Teilnehmer des 10. Sternmarsches für die vom Braunkohletagebau bedrohten Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz (Quelle: dpa / Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 08. Januar 2017 | Anne Holzschuh

Sternmarsch gegen mögliche LEAG-Pläne - Zu Fuß gegen die Kohlebagger

Angst vor Vertreibung und Zerstörung - hunderte Aktivisten haben am Sternmarsch gegen die Abbaggerung von Grabko, Atterwasch und Kerkwitz teilgenommen. Unter den Dörfern liegt Braunkohle. Ob die LEAG hier Tagebaue plant, hat sie bislang nicht erklärt.

Mehrere Hundert Bewohner von drei benachbarten Dörfern in Südbrandenburg haben am Sonntag mit einem Sternmarsch gegen den drohenden Abriss ihrer Siedlungen und die Zerstörung der Landschaft durch einen Braunkohlekonzern protestiert. Der Grünen-Landeschef Clemens Rostock sprach von rund 800 Teilnehmern bei der Aktion.

Es war der bereits zehnte Sternmarsch der Aktivisten aus Kerkwitz, Grabko und Atterwasch (Spree-Neiße). Hintergrund des Protests ist ein Braunkohlenplanverfahren für einen möglichen neuen Tagebau, das bei der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg läuft. Damit könnte das Grubengebiet Jänschwalde erweitert werden, die Dörfer würden abgerissen, Felder und Wälder verschwänden, ersetzt durch Tagebaulöcher.

Ob der neue Tagebaubetreiber LEAG die einstigen Vattenfall-Pläne weiterverfolgen wird, ist bislang allerdings noch nicht klar.

Aus den Dörfern zum "Alten Schafstall"

Die Aktivisten hatten sich am Mittag in den drei Dörfern versammelt und waren dann in Richtung "Alter Schafstall", dem Treffpunkt, einer Wiese zwischen den drei Orten, marschiert.

In Grabko, Atterwasch und Kerkwitz wären hunderte Bewohner von den Abbaggerunsplänen betroffen. Viele zeigen darum auch ganz offen ihren Protest: In den Vorgärten hängen Plakate, die den Widerstand gegen die Abbaggerungspläne dokumentieren, Transparente sind an Bäumen, Straßenlaternen und Zäunen befestigt. Die Essenz der Botschaften: Keine Landschafts- und Heimatzerstörung zugunsten von Profit.

Braunkohlenindustrie und Politik argumentieren mit Energie-Versorgungssicherheit und mehreren tausend wichtigen Arbeitsplätzen im Tagebau- und Energie-Sektor.

LEAG will bis zum Sommer über neue Tagebaupläne entscheiden

Die Pläne für einen möglichen neuen Tagebau als Erweiterung des Grubengebiets Jänschwalde sind noch in einem vergleichsweise frühen Stadium. Vor Jahren bereits hatte der damalige Betreiber der Kraftwerke und Tagebaue in Brandenburg, der schwedische Staatskonzern Vattenfall, ein Braunkohlenplanverfahren bei der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg einleitet, also eine Art behördliche Prüfung einer möglichen Abbaggerung.

Seit Oktober nun gehören die Gruben und Braunkohlekraftwerke der tschechischen EPH-Gruppe und heißen seitdem Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

Die LEAG kündigte unlängst an, dass sie noch vor Sommer 2017 entscheiden werde, ob sie die Öffnung der neuen Tagebaue weiter betreibe.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich gehöre zu denen die bereits 1982 "Devastiert" wurden. Unterhaltet Euch alle mit denen und Ihr werdet die Augen aufreissen wie und was es bedeutet Umgesiedelt zu werden.
    Zwei Weltkriege hatten es nicht geschaft soviel Zerstörung und Leid und Tot über die betroffenen Menschen zu bringen.
    An Alle die sowas Beführworten: Ihr habt nicht das Recht über unsere Welt so zu entscheiden,denn ihr seid die die den Laptop laufen lassen auch wenn er nicht gebraucht wird.
    Und das auf Kosten derer die dafür ihr gesamtes Erbe der Generationen hergeben mussten.
    Bin für jede Anfrage offen.
    Leute verteidigt Euer Hab und Gut ,es wird nie mehr so wie es "Zu Hause" ist.

  2. 5.

    Seit wann ist Atom und Kohlestrom vorausschauend. Viele Leute lassen diverse Energieverbraucher wie Laptop, Beleuchtungen oder Heizungen ungebraucht eingeschaltet. Ein Zeichen das Energie für manche noch viel zu billig ist. Viele Leute lassen diverse Energieverbraucher wie Laptop, Beleuchtungen oder Heizungen ungebraucht eingeschaltet. Ein Zeichen das Energie für manche noch viel zu billig ist. Mir muss niemand was von teurem Strom erzählen. Auf unser Einkommen gerechnet ist er nur immer billiger geworden. Glück Auf

  3. 4.

    Alle Bergbaunomaden haben langsam nasse Füße. Der Big Player hat das Feld geräumt und immer mehr Menschen begreifen dass der von D.W. und Kollegen versprochene Ponyhof nur durch Werterhaltung und Arbeit verdient werden kann. Redet doch mal mit Menschen die eine Umsiedlung hinter sich haben. Einige von denen hatten vorher schon den besagten Ponyhof mit sich selbst auferlegten Lebensbedingungen die ich mir für mich nicht vorstellen kann. Die werden auch nicht meckern. Ich habe und werde mein Leben weiter verbessern durch eigene Leistungen und nicht durch Raubbau. Ich habe nie etwas von der Braunkohleindustrie gehabt, außer Dreck und Krach und Nachbarn die mich Kohlegegner nennen. Dabei bin ich, doch dafür dass die Kohle in der Erde bleibt. Eventuell für wirklich schlechte Zeiten. Nebenbei ist die Kohle in der Erde der beste Energiespeicher den wie haben. Glück Auf aus Welzow/ Proschim von Steffen Kapelle

  4. 3.

    Kernkraftwerke abgeschaltet. Kohlekraftwerke sollen abgeschaltet werden. Alles, ohne Alternativen anzubieten. Und dem Menschen wächst wieder ein Fell? Bitte etwas überlegter und voraus schauender handeln.

  5. 2.

    Wegen der zunehmenden Gefährdung des Berliner Trinkwassers sollte Berlin alle rechtlich und politisch möglichen Schritte prüfen, um diese Gefahr abzuwehren und eine zusätzliche Verschmutzung unserer Trinkwasserquellen zu verhindern.

  6. 1.

    Eine herrliche Demo mit sorbischem Redebeitrag , einem Exkurs in die Weltklimapolutik durch Annalena Baerbock und einem gemeinsam gesungenen Kanon "Bruder Jakob" umgedichtet auf "Bruder Dietmar,schläfst du noch...". Wir hoffen, dass es im nächste Jahr nicht mehr nötig ist, gegen neue Tagebaue zu demonstrieren.

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