Protestaktion gegen Erweiterung des Tagebaus Welzow-Süd in Potsdam (Bild: dpa)

Bürger wollen nicht umgesiedelt werden - Tagebau-Gegner starten Unterschriftenaktion

 Gegner des Braunkohletagebaus haben in Potsdam eine Unterschriftenaktion gestartet. Sie wehren sich gegen die Zerstörung weiterer Dörfer in Südbrandenburg. Zugleich startete eine weitere Bürgerbefragung zu dem Thema.

Kohlegegner haben am Donnerstag in der Potsdamer Fußgängerzonegegen eine Erweiterung des Lausitzer Tagebaus Welzow-Süd protestiert. Sie sammelten Unterschriften gegen die Abbaggerung weiterer Dörfer im Süden Brandenburgs.

Unterstützt wird die Aktion von den Grünen. Die brandenburgische Landesvorsitzende Annalena Baerbock sagte, neue Gruben widersprächen den Klimazielen der Landesregierung. Die Braunkohle aus den aktiven Vattenfall-Tagebauen reiche für die Kraftwerke bis 2030. 

Zugleich begann am Donnerstag eine weitere Bürgerbefragung zu dem umstrittenen Thema. Auch Vereine, Verbände, Kommunen und Parteien können sich in dem Beteiligungsverfahren äußern. Es soll bis zum 27. September laufen.

Ein Arbeiter steht im Tagebau Welzow-Süd vor einem riesigen Bagger (Quelle: dpa)
Braunkohleförderung in Welzow-Süd.

Etwa 800 Menschen betroffen

Das Energieunternehmen Vattenfall Europe will den Tagebau Welzow-Süd im Teilabschnitt II fortführen. Kohlegegner sprechen von einem neuen Tagebau, was Vattenfall bestreitet. Das künftige Abbaufeld umfasst 2000 Hektar, davon liegen 80 Hektar in Ostsachsen. Für die Erweiterung der Kohlegrube müssten bis 2020 etwa 800 Menschen umgesiedelt werden, davon alle 350 Bewohner des Ortsteils Proschim. Dessen Bewohner wehren sich geschlossen gegen einen Wegzug aus dem Dorf, das vor allem von der Landwirtschaft lebt.

Die Unterlagen zum Entwurf des Braunkohleplans Welzow-Süd II und zum Umweltbericht liegen bis 17. September in den betroffenen Gemeinden der Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz aus. In Sachsen werden die zuständigen Behörden an dem Verfahren beteiligt, wie die Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg in Cottbus mitteilte. Bereits 2011/12 lief ein öffentliches Beteiligungsverfahren zur Erweiterung der Grube Welzow. Dazu gingen 4800 Einwendungen ein, der Plan wurde überarbeitet.
Förderbrücke in Welzow (Quelle: dpa)
Förderbrücke in Welzow

Tagebau in Welzow Süd

20 Millionen Tonnen Braunkohle jährlich gewinnt die Vattenfall Europe Mining AG bereits jetzt allein aus dem Tagebau Welzow Süd westlich von Spremberg. Dort lagern insgesamt 550 Millionen Tonnen. Geliefert wird die Kohle an das Kraftwerk und die Brikettfabrik Schwarze Pumpe. Damit die Versorgung von Schwarze Pumpe bis 2042 gesichert werden kann, soll noch mehr Braunkohle abgebaut werden. Dafür will Vattenfall das Abbaugebiet ausweiten. Es geht um einen zusätzlichen Teilabschnitt südwestlich der Kleinstadt Welzow, wo weitere 200 Millionen Tonnen des Rohstoffs lagern.

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