
Kohlefeld Welzow II - Greenpeace: Erdrutsche gefährden Dorf an Tagebaukante
Der Stromkonzern Vattenfall will seine Kohlegruben in der Lausitz ausweiten. Doch die geplante Abbaggerung der Grube Welzow II setzt Leib und Leben der Dorfbewohner von Lieske aufs Spiel - warnt die Umweltorganisation Greenpeace in einem neuen Gutachten. Das Dorf stünde nach jetziger Planung nur noch auf einem 600 Meter schmalen Damm, der von Grundwasser unterspült werden könnte.
Die Pläne zur Ausweitung der Kohlefelder Welzow-Süd im südlichen Brandenburg liegen vor - und falls sie in dieser Form umgesetzt werden, leben die Einwohner des Dorfes Lieske gefährlich. Zu diesem Schluss kommt auch das neueste Gutachten der Umweltorganisation Greenpeace.
Denn Lieske soll ab 2026 nur noch auf einem maximal 600 Meter schmalen Streifen liegen - zwischen dem Sedlitzer See und dem tieferliegenden geplanten Tagebau. Ein Leck an der unterirdischen Dichtwand zwischen See und Tagebau könnte Teile des Damms und damit des Dorfs abrutschen lassen, warnt Greenpeace.
Die Dichtwand soll ganze 100 Meter tief und über 10 Kilometer lang werden.

"Lebensgefahr für Anwohner und Bergleute"
"Der Sicherheitsabstand zwischen Tagebau und Sedlitzer See ist viel zu gering“, schreibt der Studienleiter, der Geologe Dr. Ralf Krupp. Der neue Tagebau gefährde Leib und Leben der Anwohner und auch der Bergleute im Tagebau, heißt es bei Greenpeace. Das Braunkohleplanverfahren Welzow-Süd II müsse komplett eingestellt werden.
Schwachstelle Dichtwand
Für das Gutachten hat der Geologe die Stabilität der Dichtwand mit einem Rechenmodell untersucht. Das Modell simuliert die Strömungs- und Druckverhältnisse des Grundwassers an der Tagebaukante bei Lieske.
Das Ergebnis: Treten kleine Lecks an der Dichtwand auf, bestehe eine "gravierende Gefährdung“. Solche Lecks könne man nicht ausschließen. Sie könnten sich durch den hohen Wasserdruck vergrößern und zum Bruch des Erddammes zwischen Tagebau und Sedlitzer See führen.
Selbst ohne Lecks an der Dichtwand prognostiziert der Experte einen Dammbruch – spätestens dann, wenn nach Ende des Tagebaus im Jahr 2042 das Restloch geflutet wird.
Bürger können noch zwei Wochen mitreden
In den Plänen geht es eigentlich um die ferne Zukunft - von 2026 bis 2042 will der Vattenfall-Konzern zusätzliche 200 Millionen Tonnen Braunkohle in der Lausitz fördern. Doch die Entscheidungen darüber fallen jetzt: Bis zum 17. September können Bürger ihre Einwendungen gegen den Planentwurf einreichen. Die Unterlagen liegen in den betroffenen Gemeinden der Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz aus.
Es ist bereits das zweite Verfahren zur Beteiligung der Öffentlichkeit. Bei der ersten Runde im Jahr 2011 gingen fast 5000 Einwendungen ein.
Landesbergbauamt sieht keine Gefahr
Greenpeace hatte 2012 schon einmal mit einem Kurzgutachten auf die Gefahr eines Erdrutschs bei Lieske hingewiesen. Das Landesbergamt (LBGR) wies den Vorwurf in einer Stellungnahme zurück. Die Sicherheit der Bewohner Lieskes habe man seit 2004 im Blick, hieß es damals.
Das am Dienstag vorgelegte vertiefte Gutachten kommt laut Greenpeace zu dem Schluss, dass das Landesbergamt die Gefahr einer Rutschung am Tagebau Welzow-Süd II verharmlose.
In Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) war 2009 als Folge des Bergbaus das Ufer des Concordia-Sees auf 500 Metern Länge abgerutscht. Drei Menschen starben. Ursache war nach zwei neuen Gutachten das Grundwasser unter der Kohleschicht.


