60 x Deutschland - Die Jahre 1973 - 1976

Die Delegationen von DDR und Bundesrepublik direkt nebeneinander im Sitzungssaal – ein neues Bild bei der UNO in New York. 1973 werden die beiden deutschen Staaten in die Organisation aufgenommen. In der Bundesrepublik macht vor allem eine Krise Schlagzeilen: Das Öl wird knapp, weil arabische Staaten ein Embargo gegen israelfreundliche Länder verhängen. Für einige Sonntage wird ein Fahrverbot erlassen. Auf den Autobahnen sind Pferdegespanne, Fahrradfahrer und Wanderer unterwegs. Die Ölkrise ist der erste wirtschaftliche Einbruch der Bundesrepublik. Im Osten ist 1973 ein aufregendes Jahr für die Jugend. Die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten bringen Millionen Menschen zusammen. “Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft”, lautet das Motto, unter dem sich die DDR offen und liberal präsentieren will. Für viele Jugendliche ist es einfach nur eine wilde Zeit.

Fußball-Fans aus aller Welt kommen 1974 nach Deutschland: Zum ersten Mal richtet die Bundesrepublik eine Weltmeisterschaft aus. Und zum ersten Mal tritt auch die DDR-Elf an. Zum deutsch-deutschen Länderspiel in Hamburg dürfen sogar sozialistische Fans anreisen. Die erleben mit, wie ein Tor von Jürgen Sparwasser den West-Kickern eine legendäre Niederlage einbringt. Doch die DDR-Mannschaft scheidet später aus. Die westdeutsche Nationalauswahl dagegen siegt: Deutschland wird im eigenen Land Fußballweltmeister – ein bewegender Moment. Erschütternde Nachrichten kommen dagegen aus dem Bundeskanzleramt. Dort wird ein Spion enttarnt. Günther Guillaume, Sekretär von Willy Brandt, hat diesen jahrelang für die DDR Staatssicherheit ausspioniert. Der beliebte Kanzler gerät immer mehr unter Druck, schließlich stürzt er über diese Affäre.

Am 1. Januar 1975 wird die Volljährigkeitsgrenze von 21 Jahren auf 18 Jahre gesenkt.  Während die jungen Erwachsenen in der Bundesrepublik feiern, müssen die Jugendlichen der DDR arbeiten. Sie bauen in der Ukraine die Druschba-Trasse, über die Erdgas transportiert werden soll. Von Sibirien bis in die DDR soll die Pipeline reichen. Die FDJ erklärt die Trasse zum zentralen Jugendobjekt. Für viele Jugendliche ist der Einsatz trotz der Arbeit einfach nur eine aufregende Zeit. Ein Thema beherrscht die Bundesrepublik ab April: Der Terrorismus. Mit Peter Lorenz wird zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Politiker entführt. Die Terroristen fordern die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen. Die Bundesregierung lässt sich auf den Tauschhandel ein. Danach muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, erpressbar zu sein.

Ein großer Auftritt für eine kleine Biene – auf den Bildschirmen in der Bundesrepublik. Zum ersten Mal flimmern Maja und ihr Freund Willi über die Mattscheiben. Kinderfernsehen ohne jeden Bildungsanspruch. Die Entrüstung bei Pädagogen ist groß – ebenso wie die Resonanz bei den Zuschauern. Kultureller und politischer Mittelpunkt der DDR soll 1976 ein Gebäude werden: Der Palast der Republik. Der sozialistische Staat will sich damit modern, erfolgreich und volksnah präsentieren. Doch ist der Palast auch Sitz der SED-Regierung. Das protzige Gebäude soll so den Sieg des Sozialismus versinnbildlichen. Sozialismus als Weg zur Freiheit erhofft sich der Liedermacher Wolf Biermann in der DDR. Doch seine leise Kritik nimmt die DDR-Regierung zum Anlass, um ihn auszubürgern. Daran nimmt auch SED-Chef Erich Honecker Schaden. Er verspielt seinen Ruf als vorsichtiger Reformer.

 

Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab Klasse 9
45 Minuten

Herkunft: rbb/MDR/NRD/PHOENIX/SWR/WDR/DW-TV