Siebter Sternmarsch gegen Braunkohle - Tagebau-Gegner fordern Beteiligung an Schiedsstelle
Beim siebten Sternmarsch gegen Braunkohle sind am Sonntag rund 850 Teilnehmer durch die Dörfer Grabko, Kerkwitz und Atterwasch gezogen. Diese Dörfer könnten wie andere in der Lausitz neuen Tagebauplänen zum Opfer fallen. Die Organisatoren stellten bei einer Kundgebung auch Anforderungen an die von der Brandenburger Landesregierung angekündigte Schiedsstelle für Bergschäden.
Einwohner der von Lausitzer Tagebau-Plänen bedrohten Dörfer haben am Sonntag gegen eine Erweiterung der Abbaugebiete und für die Energiewende protestiert. Zum siebten Sternmarsch waren nach Angaben der Organisatoren rund 850 Teilnehmer nach Kerkwitz gekommen.
Anwohner und Aktivisten waren am frühen Nachmittag aus den Dörfern Grabko, Kerkwitz und Atterwasch zu einer Kundgebung am "Alten Schafstall" nördlich von Kerkwitz (Spree-Neiße) gezogen. Ihre drei Orte sollen dem Tagebau Jänschwalde-Nord weichen, dann müssten etwa 900 Menschen ihre Heimat verlassen.
Neutrale Schiedstelle gefordert
Laut Silvia Borkenhagen, einer der Organisatorinnen des Sternmarsches, ist man nach dem erfolgreichen Sternmarsch mit einem erneuten Besucherrekord trotz leichten Regens sehr motiviert, neue Aktionen in diesem Jahr anzugehen. Es soll erreicht werden, dass Bergbauschäden von einer neutralen Stelle begutachtet würden, sagte Borkenhagen rbb online. In Dörfern der Gemeinde Schenkendöbern könne man an Häusern und auf Straßen bereits Risse sehen, diese sollten von neutraler Stelle und nicht von Vattenfall untersucht werden.
Am kommenden Montag will das "Netzwerk Tagebaurand", in dem die Bürgerinitiative "Vermutete Bergschäden" aus Welzow und die Gemeinde Schenkendöbern organisiert sind, ihre Anforderungen an die von der Landesregierung angekündigte Schiedsstelle an den brandenburgischen Wirtschaftsminister Christoffers übergeben. Eine solche Einrichtung soll die Menschen schützen, die am Rande des Bergbaus leben müssen und in Streitfällen vermitteln. So soll es die Möglichkeit für Betroffene geben, Schäden an Wohnhäusern und Grundstücken regulieren zu lassen.
Das Netzwerk aus Betroffenen und Tagebaugegnern fordert unter anderem eine Beteiligung an der Schiedstelle in Form eines Beisitzers und den kostenfreien Zugang zu Umweltdaten. Zudem sollte nach den Wünschen des Netzwerks eine neutrale Person, zum Beispiel ein Richter, der Schiedstelle vorsitzen.
Jeden ersten Sonntag im Jahr
Der Protest wird von Umweltschützern und den Grünen unterstützt. Unter den Teilnehmern beim Sternmarsch waren auch die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock und Cornelia Behm (Grüne). Die Landtagsabgeordnete Sabine Niels (Grüne) forderte erneut, die Pläne zu stoppen. "In den bereits genehmigten Tagebaufeldern lagert noch genug Kohle, um bis Mitte der 2030er Jahre einen Umstieg auf ein regeneratives Energiesystem zu gewährleisten", meinte sie. Laut einem Gutachten seien neue Tagebaue für die Energieversorgung von Berlin und Brandenburg deshalb nicht mehr nötig.
Der Bürgermeister der Gemeinde Schenkendöbern, Peter Jeschke (CDU), sprach bei der Kundgebung. Die Gemeinde ist im "Netzwerk Tagebaurand" engagiert. Viele Teilnehmer waren auch aus Gubin in Polen angereist, ebenso kamen dieses Mal wieder viele aus den Anrainer-Gemeinden des Tagebaus Welzow wie Proschim dazu. Die Bürger dort sind ebenfalls von Umsiedlungen bedroht, sollte der neue Tagebau Welzow Süd II kommen. Durch die Pläne für mehrere neue Tagebaue des Vattenfall-Konzerns in Südbrandenburg sind rund 3.200 Menschen von Umsiedlungen bedroht.
Den Sternmarsch gibt es seit 2008 - stets am ersten Sonntag im Januar. Damals waren die Pläne des Vattenfall-Konzerns und der Landesregierung bekanntgeworden. Im vergangenen Jahr hatten sich rund 800 Bürger an der Protestaktion beteiligt. Auch Betroffene anderer von Braunkohlentagebauen bedrohten Regionen, Umweltorganisationen und Tagebaugegner waren bei schlechtem Wetter dazugestoßen.
Gefordert werd eine "echte Energiewende", die Lausitz dürfe nicht weiter den Tagebaulöchern geopfert werden, hieß es vorab in einer Pressemeldung der Organisatoren.



