgern. Dass die EEG-Umlage so hoch ist,liegt ja eher an der Regierung,die seit Jahren das Gesetz nicht mehr angepasst hat und reichlich Ausnahmen für die Wirtschaft getroffen hat.
    Ist Greenpeace an der Regierung beteiligt?

    @bunter Rheinländer
    Wenn das wirklich so ist,ist das eine gute Frage. Generell ist die Aufklärung in Sachen Energie recht dürftig,wenn es darüber eine anständige gesellschaftliche Debatte geben soll.

  3. 4.

    Guten Morgen,
    mich würde sehr interessieren waum die Braunkohlekraftwerke ähnlich träge wie Kernkraftwerke eingesetzt werden, während Steinkohlekraftwerke so flexibel wie Pumpspeicherkraftwerke gesteuert werden können. Das hat man Ostern 2017 gut beobachten können: wegen viel PV- und Winderzeugung bei gleichzeitig geringem Verbrauch über die Feiertage wurde Steinkohle stark gesenkt, während Braunkohleerzeugung trotz negativ-Preis ungebremst weiter lief.

  4. 3.

    Greenpeace - wer steckt doch gleich dahinter - kann gerne auf eigene Kosten und ohne EEG-Umlage zu kassieren zeigen, dass man unsubventioniert den Strom, der verlogen als "Ökologisch" deklariert wird, erzeugen kann - grundlastfähig.

    übrigens hat Greenpeace jetzt mehrere Jahrzehnte dafür Zeit gehabt, diesen Beweis anzutreten.

    Was lehrt uns das?:
    Greenpeace ist unserios.

  5. 2.

    Hier, bitte sehr:
    https://www.greenpeace-energy.de/fileadmin/gfx/pressemeldungen/Tarifstart_Solarstrom_plus/Studie_GPE-IOeW_Jobs_BK_u._EE_final.pdf

  6. 1.

    @rbb Ein link zur Studie wäre hilfreich. Glaube kaum, dass der Minister die gelesen hat; die üblichen Floskeln. Was steht denn da konkret zur Umsetzung drin? Macht Greepeace Energy das jetzt selber?

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