
ITB-Finale - Deutsche so reisefreudig wie noch nie
Am letzten Tag der ITB zeigte es sich: Die Deutschen sind weiterhin enorm reisefreudig. Trotz des frühlingshaften Wetters nutzten über 60.000 Privatbesucher das breite Informationsangebot. Viele von ihnen buchten direkt einen Urlaub. Das Reiseziel Griechenland scheint sich nach langen Krisenjahren erholt zu haben. Von Johannes Frewel
In den ersten drei Tagen war der weltgrößte Reisemarkt ITB ausschließlich den Fachleuten der Branche vorbehalten, die letzten beiden Tage gehörten dem Rest der Welt. Touristische Anbieter aus 189 Ländern warben unter den Einkäufern um Aufmerksamkeit. Die Branche verzeichnete bei den drei Fachbesuchertagen der Internationalen Tourismusbörse Vertragsabschlüsse im Gegenwert von um die sechs Milliarden Euro.
65 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für ihren Urlaub aus. Tendenz steigend, betonte Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft: "Die Konsumstimmung, die wir regelmäßig in der Branche messen, ist auf hohem Niveau. Die Menschen sind optimistisch. Auch die Frage der Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes wird vor dem Hintergrund der guten Konjunktur positiv beantwortet, das wirkt sich positiv auf die Reisefreudigkeit aus", sagte Frenzel dem rbb.
Kreta mit 75 Prozent mehr Buchungen als im vergangenen Jahr
Partnerland der ITB war in diesem Jahr Mexiko, das mit jährlich weniger als 200.000 deutschen Besuchern in Deutschland nur eine touristische Nischenrolle spielt. Beliebtestes Reiseland der Deutschen ist Deutschland. Danach folgen Spanien, Italien, Türkei und Österreich. Die größten Zuwächse verzeichnet - auch durch die Krise in Ägypten - das langjährige touristische Problemland Griechenland.
An der Spitze liegt die griechische Insel Kreta mit einem Buchungsplus von 75 Prozent, wie Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reiseverbands DRV erklärte: "Erfreulich ist, dass Griechenland sich erholt hat und weiter erholt. Die derzeitigen Vorausbuchungszahlen für 2014 sind im zweistelligen Bereich – ein klarer Trend ist: Griechenland ist wieder da", sagte Büchy.
Kreuzfahrt-Veranstalter strichen Ukraine-Reisen
Mit Sorgen schaut die Branche auf die Krise um die Ukraine. Große Reiseveranstalter haben bereits ihr gesamte Ukraineprogramm gestrichen. Sollte es zu einer Zuspitzung kommen, fürchten vor allem die Kreuzfahrtanbieter um ihre Umsätze. Denn Kriegsschiffe müssten dann die Kreuzfahrerhochburg Mittelmeer queren, um ins Schwarze Meer zu gelangen.
Massive Marineverbände im Urlaubsidyll kann die Branche überhaupt nicht gebrauchen. Sie hat sich vom Costa-Concoria-Unglück zwar bei den Umsätzen wieder erholt - um aber die lange Zeit spürbar leereren Schiffe zu füllen, ließ die Branche die Preise in den Keller rutschen und konnte das am Markt bislang noch nicht korrigieren.
"Es hat da eine Buchungszurückhaltung gegeben, speziell bei Erstkunden. Um wieder Erstkunden und Vertrauen zu gewinnen, wurde mit besonderen Angeboten nachgeholfen", sagte Michael Ungerer, Präsident der Kreuzfahrtreederei Aida.
Die Kreuzfahrtbranche rechnet insgesamt mit weiter stark wachsenden Buchungszahlen. Allerdings: Allein in diesem Jahr sollen vier neue Kreuzfahrtschiffe auf den deutschen Markt kommen. Wächst die Nachfrage langsamer als die zunehmende Schiffskapazität, dürfte der Preisdruck anhalten und Urlaubern günstige Preise bescheren.




