
Konzern hatte Aufspaltung angekündigt - Vattenfall will um Berliner Stromnetz kämpfen
Vattenfall muss kräftig sparen. Trotzdem will der Energieriese das Berliner Stromnetz weiter betreiben. Es gebe keine Entscheidung, sich aus Deutschland und den Kernmärkten in Berlin und Hamburg zurückzuziehen, teilte der Konzern mit. Experten sehen dagegen durchaus Rückzugstendenzen.
Beim Berliner Energienetz gibt sich Vattenfall kämpferisch: "Wir werden wie die Löwen darum kämpfen, das Netz weiter betreiben zu dürfen", sagte Vattenfall-Sprecher Müller der "Berliner Zeitung". Demnach plant der Konzern, das Netz in den nächsten zehn Jahren mit 1,4 Milliarden Euro zu modernisieren. Am 3. November findet in Berlin der Volksentscheid zum Stromnetz statt. Der Energietisch Berlin fordert eine Rekommunalisierung.
Experten sehen in den Vattenfall-Plänen allerdings durchaus Anzeichen, dass sich der Konzern langfristig aus Deutschland zurückziehen will. Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband glaubt, dass "die Energiewende es insgesamt für Großkonzerne alter Prägung wie Eon, RWE oder auch Vattenfall nicht mehr sonderlich attraktiv macht". Bei der Stromerzeugung seien keine großen Gewinne mehr möglich, so Krawinkel.

Gewerkschaft: "Gruben bleiben - egal, wie die Unternehmer heißen"
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) rechnet mit einem Rückzug des Konzerns aus der Braunkohleverstromung. Dennoch zeigte sich der Stellvertretende IGBCE-Vorsitzende Ulrich Freese gelassen. Im rbb sagte er: "Sicher ist: Die Tagebaue, Gruben und Kraftwerke bleiben - egal wie die Unternehmer heißen". Dass der Unternehmername Vattenfall Geschichte werden könnte, darauf deuteten die Indizien "klar und deutlich" hin, so Freese. Der Konzern sei nicht in der Lage, seine finanziellen Probleme zu beherrschen und in Schweden die notwendige Sympathie für Braunkohleförderung und -verstromung zu erzeugen.
Von Verunsicherung sei bei den Kollegen nichts zu spüren, so Freese weiter: "Jedes halbe Jahr kommen neue Entscheidungen aus Stockholm. Alle warten eigentlich auf die finale Entscheidung, die da heißt: Wir wollen nicht mehr, wir verkaufen, wir bringen euch an die Börse, wir besorgen neue Eigentümer. Und ich denke, mit der Entscheidung werden die Kollegen zufrieden sein."

Vorstand will Betriebsrat über Umbau informieren
Die Gewerkschaft Verdi rechnet hingegen vorerst nicht damit, dass sich Vattenfall von seinem Deutschlandgeschäft trennt. Er halte einen Verkauf für "nicht sehr wahrscheinlich", weil Vattenfall mit seiner Stromerzeugung in Deutschland noch immer Geld verdiene, sagte der Verdi-Experte für Energie in Berlin und Brandenburg, Hartwig Willert, am Mittwoch.
Die Entscheidung, den Konzern 2014 in die regionalen Einheiten Skandinavien und Kontinentaleuropa aufzuspalten, sei zu begrüßen. Damit biete sich die Chance, in jedem Land eine eigene Strategie zu verfolgen.
Der Vorstand wolle den Konzernbetriebsrat am Donnerstag über Details des Umbaus informieren, berichtete Willert. Er forderte die deutsche Unternehmensführung auf, den derzeitigen Abbau von Arbeitsplätzen zu stoppen, bis klar sei, wie der neue regionale Zuschnitt aussehe

Misstrauen in Schweden bei Gewinnen aus Braunkohle
Vattenfall räumte ein, dass die Aufteilung einen Verkauf des Europageschäfts möglich mache, aber sich nicht zu einer entsprechenden Absicht geäußert.
Vattenfalls Konzernchef Lars G. Nordström erklärte, Hintergrund der Änderungen sei die aus Sicht des Unternehmens gestiegene Unsicherheit in Bezug auf die Entwicklung des Energiebinnenmarktes in Europa, insbesondere in Kontinentaleuropa. Die neue Struktur solle es den Unternehmensteilen in jeder Region erleichtern, sich auf ihre jeweiligen Hauptthemen zu konzentrieren.
Gewinne der Stromerzeuger schrumpfen
Der "Berliner Tagesspiegel" nannte unter Berufung auf Manager des Konzerns vor allem auch das schmutzige Image der Braunkohle in Deutschland als einen der Gründe für die Abtrennung der ausländischen Bereiche - wozu auch die Verstromung der Kohle aus den Brandenburger Tagebauen gehört - vom schwedischen Geschäft. In der Zeitung heißt es, die schwedische Politik und Öffentlichkeit blickten skeptisch auf die deutsche Energiewende.
Vattenfall kämpft wie auch die anderen großen Konzerne Eon und RWE in Deutschland mit einem Überangebot an Strom in Europa, der die Marktpreise gedrückt hat. Eine Ursache sind die großen Mengen an Solar- und Windstrom in Deutschland, die bei entsprechendem Wetter in die Netze gespeist werden. Dann müssen Gas- und Kohlekraftwerke ihre
Leistung drosseln. Das macht sie weniger rentabel und lässt die Gewinne der Stromerzeuger schrumpfen.
Bereits im März hatte Vattenfall angekündigt, 2500 Arbeitsplätze bis Ende 2014 zu streichen, davon 1500 davon in Deutschland. Betroffen sind auch die Hauptverwaltung in Berlin und die Braunkohle-Standorte in der Lausitz.

