
60 x Deutschland -
Am 20. Juli 1969 betritt zum ersten Mal ein Mensch den Mond. Ein Ereignis, das auf der ganzen Welt Menschen vor den Fernsehbildschirmen bewegt. Mit großem Prunk feiert die DDR ihren 20. Geburtstag – gerade pünktlich ist der Fernsehturm in Berlin eröffnet worden. Und schon können ihn alle Einwohner im Fernsehen in Farbe bewundern. Der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht drückt den Startknopf für bunte Bilder im Fernsehen. In der Bundesrepublik soll "mehr Demokratie gewagt werden". Mit Willy Brandt wird zum ersten Mal nach Kriegsende ein Sozialdemokrat Bundeskanzler. Viele Hoffnungen verbinden sich mit ihm. Politiker im Osten setzten auf Brandt, denn sie versprechen sich Anerkennung und Annäherung.
Der SPD-Politiker will sich mit den osteuropäischen Nachbarn aussöhnen. Seine Ostpolitik bringt ihm viele Feinde im konservativen Lager ein. Doch Brandt lässt sich nicht von seinem Kurs abbringen. Im November 1970 sinkt er bei der Kranzniederlegung vor dem Ehrenmal für die Toten des jüdischen Ghettos in Warschau auf die Knie. Eine Geste der Demut, die weltweit Aufsehen erregt.
1971 tritt in der DDR der Staatschef zurück und ein neuer an: Erich Honecker übernimmt das Amt von Walter Ulbricht. Honecker muss sich gleich mit einem großen Problem der sozialistischen Planwirtschaft herumschlagen. Mangel herrscht in der DDR: Es werden zu viel Produkte der Schwerindustrie und zu wenig Konsumgüter hergestellt. Das soll sich nun ändern und so müssen die Industriebetriebe Kohlekästen und Kosmetikregale herstellen. „Wir haben abgetrieben” bekennen 300 Frauen im Magazin „Stern” und protestieren damit gegen den § 218, der Abtreibung unter Strafe stellt. Ohne Erfolg. Erst drei Jahre später wird eine Reform des Paragraphen durchgesetzt – die aber schon bald vom Bundesverfassungsgericht wieder verworfen wird. Die Ostpolitik von Kanzler Willy Brandt bringt deutliche Entspannung im deutsch-deutschen Verhältnis. Ende des Jahres tritt das Transitabkommen in Kraft – das erste auf Regierungsebene geschlossene Abkommen der beiden deutscher Staaten. Der Verkehr zwischen West-Berlin und Westdeutschland kann endlich ungehindert fließen.
1972 erschüttert ein Terroranschlag die Welt. Eine Gruppe Palästinenser erschießt während der Olympischen Spiele Mitglieder der israelischen Mannschaft und nimmt weitere als Geiseln. Auf dem Münchner Flughafen endet ein Befreiungsversuch blutig. Der internationale Terrorismus hat einen ersten Höhepunkt erreicht. Im Deutschen Bundestag wird erstmals seit Gründung der Bundesrepublik die Vertrauensfrage gestellt. Die konservative Opposition will Bundeskanzler Willy Brandt und die sozialliberale Regierung stürzen. Doch sie scheitert. Bei Neuwahlen stellt sich die Bevölkerung mehrheitlich hinter ihren Kanzler.
Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten
Herkunft: rbb/MDR/NDR/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV
