Benno Ohnesorg stirbt nach Anti-Schah-Demo (Quelle: dpa)

60 x Deutschland - Die Jahre 1965 - 1968


 
20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine neue Generation herangewachsen. Nicht nur durch ihren Musikgeschmack distanzieren sich die Fans der Rolling Stones oder Beatles im Westen von der Kriegsgeneration. Sie stellen Fragen, protestieren gegen Bundeswehrsoldaten und fordern Aufarbeitung. In Israel wird der Amtsantritt des ersten deutschen Botschafters von Protesten begleitet. Waffenlieferungen der Bundesrepublik an Israel sorgen indes dafür, dass die DDR von Ägypten anerkannt wird. Ein Triumph für Ulbricht.

Die Starfighter-Affäre weitet sich in der Bundesrepublik zu einem politischen Skandal aus. Im Jahr 1966 kostet der "Witwenmacher" erneut mehreren Piloten das Leben. Die Bundeswehr hält nach kurzem Startverbot trotzdem an dem umstrittenen Düsenjäger fest. Im Osten sorgt ein ganz anderes Ereignis für einen Skandal. Bereits nach wenigen Vorstellungen wird der Film “Spur der Steine” aufgrund von DDR-kritischen Szenen abgesetzt. Während in der DDR der neue Wartburg 1000 das Straßenbild erobert, hat die Bundesrepublik mit der ersten Rezession zu kämpfen. Kanzler Ludwig Erhard will mit einer Steuererhöhung die Folgen abschwächen und verliert seine Mehrheit. Der Vater des Wirtschaftswunders wird nach nur drei Jahren von Kurt Georg Kiesinger abgelöst. Die erste große Koalition ist geboren.

1967 ist Westdeutschland im Zeichen der Revolution. In Hamburg demonstrieren die Hippies friedlich wie “Flower-Power” funktioniert. In West-Berlin zeigt die “Kommune 1″, dass politisches Engagement nicht an der Haustür endet. Trauriger Höhepunkt der außerparlamentarischen Oppositionsbewegung – der Student Benno Ohnesorg wird bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in Deutschland von einer Polizeikugel getroffen und stirbt. Sein Tod wird zur Geburtsstunde der 68er Bewegung. Eine Katastrophe bewegt die DDR im Juli. Kurz hinter dem Bahnhof Langenweddingen bei Magdeburg rammt der Personen-Schnellzug 852 einen Tanklastwagen. 15.000 Liter Benzin setzen den Zug innerhalb von Sekunden in Flammen. 82 Menschen verlieren ihr Leben, darunter 44 Kinder, die auf dem Weg in ein Ferienlager waren.

1968 ist ein Jahr der Reformen und des Aufbruchs, aber auch der Gewalt und Machtdemonstration. Der Prager Frühling macht den Bürgern in der DDR Hoffnungen auf mehr Demokratie und weniger Einschränkungen. Doch schon im Sommer des Jahres wird die Reformbewegung in der Tschechoslowakei blutig niedergeschlagen und die Hoffnung auf Veränderung erstickt. Im Westen machen die Studenten mobil. Die rebellierende Jugend stößt auf Unverständnis. Vor allem ihr Anführer Rudi Dutschke polarisiert. Auch die konservative “Bild”-Zeitung hetzt gegen den Studenten. Am 11. April feuert ein Hilfsarbeiter drei Kugeln auf Dutschke ab. Das Attentat schockiert die Bundesrepublik. Und auch im Kino gibt es eine Reform. Der erste Aufklärungsfilm kommt ins Kino: “Das Wunder der Liebe” von Oswalt Kolle erregt die Gemüter.

 

Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten

Herkunft: rbb/MDR/NDR/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV