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Ankunftsorte in der Hauptstadt - Kein roter Teppich für Berlin-Besucher
Die Welt präsentiert sich dieser Tage auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin - aber wie präsentiert sich die deutsche Hauptstadt ihren Besuchern? Zwar ist Berlin die Stadt mit dem weltweit größten Zuwachs an Touristen. Doch die Orte, an denen Besucher ankommen, sind oft trist und wenig einladend. Eindrücke von drei Berliner Ankunftsorten. Von Oliver Soos
Flughafen Schönefeld Alt
Ankunft an einem Berliner Flughafen - da der Pannen-Airport BER weiter auf sich warten lässt, müssen die Flughäfen Tegel und Schönefeld-Alt kräftig in die Bresche springen. Im vergangenen Jahr haben sie zusammen die Rekordmarke von 26 Millionen Passagieren geknackt.
Doch der Flughafen Schönefeld Alt ist alles andere als ein repräsentativer Ort für eine boomende Tourismusmetropole. Von außen erinnert der graue Glaskasten eher an einen alten Busbahnhof oder an eine Grenzkontrollstation. Innen sieht es kaum besser aus. Ein schmaler Gang, mit Stahltüren und schwarz-gelben Klebestreifen am Boden, führt zum Check-in und versprüht dabei den Charme einer Lagerhalle. Check-in und Abfertigung befinden sich in einem behelfsmäßigen Raum. Die Fluggäste müssen sich an einer Glaswand vorbeidrängen.

"Das ist Provinz-Style", sagt eine etwa 50-jährige Berlin-Besucherin aus Frankreich, die gerade aus Paris-Orly angekommen ist. Eine chinesische Studentin, die im selben Flugzeug saß, fügt hinzu: "Es ist kalt im hier am Flughafen Schönefeld, immer wieder ist man zugiger Luft ausgesetzt. Außerdem ist der Flughafen altmodisch und bietet keinen freundlichen Empfang." Ein junger Mexikaner hingegen sieht das anders: "Ich finde es hier besser, als am Flughafen Paris-Orly. Hier ist das Personal freundlicher und erklärt einem, wo man hin muss."
Am Flughafen Schönefeld Alt gibt es in der Tat einigen Klärungsbedarf: Wo hinter dem großen Parkplatz befindet sich der S-Bahnhof? Wo auf dem S-Bahnring muss man umsteigen? Was ist der Unterschied zwischen einem Berlin AB und einem ABC Ticket? Welcher Bus fährt zur U7? Von wegen "train to the city centre" - so etwas gibt es in Schönefeld nicht.

Ostbahnhof
Am Ostbahnhof kommen Zugreisende aus Danzig, Warschau und Basel an, aber auch aus anderen deutschen Städten. Der Bahnhof hat zwei Ausgänge, die man Berlin-Touristen nicht empfehlen kann, um einen ersten Blick auf die Stadt zu werfen. Immerhin sieht man am Vorderausgang gleich zwei Wahrzeichen Berlins, zur Rechten, in der Ferne, den Fernsehturm, zur Linken ein Stück bemalte Mauer, die East Side Gallery. Doch gleich am vorderen Abschnitt gibt es eine große Baustelle. Hier entsteht das neue Hochhaus am Mauerstreifen. Ansonsten sieht man viel Brachfläche vor der Spree.
Der Hinterausgang führt auf einen Bahnhofsvorplatz, der von Plattenbau-Hochhäusern zur einen und von einem alten, blau-grauen Galeria Kaufhof-Klotz zur anderen eingerahmt wird. Auf dem Platz gibt es Imbissbuden und einen kleinen Kleiderbasar. Ein junger Vietnamese rümpft die Nase: "Mir gefällt das nicht, so stell ich mir die DDR vor." Ein Gast aus Polen hat Verbesserungsvorschläge: "Ein bisschen mehr grün wäre gut und ein bisschen moderner könnte es sein." Ein Berliner, der mit seinen zwei kleinen Kindern zum Bahnhof gekommen ist, sagt: "Schön ist was anderes, aber der Bahnhof ist praktikabel. Man bekommt günstig etwas zu essen und ist schnell bei den Häusern."

ZOB- Zentraler Omnibusbahnhof
Auch hier wird den Berlin-Besuchern nicht gerade ein roter Teppich ausgelegt: die Architektur des ZOBs ist überwiegend in grau gehalten. Auch an den Gebäude außen herum, am Messegelände, am raumschiffartigen ICC-Kongressgebäude, am Hotel am ZOB, überall dominiert die Farbe grau. Hinzu kommen die viel befahrene Masurenallee und der Messedamm, davor die Stadtautobahn A 100. Grau, grau, grau - und viele Autos.
Dennoch, anders als bei den ersten beiden Ankunftsorten, lästert hier niemand. "Wieso hässlich?", fragt eine Touristin aus Kaiserslautern, "Es ist überdacht und sauber, was will man denn mehr?" "Es ist zweckmäßig", sagt ein Gast aus Ulm und ein junger Italiener fügt hinzu: "Es ist kein hässlicher Ort, eben ein Busbahnhof, außerdem ist man schnell bei der S-Bahn."
Jens Wieseke, der stellvertretende Vorsitzende des Berliner Fahrgastverbands IGEB, findet, dass der ZOB geradezu ideal gelegen ist. "Er ist unmittelbar an der Autobahn, das ist für einen Busbahnhof ja nicht ganz verkehrt. Er liegt unmittelbar an der Ringbahn und an der wichtigen U-Bahnlinie 2. Es sind zwar ein paar Meter bis zu den Stationen zu überwinden, aber eine so große Fläche finden sie im Zentrum nicht so leicht."
Das Informationsangebot müsse verbessert werden, so Wieseke, jedoch an allen drei Orten. Überall gäbe es zu viele herumirrende Touristen mit fragenden Gesichtern. "Und was Architektur und Ästhetik angeht, kann man die deutsche Geschichte zwischen 1939 und 1989 ja nicht einfach ungeschehen machen."




