Das Heizkraftwerk in der Köpenicker Straße (Bild: dpa)

Von Strom bis Wasser - Eine Chronologie der Privatisierungen in Berlin

Heute stehen die Zeichen in Berlin wieder auf Rekommunalisierung, aber vor gut 20 Jahren wurde kräftig verkauft: Die BEWAG, die Wasserbetriebe, die Gasag und auch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften verkaufte der Berliner Senat an private Eigentümer. Das Ziel: Die horrenden Schulden Berlins zu drücken.

Die Wendejahre in Berlin waren turbulent. Danach musste sich die Stadt erstmal neu sortieren. Beim Sortieren fiel auf: Berlin besaß nicht nur Betriebe für Strom, Wasser und Müll, sondern auch Hafenanlagen, Großmärkte, Banken, Bauernhöfe und eine defizitäre Porzellanmanufaktur. Weil parallel mit den Jahren der Schuldenberg Berlins immer weiter wuchs, propagierten CDU und  SPD die Privatisierung der landeseigenen Betriebe als Allheilmittel. Ein Überblick.

1994-1998
Die Gasag wird schrittweise privatisiert. Das landeseigene Unternehmen war Anfang der 1990er Jahre hoch verschuldet. Die Berliner zahlten die höchsten Gaspreise in ganz Deutschland. Allein 1992 machte die Gasag 180 Millionen DM Verlust.

1997
Die Bewag arbeitete im Gegensatz zur Gasag effizient und warf jährlich Gewinne in dreistelliger Höhe ab. Sie wird 1997 für 2,3 Milliarden DM verkauft und 2003 von der schwedischen Vattenfall übernommen. Über 9.000 Arbeitsplätze hatte die Bewag beim Verkauf. Heute beschäftigt Vattenfall in Berlin noch rund 5.500 Mitarbeiter.

1998
Die bis dahin landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gehag wird privatisiert.

1999
Die Berliner Wasserbetriebe werden teilprivatisiert. Berlin behält zwar rechnerisch die Mehrheit an dem Unternehmen, gibt aber Gewinngarantien an die beiden neuen Privateigentümer RWE und Veolia. Die Wasserpreise in Berlin steigen.

2004
Die vorerst letzte große Privatisierung in Berlin ist der Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft GSW an einen Finanzinvestor. Damit endet die Privatisierungseuphorie der 90er Jahre.

Inzwischen werden Teile der Privatisierungen zurückgedreht. Berlin hat vergangenes Jahr den Anteil von RWE an den Wasserbetrieben zurückgekauft. Der Rückkauf des Anteils von Veolia steht unmittelbar bevor. Ist das passiert, gehören die Wasserbetriebe Berlin wieder zu 100 Prozent.