Illustration: Öko-Energie - Ein Windrad und eine Photovoltaikanlage (Bild: dpa)
Audio: Inforadio | 01.11.2013 | Beitrag von Jan Menzel

Vor dem Volksentscheid - Wie grün ist Berlins Strom?

Der Energietisch will mit seinem Volksentscheid am Sonntag ein Stadtwerk starten, das ein großer Öko-Stromanbieter sein soll. Langfristig 100 Prozent erneuerbarer Strom - bis dahin wäre es angesichts der aktuellen Zahlen ein weiter Weg. Kann Berlin es schaffen, ihn zu gehen? Von Jan Menzel

Der Strom soll künftig grün sein, das ist spätestens seit der Atomkatastrophe von Fukushima Mehrheitsmeinung in Deutschland. Auch in Berlin soll der Strom grüner werden. Das Berliner Stadtwerk, das SPD und CDU kürzlich gegründet haben, darf nur erneuerbare Energie verkaufen , genauso wie das Stadtwerk, das der Energietisch mit seinem Volksentscheid am Sonntag an den Start bringen möchte - dieses Stadtwerk soll sogar ein richtig großer Öko-Strom-Anbieter werden. Langfristig 100 Prozent erneuerbarer Strom - geht das und wo steht Berlin jetzt?

"Wenn ich sehe, wie die politischen Mechanismen derzeit in Berlin funktionieren, wie mit erneuerbaren Energien in der Verwaltung umgegangen wird, da steht Berlin noch da, wo Brandenburg vor 15 Jahren stand." Frank Vach ist ein Pionier, der erste Windmüller Berlins. Sein Windrad steht in Pankow, dicht bei der Autobahn. 138 Meter misst die Anlage vom Sockel bis zur Flügelspitze. Jahrelang kämpfe der Ingenieur mit seiner Planungsfirma um die Genehmigung. 2008 ging Vachs Windkraftanlage als erste und bislang einzige in Berlin ans Netz: "Mittlerweile sind wir so weit, dass wir kurz vor der Genehmigung des zweiten Windrads stehen."

Auch Windpionier Frank Vach aus Pankow ist skeptisch, was allzu ehrgeizige Ziele angeht. Gleichwohl würde er lieber heute als morgen loslegen. Bis zu 100 Windräder könnten sich in Berlin drehen, an den Autobahnen, auf Flächen am Stadtrand, glaubt Vach. Strom für 150 000 Haushalte könnten sie erzeugen, das wäre doch schon deutlich mehr als nur ein Anfang.

Solarzellen
Bislang machen regenerative Energien in Berlin einen Anteil von gerade mal zwei bis drei Prozent aus.

Regenerative Energien spielen in Berlin prozentual eine sehr kleine Rolle

Zwei Windräder in sechs Jahren - bei der Windenergie ist die Millionenmetropole Berlin im Schneckentempo unterwegs. Bei der Solarenergie sieht es zwar etwas besser aus. Eine große Anlage Photovoltaik-Anlage steht beim Wasserwerk Tegel. Die Stadtreinigung BSR hat auf mehreren Dächern Module installiert. Auf der Max-Schmeling-Halle und auf den Hallen-Dächern des Berliner Großmarkts wird ebenfalls Strom aus Sonne produziert. Doch rechnet man alle regenerativen Quellen, also Sonne, Wind und Biomasse, zusammen, kommt man in Berlin nur auf einen Anteil zwischen 2 und 3 Prozent.

"Wir haben aber große Ressourcen, die wir bisher noch nicht nutzen - darum geht es uns bei dem Stadtwerk," sagt der Energieexperte der Grünen Michael Schäfer. Er beruft sich auf eine gemeinsame Studie im Auftrag der Grünen-Fraktionen im Abgeordnetenhaus und Potsdamer Landtag. 100 Prozent erneuerbarer Strom in der Region ist möglich, heißt es in der Studie. Aber nur wenn beide Bundesländer an einem Strang ziehen. Die Märker müssten mehr Windräder aufstellen, die Hauptstädter im großen Stil Solaranlagen auf ihre Dächer bauen. Die Studie stellt aber auch klar, das 100- Prozent-Ziel beim Öko-Strom wird nur erreicht, wenn der Verbrauch um 20 Prozent sinkt. Experten wie Volker Gustedt von der Berliner Energieagentur halten das für sehr, wenn nicht sogar zu ambitioniert: "Wir haben leider momentan keine Abnahme beim Stromverbrauch zu verzeichnen. Das liegt daran, dass wir zwar auf der einen Seite effizientere Haushaltsgeräte haben, auf der anderen Seite aber eine Zunahme an elektronischen Geräten - man denke nur an die steigende Verbreitung von Smartphones und Computern."

Beitrag von Jan Menzel

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