Braunkohlkraftwerk Jänschwalde im Sommer (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 21.11.2016 | Ismahan Alboga

Ausstieg aus Lausitzer Kohlebergbau gefordert - Nach Marrakesch ist vor Brandenburg

Nach der Klimakonferenz in Marrakesch rückt die Energiepolitik Brandenburgs verstärkt in den Fokus: Klimaexperten fordern einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle. Alles andere sei nicht zukunftsfähig, wird die Landesregierung kritisiert.

Nach der internationalen Klimakonferenz in Marrakesch steigt der Druck auf die Brandenburger Landesregierung, ihre Energiepolitik zu überdenken.

Der deutsche Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber. (Quelle: imago)
Hans Joachim Schellnhuber hat der Landesregierung die Leviten gelesen

Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber forderte erneut, die Kohleverstromung in der Lausitz bis 2030 zu beenden. Anders seien die Klimaziele Deutschlands nicht zu erreichen, sagte Schellnhuber am Montag in Potsdam. Laut dem Pariser Klimaschutzabkommen darf die globale Durchschnittstemperatur bis Ende des Jahrhunderts maximal um zwei Grad steigen.

Schellnhuber kritisierte die Energiepolitik der Landesregierung von SPD und Linken als zu zögerlich. An der Braunkohle festzuhalten diene letztlich nicht den Beschäftigten. Vielmehr müsse der Umbau der Energieversorgung vorangebracht werden, um langfristig qualifizierte Arbeitsplätze zu erhalten, sagte der Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung.

Jänschwalde schnell abstellen

"Vor allem muss das vorsintflutliche Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde schnell abgestellt werden", forderte der Klimaforscher. Die Landesregierung setze bei der Braunkohleverstromung auf "Steinzeit-Technologie". Der Kohle-Ausstieg könne aber durch die Entwicklung hocheffizienter Gas-Kraftwerke gelingen. Auch die Umstellung auf neue Arbeitsplätze sei machbar, wenn dies rechtzeitig angegangen werde, meinte der Wissenschaftler.

Ebenso argumentierte der Direktor des Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies, Mark Lawrence. Der Wissenschaftler lobte, dass Brandenburg Vorreiter bei der Windkraft in Deutschland sei. Dies gelte es auszubauen. "Wenn man die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen will, muss Deutschland bis spätetestens 2050 komplett aus der Kohleverstromung aussteigen", betonte Lawrence.

Grüne werfen Woidke unlauteres Verhalten vor

Ähnlich äußerte sich die Brandenburger Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Klimapolitik der Grünen, Annalena Baerbock. "Die Weltgemeinschaft hat in Marokko erneut unterstrichen: Kohlestrom widerspricht der internationalen Verpflichtung, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Der Appell von fast 50 am stärksten von der Klimakrise betroffenen Ländern, komplett auf Kohle, Öl und Gas zu verzichten, darf in Deutschland nicht ungehört bleiben", teilte Baerbock am Montag mit.

Sie warf Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) unlauteres Verhalten vor, wenn er einerseits im Bundesrat das Pariser Klimaabkommen ratifiziere, andererseits jeglichen klimapolitischen Fortschritt der Bundesregierung sabotiert. Er solle lieber den Strukturwandel in der Region vorantreiben, als eine Einschränkung der Kohleförderung zu bekämpfen.

Auf der Klimakonferenz in Marrakesch hatten 48 Staaten ihren Ausstieg aus der Kohlenutzung angekündigt. Die Industriestaaten kündigten an, pro Jahr 100 Milliarden US-Dollar in den Klimaschutz zu investieren.

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