
Tourismus in Unruhe-Regionen - Bei Schreckensmeldungen bleiben die Gäste weg
Ob Unruhen in Thailand, starke Luftverschmutzung in China oder die Vergewaltigung von Touristinnen in Indien - das alles ist Gift für den Tourismus und lässt die Buchungszahlen bei Reiseveranstaltern einbrechen. Die Tourismuswirtschaft in den betroffenen Ländern erholt sich meist nur langsam und kämpft noch nach Jahren mit den wirtschaftlichen Folgen. Von Johannes Frewel
Touristen verhalten sich bei der Wahl des Urlaubslandes wie ein scheues Reh: Drohen Probleme, kehren sie selbst dem schönsten Strand sofort den Rücken zu. Doch aus jedem Paradies wird freilich eine Katastrophe, wenn die Einnahmen fehlen. Nach dem gewaltsamen arabischen Frühling und der Krise in Tunesien kamen kaum noch Deutsche. Trotz Dumpingpreisen blieben die Hotels leer.
Inzwischen geht es wieder etwas bergauf. Die in Deutschland ausgebildete Ingenieurin und tunesische Tourismusministerin, Amel Karboul, setzt nun auf Kommunikation: "Ich denke, mit den Deutschen kann man über alles reden. Für mich ist es wichtig, wieder Vertrauen aufzubauen." Jetzt da es eine demokratische Verfassung gebe und Stabilität herrsche, setzte sie auf die Unterstüzung durch Touristen.
Touristen als Retter aus der Krise
Ausgabefreudige deutsche Reisende als Retter, das wünscht sich auch Ägypten. Islamistische Terrorristen verübten dort auf der Sinai-Halbinsel einen tödlichen Anschlag auf einen Touristenbus. Die Extremisten drohen mit weiteren Gewalttaten. Deutsche Urlauber wurden ausgeflogen, das Auswärtige Amt warnt vor Reisen. Nach einem Ägyptenbesuch schildert der deutsche Filmemacher Helmut Görlitz, wie sich die einst farbenfrohen quirligen Urlaubsregionen am roten Meer zum Schatten ihrer selbst gewandelt haben. "Abends sitzt man oft allein im Restaurant, auf den Straßen ist man allein unterwegs und viele Geschäfte sind leer", so Görlitz. Für den Tourismus und die, die davon leben müssen sei das natürlich eine Katastrophe.

Krisengewinner sind die vermeintlich sicheren Länder
Die Branche hat inzwischen eine gewisse Routine im Umgang mit Katastrophen und ein eingespieltes Krisenmanagement entwickelt. Die Kreuzfahrtunternehmen überwanden gerade die Folgen des Costa-Concordia-Untergangs am Markt. Da droht mit der Krise in der der Ukraine schon das nächste Debakel. Auf ihrem Weg ins Schwarze Meer Richtung Krim müssten Kriegsschiffe die Kreuzfahrerhochburg Mittelmeer queren, warnt Michael Ungerer, Chef von Aida Cruises. "Wir beobachten natürlich die Sicherheitslage dort jeden Tag und hoffen dass das nicht weiter eskaliert", so Ungerer. Das Gute sei jedoch, dass man mit einem Schiff sofort ausweichen könne. "Wir gehen da keine Risiken ein und insofern vertrauen uns die Gäste uns da auch sehr."
Wo es Krisenverlierer gibt, gibt es auch Gewinner. Von der Ägyptenkrise profitieren etwa die Türkei oder Griechenland. Hellas kommt mit den zusätzlichen Tourismuseinnahmen nun selbst schneller aus der Krise.

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