Pinkfarbener Trabant; Quelle: dpa

60 x Deutschland - Die Jahre 1957 - 1960

Die Bundesrepublik feiert die erste Wiedervereinung. Was mit dem Nachbarn im Osten noch unmöglich scheint, wird an der Westgrenze zur Realität. Das Saarland wird nach über elf Jahren als autonome Region zum zehnten Bundesland. In einer Volksabstimmung hatten sich die Einwohner mit großer Mehrheit für den Beitritt zur Bundesrepublik entschieden. Nicht zuletzt wegen des anhaltenden Wirtschaftswunders. Davon sollen durch die Rentenreform jetzt auch die älteren Bundesbürger profitieren. Auch der Osten feiert.


Die Sowjets schicken den ersten Satelliten ins All: den Sputnik. Die Russen haben damit die erste Etappe im Rennen um die Vorherschafft im Weltraum gegen die USA gewonnen. Eine Woge der Begeisterung überschwemmt das Land, die auch im VEB-Sachsenring ankommt. Hier wird gerade am ersten “Volkswagen-Ost” gebaut, der in Anlehnung an den Sputnik-Erfolg den Namen “Trabant” bekommt.

“Kampf dem Atomtod” - unter diesem Motto demonstrieren 1958 100.000 Westdeutsche in Hamburg gegen die geplante Atombewaffnung. Die Union hatte diese im März nach einer langen Debatte und trotz heftigen Widerstandes im Bundestag beschlossen. Die Raketen vom Typ “Nike Herkules” sind bereits bestellt, als die Nato beschließt, dass nur die Westalliierten über Atomwaffen in Westdeutschland verfügen dürfen. Eine ganz andere Debatte beschäftigt die Bauern in der DDR. Nikita Chruschtschow besucht das Land und macht Werbung für den Mais-Anbau. Der Parteichef der KPdSU unterstützt so die SED-Funktionäre, die Kollektivierung der Landwirtschaft voranzutreiben. Viele Bauern wollen sich jedoch nicht vorschreiben lassen, womit sie ihre Felder bestellen und fliehen in den Westen. Im November sorgt der sowjetische Parteichef dann für Aufsehen. Er fordert den Abzug der Westalliierten aus Berlin binnen der nächsten sechs Monate. Doch die sowjetische Drohgebärde verpufft. Die West-Alliierten beharren auf dem Vier-Mächte-Status Berlins.

Die DDR-Führung wünscht sich zum zehnten Jahrestag der Staatsgründung 1959 hauptsächlich eins: Souveränität und Anerkennung. Kein Wunder also, dass der Vierstufen-Plan zur Wiedervereinigung Deutschlands auf der Viermächte-Konferenz in Genf durch die Sowjets abgelehnt wird. Er würde das Aus für den Sozialismus in Deutschland bedeuten. Die DDR fordert eine Konföderation beider Staaten, was der Westen ablehnt. Selbstbewusst zeigt die DDR ihre neue Flagge mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz. Auch auf West-Berliner S-Bahnhöfen. Ein Flaggenstreit entsteht, der die Fronten zwischen West und Ost zusätzlich erhärten lässt. Ein Prestigeobjekt der DDR-Wirtschaft stürzt ab. Das Düsenflugzeug “152″ verunglückt bei einem Werbeflug für den sowjetischen Parteichef Chruschtschow. Es ist das Ende für den ostdeutschen Flugzeugbau. In Westdeutschland wird das erste Staatsunternehmen privatisiert. Die Preussag geht an die Börse – die erste Volksaktie ist geboren. Ein Modell, das Schule machen wird.

Die Nazizeit bestimmt 1960 die Debatte in der Bundesrepublik. Im Westen wie im Osten fordern Demonstranten den Rücktritt des Vertriebenenministers Theodor Oberländer. Die DDR stellt Oberländer sogar in Abwesenheit vor Gericht. Trotz dessen NS-Vergangenheit hält Kanzler Adenauer zunächst an seinem Minister fest, später muss er doch gehen. Bei einem USA-Besuch trifft Adenauer erstmals den israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Es ist ein historischer Moment. Adenauer stellt sich der deutschen Vergangenheit – Ben Gurion erkennt an: “Das Deutschland von heute ist nicht mehr das Deutschland von gestern.” In der DDR heißt es “volle Kraft voraus”. Die “MS Völkerfreundschaft”, das erste Kreuzfahrtschiff der DDR, läuft aus. Besonders fleißige Arbeiter und Parteifunktionäre können sich auf eine Reise ins Mittelmeer freuen. Natürlich ohne Klassenunterschied an Bord.

Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten

Herkunft: rbb/MDR/NDR/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV