First Solar (dpa, 2012)

Ein Jahr nach dem First-Solar-Aus - Scherben zusammenkehren in Frankfurt (Oder)

Ein Jahr ist es her, dass bei First Solar in Frankfurt (Oder) das Aus verkündet wurde. Seitdem versucht die Politik, den Schaden zu begrenzen: Für die Beschäftigten und für die Stadt selbst. Die Aussichten sind durchwachsen.

Hintergrund

Der Solarpark in Jabel (Müritzkreis) (Quelle: dpa)

Krise der Solarindustrie - Chronologie des Niedergangs

First Solar, Odersun, Aleo Solar, Conergy - und jetzt auch Solon. Die einstige Vorzeigebranche kämpft seit 2010 in der Region gegen den Untergang. Ein Überblick.

Am 17. April 2012 gab das US-Unternehmen "First Solar" bekannt, es werde seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) schließen. Grund: Der hohe Konkurrenz- und Preisdruck auf dem Weltmarkt mache die Produktion der Dünnschicht-Module an diesem Standort unwirtschaftlich. Ein Problem, das in Deutschland bereits viele Solarunternehmen in die Knie zwang.

In Frankfurt (Oder) bedeutete die Entscheidung von "First Solar" konkret: 1.200 Mitarbeiter standen vor der Arbeitslosigkeit, die Stadtkasse vor einem gigantischen Finanzloch: 28,5 Millionen Euro weniger Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Ein Desaster für die Oderstadt. Die Stadtkämmerin verhängte eine sofortige Haushaltssperre.

Seitdem laufen viele Anstrengungen, um die Auswirkungen der First-Solar-Pleite möglichst gering zu halten.

Kaputte Solarzellen (Foto: dpa)
Scherbenhaufen Solarbranche

Finanzspritze gegen harte Auflagen

Das Land Brandenburg unterstützte die Stadtkasse mit 22 Millionen Euro aus dem sogenannten Ausgleichsfonds des Landes, um die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.

Ein winziger Ausgleich: First Solar zahlte vertragsgemäß fünf Millionen Euro Fördergelder zurück, die es für das zweite Werk bekommen hatte. Denn an die Förderung war eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie für die Beschäftigten gekoppelt – die hielt First Solar nicht ein.

Im Gegenzug für die Soforthilfe musste sich Frankfurt (Oder) aber bereit erklären, die Gewerbesteuer anzuheben und 200 Stellen in der Verwaltung abzubauen. Zudem wurden millionenschwere Einschnitte bei den Ressorts Sport und Kultur sowie der Wirtschaftsförderung gefordert.

Arbeitsagentur: Dürftige Vermittlungschancen

Von den 1.200 Beschäftigten fanden knapp 180 bis zum Jahreswechsel neue Jobs. Rund 120 meldeten sich zum 1. Januar arbeitslos, 250 weitere sind noch bis Ende Mai mit "Rückbauarbeiten" in den beiden stillgelegten Werken beschäftigt.

Die übrigen 650 landeten in einer Transfergesellschaft, in der sie seitdem umgeschult werden – noch bis Ende September. Wenn sie bis dahin keinen neuen Job haben, steht ihnen noch ein Jahr Arbeitslosengeld zu. Und dann?
Azubis von First Solar (dpa)
Auszubildende bei First Solar
Der Chef der örtlichen Arbeitsagentur, Jochem Freyer, beurteilt die Aussichten nicht allzu positiv: Wenn bis Jahresende die Hälfte der Leute in der Transfergesellschaft einen neuen Job hätten, sei das schon ein großer Erfolg, sagte er dem rbb. Bisher haben 50 eine neue Arbeitsstelle gefunden.

Freyers Einschätzung: Wer in der Gegend bleiben wolle, müsse sich auf Einbußen von mindestens 600 Euro netto einstellen. Wer dazu nicht bereit sei, dem empfehle er, sich in Berlin umzuschauen. Natürlich nur bei entsprechender Qualifikation.

Das gleiche gilt auch für die 250 Beschäftigten, die derzeit noch in den stillgelegten Werken die Maschinen abbauen. Für sie beginnt die Neun-Monats-Frist in der Transfergesellschaft eben nur später.
Ein Mitarbeiter des Solarunternehmens Conergy AG in Frankfurt (Oder) zeigt eine Solarzelle (Bild: DPA)
Conergy-Mitarbeiter mit Solarzelle

Auch andere Solarhersteller müssen aufgeben

In Frankfurt (Oder) jetzt einen vergleichbaren Job zu finden, wäre wohl so etwas wie ein Lottogewinn. Denn First Solar ist nicht das einzige Solarunternehmen in der Oderstadt, das sich dem Preisdruck beugen musste: Auch "Odersun" musste 2012 aufgeben, und Konkurrent "Conergy" hat Anfang Juli 2013 Insolvenz angemeldet. Damit stehen weitere 320 Arbeitsplätze in der Stadt auf dem Spiel. Noch gibt es aber die Hoffnung, einen Investor für Conergy zu finden, der den Geschäftsbetrieb weiterführt.


Ob sich die Stadt Frankfurt (Oder) wieder berappelt, wird man sehen. Die Sparauflagen des Landes zumindest sind harter Tobak für eine Stadt, die versucht, neue Investoren zu gewinnen. Für die First Solar-Werke hat sich jedenfalls bisher niemand gemeldet.

Beitrag von Nele Haring