Ex-Tagebau bei Cottbus wird zum Ostsee (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Erörterungstermin zum Cottbuser Ostsee - "Die lassen uns hier absaufen"

Die einen hoffen auf Touristen, die anderen haben Angst "abzusaufen" - richtig kalt lässt der Ostsee wohl keinen. Der Energiekonzern LEAG will den früheren Tagebau ab 2018 fluten. Welche Bedenken es dagegen gibt, wurde am Dienstag in Cottbus deutlich.

Gut 200 schriftliche Einwände gab es gegen den geplanten Ostsee, doch zum Erörterungstermin in den Cottbuser Messehallen erschienen am Dienstag nur rund 50 Personen, überwiegend Vertreter von Verbänden und Behörden. Aber auch 15 bis 20 betroffene Anwohner sind gekommen. Die meisten von ihnen leben in der kleinen Ortschaft Maust, die an der nordwestlichen Spitze des Ostsees liegt.

Ostsee-Skeptiker befürchten "Vernässung" von Maust

Die Mauster haben vor dem Projekt richtiges "Muffensausen". Denn wenn der Ostsee 2023 vollständig geflutet ist, werden sie an drei Seiten von Wasser umgeben sein: an einer Seite die Peitzer Fischteiche, an der anderen ein Kiessee und im Süden der Ostsee. Wie konkret die Bedenken sind, erläutert Dieter Schenkling von der Bürgerinitiative "Achtung Ostsee". Das künstlich angelegte Gewässer werde einen Wasserspiegel haben, der höher als die Ortslage von Maust ist, sagt der Ostsee-Skeptiker - und befürchtet eine "Vernässung" von Maust. Grund dafür sei ein überproportionaler Grundwasser-Anstieg.

Zwar ist eine Dichtmauer geplant, doch deren Wirkung ziehen die Mauster in Zweifel. "Die lassen uns absaufen", sagt Schenkling, "und das ist nicht in unserem Interesse." Auch unterhalb der Wand verliefen nämlich Wasser führende Schichten.

Flutungsbeginn ist für 2018 geplant

Knackpunkt ist der geplante Wasserpegel. Der Energiekonzern LEAG plant derzeit mit 62,5 Metern - damit könnte auch Cottbus gut leben. Doch der Landkreis Spree-Neiße möchte einen Meter mehr - damit der See auch eine Speicherfunktion erfüllen kann. So könnte auch der Abfluss in Richtung Berlin besser reguliert werden, sagt der Landkreis - und das sorgt in Maust für großen Ärger. Wenn man schon einen solchen See anlege, müsse der Wasserspiegel noch einen Meter gesenkt werden. Notfalls müsse einen Meter tiefer gebaggert werden - "dann muss eben der Konzern nochmal in die Tasche greifen", meint Schenkling. 

Eine grafische Darstellung des geplanten Cottbuser Sees (Quelle: Vattenfall)

Für Mittwoch ist ein weiterer Eröterungstermin geplant. Entscheidungen sind dann aber nicht zu erwarten. Vielmehr werde sich das Verfahren noch bis zum geplanten Flutungsbeginn 2018 hinziehen, sagt Karina Puls vom Landesbergamt. Solange werde es dauern, alle Einwände abschließend zu bearbeiten.

Mit Informationen von Anja Kabisch