Genehmigung für Anlage in Pankow - Zweites Windrad für Berlin

Nach jahrelangem Streit bekommt Berlin jetzt ein neues und damit zweites Windrad: Es soll sich – genau wie das erste – im Bezirk Pankow drehen. Kurz vor dem Volksentscheid, bei dem auch über erneuerbare Energien abgestimmt wird, ist das vielleicht eine Entscheidung mit Signalwirkung.

Halb so hoch wie der Funkturm soll es sein: 186 Meter werden in den Pankower Himmel ragen. Etwa 4.000 Megawattstunden kann das Rad im Jahr produzieren, das wäre die Stromversorgung für 1.200 Haushalte.

Der Betreiber, die Firma "Neue Energie Berlin" (NEB) hat bereits 2008 ein Windrad in Pankow in Betrieb genommen. Es steht am Arkenberger Damm. Das neue Rad soll auf einer Ackerfläche nahe der Bundesstraße 2 gebaut werden, dicht an der Grenze zum Brandenburger Landkreis Barnim. Das Gelände ist bereits seit längerem gepachtet. Unmittelbare Nachbarn gibt es nicht.

Betreiber erstritten Genehmigung vor Gericht

Die Genehmigung für das zweite Projekt wurde zunächst verweigert, obwohl die Bezirksverordneten dafür waren. Aber sowohl die Naturschutzbehörde Pankow als auch der Bezirk Lichtenberg hatten etwas dagegen. Die Pankower Naturschützer sahen einen schweren Eingriff in den Landschaftsschutz. Sie machten geltend, die neue Anlage sei zu nah am Landschaftsschutzgebiet "Neue Wiesen" geplant. Die Lichtenberger kritisierten, für Bewohner Wartenbergs könnte die freie Sicht beeinträchtigt werden.

Die Betreiber klagten vor dem Berliner Verwaltungsgericht gegen den Ablehnungsbescheid und bekamen schließlich Recht. Jetzt hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angekündigt, die Genehmigung auf den Weg zu bringen. Die NEB will dann so schnell wie möglich mit dem Bau beginnen.

Kleinwindanlage auf dem Dach der HTW Berlin, Foto: Friederike Coenen
Kleinwindanlage auf dem Dach der HTW Berlin, Foto: Friederike Coenen

Kleine Windkraftanlagen für die Stadt

Dass hohe Windräder wie die in Pankow in Berlin Zukunft haben, ist eher unwahrscheinlich: Für das Stadtgebiet sind sie generell eher ungeeignet. Für Städte wird daher eher über den Einsatz kleiner Windkraftanlagen diskutiert, die beispielsweise auf Hochhäusern installiert werden können.

Ein entsprechendes Forschungsprojekt der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, das vom Land mitfinanziert wurde, installierte sechs solcher Anlagen im Stadtgebiet und maß in den vergangenen Jahren das spezifische Windaufkommen in der Stadt. Das Fazit der Wissenschaftler: Auch kleine Windkraftanlagen können sich für die Energiegewinnung durchaus lohnen.

Erneuerbare Energien werden in Berlin zum Thema

Das Thema Erneuerbare Energien wird in Berlin künftig wichtiger werden: Der Senat hat sich bereits auf die Gründung eines eigenen Stadtwerkes geeinigt, das Ökostrom anbieten soll. Beim Volksentscheid am 3. November sollen die Bürger über einen Vorschlag abstimmen, der in puncto Ausbau der Versorgung mit erneuerbarer Energie sogar noch wesentlich weiter geht als das, was die Landesregierung dazu plant.

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