Zwei Mitarbeiter setzen am Hybrid Kraftwek bei Prenzlau den ersten Spatenstich (Quelle: rbb/Katja Geulen)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.10.2013 | Beitrag von Katja Geulen

Gaserzeugung und Energiespeicherung aus Windkraft - Ein Windgas-Kraftwerk drängt ans Netz

Klimaneutrale Energie auch zu speichern und zu transportieren ist die Herausforderung der Energiewende. Das Unternehmen Enertrag erzeugt zusammen mit "Greenpeace Energy" bei Prenzlau aus Windkraft Wasserstoff, kurz: Windgas. Dieses Gas soll demnächst auch ins Gasnetz strömen. Der Leitungsbau startete nun.

Die Enertrag AG in Prenzlau wird künftig in der Uckermark mit Windkraft Wasserstoff erzeugen und das Gas ins Netz einspeisen.

Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, starteten nun die Bauarbeiten für den Anschluss des bereits fertigen Hybridkraftwerkes an das nationale Gasnetz. Über eine kurze Stichleitung soll dann ab 2014 das so genannte Windgas ins Erdgasnetz eingespeist werden, also Gas, das erneuerbar und klimaneutral mit Windstrom erzeugt wurde.

Speicherfähiges Gas aus Wind

Künftig sollen damit dann Haushalte in ganz Deutschland Energie von dort beziehen können. Das Hybridkraftwerk - betrieben von Enertrag gemeinsam mit Greenpeace Energy - hat eine Leistung von sechs Megawatt und erzeugt Strom sowohl aus Wind als auch aus Biogas. Gleichzeitig ist es ein Energiespeicher: Wenn viel überschüssiger Wind weht, wird daraus so genanntes Windgas produziert. Dieses wird dann bei Flaute zur Stromproduktion genutzt. Diese Speichertechnologie soll in Brandenburg zum Gelingen der Energiewende beitragen.

Windgas ist dabei ein Kunstname als Anzeiger für die Herkunft. Ebenso wie Windgas gibt es auch so genanntes Solargas. Dabei wird mit Hilfe des Stroms aus den erneuerbaren Energien Wasserstoff im Verfahren der Elektrolyse erzeugt, also mit Energie aus den erneuerbaren Energieformen Solar oder Wind. Der Wasserstoff kann dann direkt - streng kontrolliert und in festgelegten Dosen - in das Gasnetz eingespeist werden.

Weltweit erstes Kraftwerk dieser Art

Enertrag betreibt in Prenzlau  (Brandenburg) das nach eigenen Angaben weltweit erste Kraftwerk dieser Art. Die erste Einspeisung war bereits für Mitte 2012 vorgesehen, hatte sich aber verzögert, da eine solche Einspeisung Neuland für die  Energiewirtschaft darstellt. Greenpeace Energy und Enertrag konnten  sich nach eigenen Angaben erfolgreich dafür einsetzen, dass die offenen regulatorischen Fragen geklärt wurden und das Hybridkraftwerk nun ans Erdgasnetz angeschlossen wird.

Windgas als Energiespeicher

"Windgas ist einer der wichtigsten Bausteine für das Gelingen der Energiewende in Deutschland", sagte Enertrag-Vorstand  Jörg Müller. Ohne geeignete Speicher kann Deutschland sich nicht zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgen.

Mit zunehmendem  Ausbau der erneuerbaren Energien steht der möglichen Stromproduktion nicht immer zeitgleich Strombedarf gegenüber. Diese nicht sofort nutzbaren Energien müssen daher umgewandelt und gespeichert werden, also zum Heizen und Tanken genutzt werden. Hier fallen die höchsten Energiekosten an und der Bedarf ist heute dreimal so hoch wie im Stromsektor. Windgas lässt sich in  das herkömmliche Gasnetz einspeisen und wie gewohnt zum Heizen oder Kochen, aber auch als Treibstoff für Autos verwenden. Überdies ist es möglich, daraus wieder Strom zu machen, um wind- und sonnenschwache  Zeiten zu überbrücken.