Ein Ingenieur dreht am Obertage-Sicherheits-Absperrventil des Eruptionskreuzes zur CO2 Speicherbohrung (DPA)

Erste Phase des Pilotprojekts ist beendet - CO2-Speicherung in Ketzin scheint möglich

Fünf Jahre lang haben Wissenschaftler im havelländischen Ketzin untersucht, wie das Treibhausgas Kohlendioxid gefahrlos unterirdisch gespeichert werden kann. Ihr Ergebnis: Die umstrittene CO2-Verpressung in Ketzin ist sicher, zumindest über einen Zeitraum von fünf Jahren. Nun soll noch einmal fünf Jahre lang beobachtet werden, ob und wie sich das Gas unterirdisch ausbreitet.

"Wir konnten zeigen, dass die geologische Speicherung von CO2 am Pilotstandort Ketzin sicher und verlässlich ist, ohne Gefährdung von Mensch und Umwelt", erklärte am Donnerstag Axel Liebscher vom Geoforschungszentrum in Potsdam. Das Forschungszentrum ist für die wissenschaftliche Betreuung des Projekts im havelländischen Ketzin zuständig. Auftraggeber ist der Energiekonzern Vattenfall.

Kohlendioxid tief unter der Erde

Seit Juni 2008 wurden in dem Pilotprojekt in einer Tiefe von etwa 650 Metern insgesamt 67.271 Tonnen CO2 in salzwasserhaltigem Sandstein verpresst. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob eine langfristige und sichere Speicherung von Kohlendioxid im Untergrund möglich ist, und damit CO2-Emmissionen in die Atmosphäre vermieden werden können. Für die Speicherung nutzten die Wissenschaftler meist hochreines Kohlendioxid aus der Lebensmittelbranche.

Vom Spremberger Industriestandort Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) kamen 2011 in einem sechswöchigen Versuch 1515 Tonnen industriell abgeschiedenes Kohlendioxid dazu. Seit 2008 wird dort die Abtrennung des Gases beim Verbrennen von Braunkohle im Rahmen der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) erforscht.

Eine neue Pilotphase

Nach dem Abschluss der CO2-Einspeisung wird am Pilotstandort Ketzin eine neue fünfjährige Projektphase starten. Dann soll der vollständige Zyklus eines CO2-Speichers von der Erkundung des Standorts über den Betrieb bis zum Rückbau durchlaufen werden, erklärte Liebscher. Deshalb soll die Kohlendioxid-Ausbreitung in der Tiefe überwacht werden.

Im Herbst 2013 beginnt der Abbau der Anlagen und das Verschließen der Bohrungen.

Die Verklappung des Treibhausgases im Boden soll das Klima schützen, da es nicht in die Luft gelangt. Gegen die Kohlendioxid-Speicherung gibt es zahlreiche Proteste. Gegner befürchten beispielsweise eine Verseuchung des Grundwassers durch Salz, das bei der Verpressung von Kohlendioxid verdrängt wird.