Luftaufnahme vom 11. September 2001 zeigt Wolken aus Staub und Rauch, die über den eingestürzten Türmen des World Trade Centers und über Manhattan stehen, kurz nach dem Terroranschlag vom 11.09.2001 in New York, USA (Bild: dpa)

60 x Deutschland - Die Jahre 2001 - 2004

Drei Reformprojekte der rot-grünen Koalition nehmen 2001 Gestalt an: Es gibt neue Standards für die Massentierhaltung, der langfristige Atomausstieg wird besiegelt und Homosexuelle können ihre Lebenspartnerschaft erstmals gesetzlich eintragen lassen. Staatlich ist Homosexualität damit weitestgehend akzeptiert – gesellschaftlich noch nicht. Es gibt Andeutungen über den SPD-Spitzenkandidaten zur Berliner Bürgermeisterwahl. Der geht in die Offensive und spricht den Satz des Jahres. “Ich bin schwul und das ist auch gut so!” Das Bekenntnis schadet nicht: Klaus Wowereit wird in Berlin zum Regierenden Bürgermeister gewählt. Ein Datum lässt dann aber alles in den Hintergrund treten: der 11. September. Auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington werden verheerende Anschläge verübt. Fast 3000 Menschen kommen ums Leben. Die westliche Welt ist geschockt. Und schon unmittelbar nach den Anschlägen ist klar: Eine Spur führt nach Deutschland.

Der Jahresanfang 2002 bringt den Euro: In Deutschland und elf weiteren EU-Staaten ist die europäische Währung ab jetzt einziges gesetzliches Zahlungsmittel.  Im Frühling richtet ein ehemaliger Schüler am Erfurter Gutenberg-Gymnasium ein Blutbad an. Der Amokläufer erschießt 16 Menschen und anschließend sich selbst. In der Konsequenz beginnt eine gesellschaftliche Diskussion über die Ursachen. Das Waffengesetz wird verschärft. Die nächste Schreckensnachricht lässt nicht lange auf sich warten: Die größte Flutkatastrophe seit Jahrzehnten sorgt in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg für Verwüstungen. 21 Menschen kommen ums Leben. Die Schäden durch die Fluten gehen in die Milliarden.

Das Jahr 2003 bringt wieder eine Neuerung – diesmal das Dosenpfand. In der Theorie ist das einfach, in der Praxis wesentlich komplizierter: Einzelhändler weigern sich, “fremdgekaufte” Dosen zurückzunehmen. Nicht wenige Kunden monieren das Durcheinander im Pfandsystem. Bundeskanzler Schröder stellt im Frühjahr die “Agenda 2010″ vor – sein Plan für eine radikale Reform des Sozialstaats. Davon muss er zunächst auch die eigene Partei überzeugen. Die Debatte um das Reformkonzept droht die SPD zu zerreißen. Die Autobahn-Maut für Lkw soll Geld in die Kassen des Verkehrsministeriums spülen – mit einem komplizierten Erfassungssystem. Doch schon die Testphase startet wenig erfolgversprechend: Spediteure klagen über Lieferengpässe der notwendigen Geräte für die Lkw, die Technik ist störanfällig. Die Einführung der Maut wird um zwei Jahre verschoben.

Die EU erfährt 2004 ihre bisher größte Erweiterung. Unter den neuen Mitgliedern sind vor allem osteuropäische Länder. Deutschlands Grenzen zu den östlichen Nachbarn Polen und Tschechien werden durchlässiger. In Düsseldorf stehen ehemalige Mannesmann-Manager vor Gericht. Sie sollen rechtswidrig Prämien in Millionenhöhe erhalten oder genehmigt haben – und werden freigesprochen. Doch ein Schnappschuss, der den Chef der Deutschen Bank in Siegerpose zeigt, löst eine Debatte über die Arroganz von Managern aus. In Dresden ist der äußere Wiederaufbau der 1945 zerstörten Frauenkirche abgeschlossen. Ein anderer historischer Kulturschatz aber geht zu großen Teilen verloren: Die Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek steht in Flammen. Zehntausende wertvolle Bücher werden zerstört, etwa genauso viele können geborgen und restauriert werden.

 

Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten

Herkunft: rbb/MDR/NDR/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV