
50 Jahre Briketts aus Schwarze Pumpe - Mit "Rekord" wird's warm
Es ist ein dreckiges Geschäft, auch wenn es heute mit deutlich weniger Staub und Krach vonstatten geht. Und doch läuft die Brikettherstellung in der Niederlausitz – anders als in den ersten Nachwendejahren – wieder gut. In Schwarze Pumpe in Spremberg feiert Vattenfall nun den runden Geburtstag der letzten Brikettfabrik in der Region.
Im Osten stand "Schwarze Pumpe" für Staub, Dreck und Krach. Und für schwere Arbeit in der so wichtigen Kohleindustrie. Hier arbeiteten noch 1990 drei große Brikettfabriken, auf die in Jahrzehnten die Arbeit vieler kleiner und kleinster Werke der Region konzentriert worden war.
Heute nun ist lediglich eines übrig geblieben. Und hier feiert am Freitag der Vattenfall-Konzern seinen umstrittenen Energieträger: die Kohle und ihre in dieser Fabrik nun schon seit 50 Jahren praktizierte Brikettierung.
Bis zur Auflösung des Gaskombinats Schwarze Pumpe im Jahr 1990 hatten die Anlagen jährlich zehn Millionen Tonnen Braunkohlebriketts produziert. Doch die Deindustrialisierung, die Umstellung der Heizungen in tausenden Wohnungen und auch die Forderungen nach neuen Umweltstandards und Verschmutzungsgrenzen sorgten dafür, dass lediglich eine Fabrik blieb und diese auch nur stark saniert weiter arbeiten konnte.
Die in Schwarze Pumpe verarbeitete Braunkohle kam bis in die 90er Jahre aus mehreren Lausitzer Tagebauen, darunter Welzow-Süd, Nochten, Scheibe und Spreetal. Verarbeitet wurde sie dann nicht nur in den drei Brikettfabriken, sondern auch im Gaswerk, in drei Kraftwerken und einer Kokerei. Noch in den 80er Jahren arbeiteten hier rund 15.000 Menschen im Gaskombinat, 5000 von ihnen in der Brikettproduktion.
"Zu DDR-Zeiten wurde mit den Briketts im Kombinat Schwarze Pumpe Koks und Stadtgas erzeugt, außerdem waren sie begehrt als Hausbrand für die Bevölkerung", sagt der Leiter der Brikettfabrik Mitte, Gerd Sieling. Und diese intensive Nutzung hatte ihren Grund: Die DDR wollte sich bei der Energieerzeugung von teuren Importen unabhängig machen und setzte auf die Braunkohle. Koks und Braunkohlenstaub waren dabei vor allem für Großanlagen bestimmt, Briketts überwiegend für den Privathaushalt.
Weniger als im Rheinland, mehr als in Sachsen-Anhalt
Zwei Brikettanlagen wurden dann nach der Wende abgerissen. Was blieb, war die Brikettfabrik Mitte, die mit Millionen-Investitionen modernisiert wurde. Und die Kohle dafür kommt nun lediglich aus den Tagebauen Welzow-Süd und Nochten.
Die Brikettfabrik produziert nahe der Landesgrenze zu Sachsen pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Trockenkohle, davon rund 700.000 Tonnen als Briketts. Ihr Produktionsvolumen ist damit deutlich geringer als das der Anlagen im Rheinland, wo jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen hergestellt werden, aber um ein mehrfaches höher als die Kapazität der zweiten ostdeutschen Brikettfabrik in Deuben (Sachsen-Anhalt), wo jährlich rund 56.000 Tonnen produziert werden.
Briketts vom Discounter
Emissionen von Staub, Abgasen und Lärm - das Gaskombinat galt als eine der größten Dreckschleudern der DDR. Mit dem Abriss fast aller Altanlagen auf dem Industriegelände des alten Gaskombinats verringerte sich auch die Umweltbelastung drastisch. Der Dampf für die Brikettpressen kommt seit 1998 vom neuen Vattenfall-Großkraftwerk Schwarze Pumpe. Doch nicht nur die Emission, auch die Beschäftigung in der Kohleproduktion verringerte sich drastisch: Von einst rund 500 Mitarbeitern stellen jetzt lediglich noch rund 230 Vattenfall-Beschäftigte die Trockenkohle her.
Nach Angaben des Konzerns Vattenfall kann die Brikettfabrik derzeit auf einen recht stabilen Absatz "Rekord"-Pakete verweisen. Allerdings änderten sich auch die Absatzwege deutlich. Die Kohle für den privaten Haushalt kommt nur noch zu geringen Teilen vom Kohlehändler. "Etwa 50 Prozent der Produktion liefern wir verpackt an Baumärkte und Discounter. Ein Teil geht in loser Form an ländliche Haushalte und der Rest in den Export", erklärt Fabrikleiter Sieling die neuen Wege. Die Fabrik versorgt zudem das Cottbuser Heizkraftwerk mit grobkörniger Wirbelschichtkohle.
Und nun also Jubiläum: Wo es einmal mehr als 100 Brikettfabriken gab, ist ein einziger Player noch am Markt. Der letzte Stammhalter im Revier feiert seinen 50. Geburtstag.


