Hinter einem Eimerkettenbagger liegt am 03.03.2016 ein Teil der gesprengten Förderbrücke F34 im stillgelegten Braunkohletagebau Cottbus-Nord nahe Cottbus (Brandenburg). Die Förderbrücke wurde am selben Tag gesprengt. (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 11.03.2016 | Phillipp Manske

Vattenfall mit Angeboten unzufrieden - Stiftung für Lausitzer Braunkohle im Gespräch

Wenige Tage vor Ende der Bieterfrist für die Lausitzer Braunkohle rumort es noch einmal gewaltig. Vier Unternehmen haben ihr Interesse bekundet - einem Medienbericht zufolge liegt aber bei Vattenfall noch kein akzeptables Angebot vor. Nach rbb-Informationen steht nun als mögliche Lösung eine Stiftung im Raum.

Eine Stiftung könnte die Zukunft für die Lausitzer Braunkohlewirtschaft sein. Nach rbb-Informationen wird diese Variante von Beteiligten kurz vor Ende der Angebotsfrist ins Gespräch gebracht. Bis kommende Woche will der schwedische Energiekonzern Vattenfall konkrete Angebote für seine Tagebaue und Kraftwerke in der Lausitz einsammeln.

Eine Stiftungslösung wird nach rbb-Informationen auch politisch wohlwollend betrachtet. Unklar ist derzeit aber noch, wer möglicher Stifter sein könnte. Auch der genaue Zweck einer solchen Stiftung ist noch offen. Dass das Stiftungsmodell nun im Raum steht, deutet darauf hin, dass das Risiko angesichts der unklaren politischen Rahmenbedingungen als sehr hoch eingeschätzt wird. Eine Stiftung hätte für einen möglichen Käufer den Vorteil, dass er nicht direkt für die Braunkohlesparte haftbar wäre. Ob das Stiftungsmodell für den Verkäufer Vattenfall in Frage käme, ist aber ebenfalls noch unklar.

"Handelsblatt": Kein akzeptables Angebot liegt vor

Viel Geld ist mit Kohlestrom nicht zu verdienen - derzeit ist sogar ein negativer Kaufpreis im Gespräch, Vattenfall würde demnach einen Zuschuss zahlen. Das hängt vor allem mit den hohen Folgekosten zusammen, die der Bergbau verursacht und die nach Gesetzeslage vom Betreiber gezahlt werden müssen.

Nach Informationen des "Handelsblatts" zeichnet sich wenige Tage vor dem Ablauf der Bieterfrist  kein akzeptables Angebot ab. Angesichts des stark gesunkenen Strompreises im Großhandel seien die bisherigen Interessenten nicht bereit, einen Preis zu zahlen, der Vattenfalls Erwartungen entspreche, hieß es unter Berufung auf Informanten aus dem Umfeld der Verhandlungen.

Vattenfall wollte den Bericht am Freitag nicht kommentieren. Man beteilige sich nicht an Spekulationen. Der Verkaufsprozess sei vertraulich, deshalb könne er sich auch nicht zu einzelnen Bietern äußern, sagte ein Unternehmenssprecher in Berlin. Bekannt waren bisher vier Interessenten - Steag und die drei tschechischen Unternehmen CEZ, EPH sowie Czech Coal Group. Dem Vernehmen nach hat noch keiner der vier Bewerber seine Interessenbekundung zurückgezogen.

Vattenfall ließ offen, ob der Konzern sich nach dem 16. März zum Stand der Dinge äußern wird.

Altmaier besucht Kraftwerk Jänschwalde

Am Freitagnachmittag war Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) im Kraftwerk Jänschwalde zu Gast, um sich rund eine Stunde lang mit Betriebsräten und Chefs von Zulieferbetrieben zu unterhalten, konkrete Zusagen machte Altmaier allerdings nicht. Einige der Vattenfall-Mitarbeiter hatten sich mit Plakaten vor dem Eingang des Kraftwerks aufgestellt - in der Hoffnung mit dem Kanzleramtschef ein paar Worte wechseln zu können. Doch Altmaier beschränkte sich auf das Gespräch hinter verschlossenen Türen.

Braunkohlegegner hatten Altmaier vor seinem Besuch aufgefordert, "sich nicht einseitig mit Blockierern des notwendigen Ausstieges aus der Braunkohle zu treffen und den geordneten Abschied vom Kraftwerksstandort Jänschwalde mitzuorganisieren" - so hieß es in einer Mitteilung des Umweltverbands Grüne Liga vom Freitag. "Geht das Kraftwerk Jänschwalde nicht in den 2020er Jahren komplett außer Betrieb, bedroht es die Dörfer Grabko, Kerkwitz und Atterwasch mit Zwangsumsiedlung", wird René Schuster von der Grünen Liga in der Mitteilung zitiert. "Die Bundesregierung muss die Lausitz beim Strukturwandel unterstützen."

Vattenfall stößt Braunkohlesparte in der Lausitz ab

Vattenfall hatte im Oktober 2014 angekündigt, sich von der Braunkohlesparte in der Lausitz trennen zu wollen. Der schwedische Staatskonzern betreibt in Sachsen und Brandenburg fünf Kohlegruben und drei Kohle-Kraftwerke. Ein weiteres Kraftwerk teilt sich das Unternehmen mit dem Energiekonzern EnBW am sächsischen Standort Lippendorf. An dem Braunkohlrevier hängen 8.000 Arbeitsplätze.

Wegen großer Überkapazitäten hat sich der Strompreis an der Börse seit 2014 von knapp 40 Euro auf weniger als 20 Euro je Megawattstunde halbiert. Hauptgrund ist der anhaltende Ökostrom-Boom mit einer größeren Einspeisung in die Netze. Das macht die auch CO2-intensive Braunkohle-Verstromung weniger attraktiv. Vattenfall bietet zusammen mit der Braunkohlesparte zehn Wasserkraftwerke an.

Mit Informationen von Andreas Rausch und Sascha Erler (rbb-Regionalstudio Cottbus)

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