Protest gegen Tagebauerweiterung - Greenpeace-Aktivisten bleiben weiter angekettet
Der Protest gegen den geplanten Braunkohletagebau des Energiekonzerns Vattenfall ist am Montag weiter eskaliert. Auch am späten Abend noch waren neun Greenpeace-Aktivisten weiter an die Bahngleise gekettet, um gegen den Ausbau des Tagebaus in Welzow-Süd zu demonstrieren. Arbeiter versuchten vergeblich, die Ketten zu durchtrennen.
Die Polizei hat den Braunkohle-Protest von angeketteten Umweltschützern auf Bahngleisen in der Lausitz bisher nicht beenden können. Bis zum späten Montagabend konnte keiner der neun Aktivisten aus den Gleisen beim Tagebau-Gebiet in Welzow herausgeschnitten werden. Die Polizei rückte mit schwerem Gerät an, der Einsatz gestaltete sich jedoch schwierig.
Vier Frauen und fünf Männer hatten sich am Montagmorgen an drei verschiedene Schienenstränge angekettet. Sie protestieren gegen den schwedischen Energiekonzern Vattenfall und die geplante Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd. Einer der angeketteten Umweltschützer kommt aus Schweden.
Eine Polizeisprecherin korrigierte am Abend die frühere Aussage, wonach angeblich drei Aktivisten von den Ketten befreit worden seien und ein Gleis wieder frei sei. "Es ist noch kein Gleis frei, alle neun sind noch angekettet», sagte sie. Die Aktion sei schwierig, da sich in den Kästen, in denen die Angeketteten mit ihren Armen verankert sind, auch Beton befinde. Ein Greenpeace-Sprecher sagte gegen 22.00 Uhr, die Aktion werde auch in der Nacht fortgesetzt.

Braunkohlekraftwerken geht der Nachschub aus
Laut eigenen Angaben protestieren die Umweltschützer gegen die geplante Erweiterung des Tagebaus durch den Energiekonzern Vattenfall. Aufforderungen des Konzerns und der Polizei, die Aktion selbst zu beenden, sind sie bisher nicht nachgekommen.
"Für jeden Schweden ist es eine Schande, dass der schwedische Staatskonzern Vattenfall in der Lausitz einige der schmutzigsten Kohlekraftwerke Europas befeuert", begründet Emma Petersson von Greenpeace Schweden die Aktion. Vattenfall müsse seine Pläne für weitere Tagebaue sofort stoppen.
Laut Polizei sind rund 25 schwedische und deutsche Aktivisten vor Ort, um Kohletransporte zu stoppen. Der ausbleibende Nachschub für die drei Kohlekraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg sowie den Veredlungsbetrieb in Schwarze Pumpe führt laut Vattenfall zu einer angespannten Situation.
Insgesamt protestieren etwa 40 Umweltschützer gegen die geplante Erweiterung des Tagebaus. Ihre Forderungen unterstreichen die Aktivisten mit klaren Worten: Eines ihrer Banner hat die Aufschrift "Vattenfalls kol dödar - ställ om till 100% förnybart" ("Vattenfalls Kohle tötet - Wechsel zu 100 Prozent Erneuerbare Energie"). Die Aktion solle so lange dauern, bis Vattenfall und die brandenburgische Landesregierung ihre Pläne für den Tagebau aufgeben würden, so der Energieexperte von Greenpeace Deutschland, Gerald Neubauer.
Beteiligungsverfahren endet am Dienstag
Der Protest kommt kurz vor Ende des Beteiligungsverfahrens, bei dem Bürgerinnen und Bürger Einwände gegen das Vorhaben erheben können. Die Frist für die öffentliche Auslegung des Entwurfs für den Braunkohleplan in Welzow-Süd läuft noch bis Dienstag (17.9.). Wie schon bei der ersten öffentlichen Auslegung des Entwurfs soll es mehr als 5.000 Einwände geben.
BUND: 112.000 Einwände übergeben
Wie der brandenburgische Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mitteilte, haben die Umweltschützer insgesamt 112 157 Einwände gegen den neuen Tagebau in Welzow gesammelt. Sie seien am Montag an die zuständige Planungsbehörde in Cottbus übergeben worden.
"Ministerpräsident Woidke darf die Stimmen dieser Menschen nicht ignorieren", sagte Gerald Neubauer von Greenpeace Deutschland.
Vattenfall äußerte in Zusammenhang mit den aktuellen Protesten die Befürchtung, dass dadurch ein Engpass beim Kraftwerk Schwarze Pumpe drohe. Im Moment sei die Versorgung durch die Blockade des Bahntransports aber noch nicht gefährdet, sagte ein Sprecher dem rbb.
Der schwedische Energiekonzern Vattenfall plant in der Lausitz fünf weitere Tagebaue, durch die 3.000 Menschen ihre Heimat verlieren würden. Bei Welzow sollen in den kommenden Jahrzehnten auf weiteren 2.000 Hektar Braunkohle abgebaut werden. Hier müssten mehr als 800 Menschen umgesiedelt werden.
Gutachten der Grünen: Planentwurf unzureichend
Kritik an den Plänen zur Tagebauerweiterung kommt auch von den Grünen. Deren Landtagsfraktion hatte am Sonntag ein neues Gutachten zum geplanten Tagebau Welzow-Süd II vorgelegt. Der Planentwurf sei lückenhaft, heißt es darin. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Bewohner, die umgesiedelt werden sollen, seien nicht ausreichend gewürdigt worden, ebensowenig die Zukunft betroffener Betriebe. Fraktionsvorsitzender Axel Vogel forderte deshalb eine sofortige Einstellung des Braunkohlenplanverfahrens.



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